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Märchen - Mite Kremnitz: Rumänische Märchen


Die Kaisertochter und der Fischer

Es war einmal, wie's keinmal war, wär's nicht gewesen, würde es nicht erzählt.

Es war einmal ein Fischer, nicht gar so sehr und nicht all zu arm; er war aber jung, mit so einem gedrehten Schnurrbart, weißt Du, und ansehnlich. So oft er mit Fischen am kaiserlichen Hof vorbeiging, schickte die Kaisertochter und ließ ihn rufen, kaufte Fische von ihm und gab ihm zehn Mal mehr Geld, als die Fische ausmachten.

Unser Fischer verwöhnte sich durch das Geld, und so oft er irgend gute, frische Fische hatte, brachte er sie an den kaiserlichen Hof, und es verging kein Tag, den Gott werden ließ, an dem die Kaisertochter nicht Fische kaufte, wenn der Fischer dort vorbei kam.

Eines Tages drückte die Kaisertochter ihm, als sie ihm die Fische zahlte, ein wenig die Hand; der Fischer wurde roth wie eine Runkelrübe, schlug die Augen zu Boden, nachdem er sie mit liebkosenden Augen angeschaut, denn er hatte verstanden, daß sie ihm Anlaß dazu gegeben hatte.

Darauf ließ er sich in ein Gespräch mit ihr ein und nahm sich recht in Acht, keine Dummheiten zu sagen.

Ein ander Mal als die Kaisertochter Fische kaufte, fing er so mit großen Umschweifen davon zu reden an und ließ die Kaisertochter fühlen, daß er sie verstanden habe, und daß das Feuer, welches ihn verzehrte, nicht weniger hell brenne als das ihre.

Noch ein ander Mal, ließ er sich im Gespräch weiter aus, und die Kaisertochter erfuhr von ihm, daß er unverheirathet sei, außerdem gefielen ihr seine schlauen Antworten sehr, und da er sehr anziehend war, verliebte sich die Kaisertochter schließlich in ihn. Sie gab ihm eine Börse mit Geld, daß er sich gute Kleider kaufen könne, und sagte ihm, hernach zu ihr zu kommen und sich ihr zu zeigen.

Nachdem er sich Kleider, wie die Herren sie tragen, gekauft hatte, zog er sie an und kam dann, um sich der Kaisertochter vorzustellen. Fast hätte sie ihn nicht erkannt, denn auch sein Gang und seine Haltung waren so steif geworden wie die eines Herrn.

Als sie schließlich das Feuer, das sie im Herzen trug, nicht mehr zurückhalten konnte, sagte sie ihm, daß sie ihn zum Mann nehmen wolle.

Der Fischer wußte nicht viel, soviel aber doch, daß solch ein Kosthäpchen nicht für seinen Schnabel sei, und ihm war, als könne er nicht glauben, was er mit Ohren hörte und mit Augen sah; als ihm die Kaisertochter aber versicherte, daß sie zu ihm nicht im Scherz so spräche, nahm er es an, aufrichtig gestanden aber immer noch mit Zweifeln und Erröthen.

Dem Kaiser war diese Heirath nicht recht nach dem Sinn; da er seine Tochter aber liebte und sie das einzige Kind ihrer Eltern war, gab er ihren Bitten nach. Das Mädchen gab dem Fischer noch eine Börse Geld und sagte ihm, sich noch schönere Kleider zu kaufen. Der Fischer kehrte mit Kleidern, die von Gold strotzten zurück, das Mädchen aber zeigte ihn dem Kaiser, der sie denn auch mit einander verlobte.

Viel Zeit verging nicht, ehe nicht eine ganz kaiserliche Hochzeit hergerichtet wurde. Als sie sich zu Tisch setzten, brachte man auch den Brautleuten ein weichgekochtes Ei, nach altem Brauch, von dem nur die Beiden essen durften. Als er mit einem Brotschnittchen in das Ei einstippen wollte, verhinderte ihn die Kaisertochter daran und sagte: »Ich muß zuerst hineinstippen, weil ich eine Kaisertochter bin und Du ein Fischer!« Der Fischer antwortete nichts, er stand aber vom Tisch auf und verschwand. Die Tischgenossen, die nicht wußten, was vorgefallen war, sahen sich gegenseitig an und fragten sich verwundert, was das bedeute? denn davon hatten sie nichts gehört, daß des Kaisers Schwiegersohn früher Fischer gewesen war.

Das Mädchen bereute ihre Unüberlegtheit, biß sich in die Lippen, und rang die Hände. Sie aß, was sie essen mußte, aber es war, als ob sie es hinter sich würfe, denn kein Bissen kam ihr zu Gute.

So ging sie also nach der Tafel in ihr Zimmer. Die ganze Nacht schloß sie kein Auge, nicht einmal der Schlaf wollte kommen, so traurig war sie; und weil sie immer an ihn dachte, fürchtete sie sich sehr, daß sie vor Sehnsucht krank würde. Ihr Hauptkummer war, warum er davon gegangen, ohne auch nur ein Wort zu sagen.

Am nächsten Tag begab sie sich zum Kaiser und sagte ihm, daß sie ihrem Manne nachginge, um ihn aufzufinden, so sehr hätte die Sehnsucht nach ihm sie erfaßt. Der Kaiser wollte sie zurückhalten, sie hörte aber nicht auf ihn und machte sich auf den Weg.

Sie ging durch die ganze Stadt, suchte auf und nieder und fand ihn nirgends. Dann wanderte sie von Stadt zu Stadt, bis sie ihn als Knecht in einer Herberge traf.

Als sie ihn sah, ging sie gerade auf ihn zu und redete ihn an, er aber that, als kenne er sie nicht, wandte seinen Kopf ab, antwortete ihr nichts und ging seinen Geschäften nach.

Sie folgte ihm überall hin und bat ihn, nur ein Wörtchen mit ihr zu sprechen, aber vergebens. Als aber sein Herr sah, wie sie dran Schuld war, daß seine Arbeit Störung erlitt, sagte er ihr: »Warum läßt Du meinen Knecht nicht in Frieden seine Arbeit vollenden? Siehst Du nicht, daß er stumm ist? Sei so gut, Dich von hier fortzuscheren, wenn Du eine ehrbare Frau bist.«

»Er ist nicht stumm«, rief sie, »dies ist mein Mann, der mich eines Versehens wegen verlassen hat und entflohen ist.«

Alle Leute in der Herberge blieben erstaunt stehen, als sie ihre Worte hörten, denn sie scherzte nicht, der Wirth der Herberge konnte so etwas aber nicht glauben, denn er meinte, das wäre nicht möglich, daß ein Mensch sprechen könnte und dann eine ganze Woche lang leben, ohne ein Wörtchen von sich zu geben; und wirklich Alle kannten ihn als stumm, sie verständigten sich mit ihm durch Zeichen und hatten ihn wegen seiner Tüchtigkeit lieb.

Darauf ging die Kaisertochter eine Wette mit Allen ein, daß sie ihn innerhalb dreier Tage zum Sprechen bringen würde, wenn man ihr nur gestatte, um ihn zu sein, gelänge es ihr aber nicht, wolle sie sich hängen lassen. Dies wurde schriftlich aufgesetzt, der Ortsbehörde gezeigt und sie gebeten, dies Uebereinkommen gut zu heißen. Da der Vertrag eingegangen war, nahm die Frist von drei Tagen am nächsten Morgen ihren Anfang.

Der Fischer wußte anfangs nichts von diesem Uebereinkommen, später erfuhr er davon; die Tochter des Kaisers aber ging ihm nicht von der Seite.

»Mein Geliebter«, sagte sie ihm, »Du weißt, daß ich die Schuldige bin: ich habe Dich erwählt, weil ich Dich geliebt habe; ich schwöre Dir, daß ich nicht wieder solch ein Versehen machen will; habe Mitleid mit mir und sage mir ein Wort, errette mich aus der Schande, die mich tödtet. Ich weiß, daß Du ein Recht hast, erzürnt zu sein, aber um meiner Liebe willen verzeihe mir!«

Der Fischer wandte den Kopf nach ihr, zuckte mit den Schultern und that, als kenne er sie nicht und wisse nicht, von was die Rede sei. Es verging ein Tag, zwei Tage, und er sagte nicht einmal gigs. Als der dritte Tag kam, erschrak die Kaisertochter furchtbar, und wohin auch der Stumme ging, überall kam sie ihm entgegen und bat ihn, ihr ein Wort zu sagen.

Der Fischer aber, da er fühlte, daß sie ihn mit Bitten bedrängte, entfloh wie ein Wilder vor ihr, damit sie ihn nicht mit Thränen bestürme, und stellte sich, als ob sein Herz eine Eisscholle sei; sie hörte aber nicht auf, ihn tausendmal zu bitten, so innig, daß sie sogar das Herz wilder Thiere erweicht haben würde.

Endlich verging auch der dritte Tag, und der Fischer hatte nicht einmal mucks gesagt.

Alle Leute wunderten sich über diese Vorfälle. In der ganzen Stadt sprach man von nichts Anderem als von dem stummen Knecht in der Herberge und dem schönen und lieblichen Mädchen, das, wie die Leute meinten, sich getäuscht hätte, indem sie den Stummen mit einem Anderen verwechselt habe, und sich nun selbst ins Unglück bringe.

Am nächsten Tage war der Galgen bereit. Um ihn herum versammelten sich Alle, um das Ende der Geschichte mit anzusehen.

Die Ortsbehörde wurde an Ort und Stelle gerufen und gegen ihren Willen gezwungen, das auszuführen, was in dem gemachten Uebereinkommen stand.

Der Henker kam und rief sie zur Aburtheilung, weil es ihr nicht gelungen war, die Verpflichtungen, an die sie selbst sich gebunden, zu erfüllen; das Mädchen wandte sich noch einmal um und schluchzend suchte sie das Herz des Fischers zu erweichen, aber vergebens. Als sie sah und verstand, daß keine Rettung war, ließ sie ihr Haar lose den Rücken hinabhängen und begann sich so zu bejammern, daß es zum Erbarmen war, daß selbst das Holz und die Steine aus Mitleid für sie weinten; so ging sie auf den Richtplatz. Die Leute aber, klein und groß weinten um sie, und konnten ihr doch nicht helfen.

Am Galgen angelangt, schaute sie noch einmal hoffnungsvoll auf den Stummen, der mit der Menschenmenge mitgekommen und wie ein Fühlloser dastand, und sagte ihm:

»Mein lieber Gatte, errette mich vom Tode, Du kennst meine Liebe zu Dir, laß mich nicht schmachvoll sterben. Sage nur ein Wort, und ich bin errettet; er aber zuckte mit den Schultern und schaute nach rückwärts über's Feld.«

Der Henker stand mit der Schlinge in der Hand; zwei Bedienstete führten sie die Leiter hinauf, und der Henker legte ihr die Schlinge um den Hals. Ein Augenblick noch, und das Mädchen wäre todt gewesen! Aber gerade in der Sekunde, als er sie los und in der Luft schweben lassen wollte, streckte der Fischer die Hand aus und rief: »He, he, haltet ein.«

Alle standen starr, und aus aller Anwesenden Augen liefen Freudenthränen, der Henker aber löste die Schlinge von des Mädchen Hals. Darauf sagte der Fischer, indem er das Mädchen anschaute, dreimal:

»Wirst Du noch einmal Fischer zu mir sagen?«

»Verzeih' mir, mein theurer Gatte«, beeilte sich das Mädchen ihm zu erwidern, »einmal habe ich es nur gesagt und auch damals nur aus Versehen, ich verspreche Dir, es nie mehr zu sagen.«

»Laßt sie herunter, denn sie ist meine Frau.«

Und er nahm sie bei der Hand, und sie gingen zusammen nach Hause.

Darauf lebten sie in Friede und Freuden, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch.



Ich schwang mich in den Sattel dann,

Damit ich's Euch erzählen kann.


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