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Märchen - Arthur und Albert Schott: Rumänische Volkserzählungen aus dem Banat


Juliana Kosseschana

Ein mächtiger Kaiser, die Geschichte sagt aber nicht von welchem Reich, hatte drei erwachsene Söhne. Der älteste von ihnen bekam Lust zu heiraten und trat mit dem Gesuch um Erlaubnis dazu vor seinen Vater. »Mein Sohn«, erwiderte dieser, »ziehe vorher aus in fremde Länder und reise so viel, wie ich gereist bin, dann kannst du, wenn du zurückkommst, heiraten.« Darauf machte sich der Prinz zum Reisen fertig und zog ein ganzes Jahr in fremden Ländern umher, bis er endlich in eine Stadt kam, wo eine frühere Geliebte seines Vaters wohnte. Von dort kehrte er heim und erzählte seinem Vater, daß er so weit gereist sei wie er, und als ihn dieser fragte, wo dies sei, sagte der Prinz: »In jener Stadt, mein Vater, wo du einst eine Geliebte hattest.« Lachend erwiderte hierauf der Kaiser: »Wenn du, um in jene Stadt zu kommen, ein ganzes Jahr gebraucht hast, so kannst du noch nicht heiraten, denn ich ritt in einem halben Tage dahin. Um acht Uhr abends verließ ich die Stadt, ich unterhielt mich mit meiner Geliebten die halbe Nacht und war doch am Morgen wieder zurück. Du siehst also, daß du mirs noch lange nicht gleichtust.« Einige Zeit nachher wollte des Kaisers zweiter Sohn heiraten und trat ebenfalls vor seinen Vater, um sich die Erlaubnis dazu auszuwirken, bekam jedoch denselben Bescheid wie sein älterer Bruder. Er ging deshalb auch auf die Reise, nahm aber eine andere Seite, auf welcher er in ferne Länder zog, bis er endlich auch in jene Stadt kam, wo die frühere Geliebte seines Vaters wohnte. Von dort kehrte er zurück, nachdem er gerade ein Jahr fortgewesen war. Als er aber seinem Vater Bericht erstattete, ging es ihm wie seinem Bruder: der Vater ließ ihn nicht heiraten.

Wieder verging einige Zeit, da trat der Jüngste, mit Namen Petru, vor seinen Vater und bat ihn um Erlaubnis zum Heiraten. Darob erzürnte der alte Kaiser: er zog sein Schwert und hätte ihn sicherlich getötet, wenn ihm nicht die Kaiserin in den Arm gefallen wäre. »Lassen wir ihn ziehen, ebenfalls in fremde Länder«, sprach sie, »er soll noch weiter reisen, als du gekommen bist.« Der Kaiser steckte sein Schwert ein, überlegte sichs und gab auch seinem jüngsten Sohne die Erlaubnis zum Reisen.

Prinz Petru's erste Sorge war, sich ein gutes Pferd in den kaiserlichen Ställen auszusuchen. Als er deshalb über den Hof ging, sagte ein alter Hund, der dort lag, zu ihm: »Geh, Petru, wieder zu deinem Vater und verlange jenes Pferd, welches er selbst von seiner Jugend bis in sein Alter geritten hat.« Petru hörte auf die Worte des Hundes, kehrte um und verlangte von seinem Vater zu der Reise dieses Pferd. Da lachte der Kaiser und sagte: »Was willst du mit dieser alten Mähre tun, von der ohne Zweifel kein Bein mehr übrig ist. Sollte sie aber noch leben, so geh zum Tschikoschen (Roßhirten) auf die Weide, der wird davon wissen.« Der Prinz wandte sich an den Tschikoschen, welcher die Pferde des Kaisers auf der Weide hütete, und als er wieder an dem Hunde vorüberging, so sagte dieser: »Petru, mache hier drei Feuer und setze über jedes Feuer einen Kessel Wein zum Kochen, dann befiehl dem Tschikoschen, daß er alle Pferde hierher treibt. Unter diesen wird eines sein, welches kommen wird, um die drei Feuer zu fressen und die drei Kessel Wein auszusaufen, das ist das rechte.«

Der Prinz tat, wie ihm der Hund geraten hatte, aber als der Tschikosch auf seinen Befehl die Pferde gegen die drei Feuer trieb, da scheuten sie alle und flohen auseinander. Petru sagte hierauf zum Tschikoschen: »Unter diesen ist das Pferd nicht, welches ich meine, es muß eines zurückgeblieben sein.« Der Tschikosch erwiderte hierauf: »Es ist keines zurück außer einer alten, elenden Mähre, welche vor Magerkeit in eine Pfütze gefallen und dort liegengeblieben ist, als ich die anderen wegtrieb.« – »Hol dieses!« rief der Prinz dem Tschikoschen zu, »hol dieses, daß wirs auch mit ihm versuchen.«

Er ging, hob mit vieler Mühe das Tier auf und trieb es her, wo noch die Feuer brannten. Als es dieselben zu riechen anfing, wurde es lebhafter, fraß die Feuer samt der Glut auf und soff dann der Reihe nach die drei Kessel mit heißem Wein aus, worauf es ganz lebendig und mutig wurde und die Kraft wieder bekam, die es in seiner Jugend gehabt hatte. Es redete nun auch und sprach zum Prinzen Petru: »Jetzt geh und bring mir die Milch von sieben Zigeunerinnen.« Der Prinz tat dies, und als das Pferd sie gesoffen hatte, mußte es der Prinz zu einem Zigeuner führen, dem er befahl, ihm acht Hufeisen zu machen. »Mit vieren«, sprach das Pferd zum Prinzen, »mußt du mich jetzt beschlagen lassen und mit vieren, wenn wir zurückkommen.« Hierauf begehrte der Prinz von seinem Vater auf den Rat des Pferdes jenen Zaum, mit dem es von seiner Jugend an geritten worden war und welchen ihm auch der Kaiser willig geben ließ.

Nachdem nun der Prinz Petru zum Reisen fertig war, beurlaubte er sich von seinen Eltern und bestieg sein Pferd, welches in solch rasenden Fluchten davonjagte, daß man es nicht sehen konnte. Es hielt nicht eher, als bis es beim gläsernen Berg angelangt war. Da sprach es zu seinem Reiter: »Petru, schau einmal zurück, ob du nicht etwas siehst!« Als der Prinz zurückschaute, so sagte er: »Ja, ich sehe eine dunkle Wolke«, worauf ihm das Pferd sagte: »Bis dorthin war dein Vater und nicht weiter, aber wir wollen jetzt dorthin gehen, zu der Geliebten deines Vaters. Nimm dich übrigens bei ihr in acht, denn sie ist entschlossen, dich umzubringen. Deshalb gib mich nicht aus deinen Händen, und wenn du das Nachtmahl bei ihr eingenommen hast, so tummle dich und kehre gleich zu mir zurück, damit ich dich wohl vor ihr verstecken kann.«

Prinz Petru merkte sich diese Lehre wohl und ritt vor das Haus der Geliebten seines Vaters. Sie kam mit ihrer schönen Tochter heraus und hieß ihn aufs freundlichste willkommen. Die Tochter verlangte schmeichlerisch, ihm das Pferd abzunehmen, um es herumzuführen, weil es erhitzt sei, aber er ließ es, der Warnungen des Tieres eingedenk, nicht zu, sondern versah diesen Dienst selbst, worauf er zum Abendessen ging. Dort machte er es kurz und begab sich sogleich wieder in den Stall zu seinem Pferd, welches ihn dann in eine Laus verwandelte und ihn so in einen seiner Zähne setzte. Die Herrin des Hauses suchte nun ihren Gast in der Nacht überall, um ihn zu ermorden, und als sie ihn nicht finden konnte, ging sie eilig zu ihrem Vater, welcher das benachbarte Königreich beherrschte und überdies ein Wahrsager und Weiser war, um ihn zu fragen, wo sich denn ihr Gast Prinz Petru, der Kaiserssohn, befinde. Ihr Vater gab ihr den Bescheid, sie solle schnell umkehren, damit sie ihn noch treffe, als Laus im Zahne seines Pferdes. Sie kehrte so schnell wie möglich zurück, kam aber doch zu spät, denn Prinz Petru war mit seinem Pferde schon davongeritten.

Unterwegs sagte das Pferd zu dem Prinzen: »Laß uns auch den Herrn des benachbarten Königreiches besuchen, den königlichen Vater der Geliebten deines Vaters, der zugleich Weiser und Wahrsager ist. Er hat eine sehr schöne Tochter, welche du dir zur Geliebten und zur Frau begehren kannst.« Dem Prinzen war der Vorschlag recht, und sie nahmen ihre Richtung jenem Königreiche zu. Als die Königstochter, welche Juliana Kosseschana hieß, den schönen Prinzen Petru sah, so fühlte sie sogleich eine mächtige Liebe zu ihm. Der Prinz, welcher von dem König wohl aufgenommen wurde, verlangte von diesem seine Tochter zur Frau, bekam aber zur Antwort: »Wenn du dich so vor mir zu verstecken imstande sein wirst, daß ich dich nicht finde, so magst du sie haben; wenn dir dies nicht gelingt, so werde ich dir den Kopf abhauen. Schau hinab in den Hof, wo jene zwanzig Pflöcke stehen: neunzehn sind bereits mit den Köpfen solcher geziert, die sichs nach dem Besitz meiner Tochter gelüsten ließen, und dein Kopf wird wohl der zwanzigste sein.« Prinz Petru erwiderte hierauf weiter nichts, sondern ging, um vorher sein Pferd zu befragen, und dieses sagte ihm, er solle sich nicht fürchten, sondern nur gleich nach dem Abendessen zu ihm in den Stall kom men, dann werde es ihn schon verstecken, daß der König ihn nicht finden solle. Der Prinz versprach, dies zu tun, und ging zum Abendessen des Königs. Nachdem dieses vorüber war, blieb er bei der Prinzessin Juliana und unterhielt sich mit ihr die ganze Nacht, ohne mehr an sein Pferd zu denken. Dieses fuhr ihn daher, als er des Morgens in den Stall trat, sehr zornig an und sprach zu ihm: »Saumseliger, du wirst dem Tode nicht entgehen, wenn du meine Lehren nicht besser befolgst!« Mit diesen Worten versteckte das Pferd seinen Herrn über den Wolken.

Als der alte König einige Zeit nachher aufgestanden war, rief er: »Juliana Kosseschana, meine Tochter, bring mir meine Krücken, damit ich meine Augen erhebe, um den Taugenichts von einem Prinzen in seinem Versteck aufzutreiben, denn es verdrießt mich das viele Schreien des leeren Pflocks nach einem Kopf und des Schwerts nach Blut!« Als er das Verlangte hatte, schaute er auf und rief: »Prinz Petru, komm herab aus den Wolken, denn du bist kein Vogel, daß du in der Luft leben solltest!« Da mußte der Prinz herunter, und es wäre unfehlbar um seinen Kopf geschehen gewesen, hätte nicht die Prinzessin für ihn ein Wort gesprochen und den König gebeten, daß er dem Prinzen erlaube, die nächste Nacht bei ihr zuzubringen. Der arglistige König, der einsah, daß dann der Prinz desto gewisser um seinen Kopf komme, gab das zu, und wieder verbrachte der leichtsinnige Liebhaber eine Nacht bei der Prinzessin Juliana, ohne an die mahnenden Worte seines getreuen Pferdes zu denken. Als er des Morgens in den Stall kam, schalt es ihn noch stärker als am Tag zuvor und versteckte ihn, nachdem es ihn in einen Fisch verwandelt hatte, tief auf den Grund des Meeres.

Aber der König fand ihn wieder mittels seiner Zauberei und hätte ihm sogleich den Kopf abgeschlagen, wenn nicht seine Geliebte für ihn gebeten und es durchgesetzt hätte, daß er noch eine Nacht mit ihr zubringen dürfe. Diesmal hielt aber Petru trotz den Bitten der reizenden Königstochter Wort und ging gleich nach dem Abendessen in den Stall zu seinem Pferd, worüber dieses sehr erfreut war. Es sprach also zu ihm: »Ich werde dich nun in eine Laus auf des Königs Kopf verwandeln, wo er dich gewiß nicht findet. Der listige Zauberer wird dich aber täuschen wollen und rufen, du sollest hervorkommen, er habe dich entdeckt. Schenk ihm ja keinen Glauben, sondern erst wenn er zum drittenmal ruft und verspricht, er selbst wolle seinen Kopf unter das Schwert legen, du aber sollst mit seiner Tochter Juliana Kosseschana leben, so komm hervor.« Damit wurde der Prinz als eine Laus auf des Königs Kopf versetzt, so daß dieser, als er ihn suchte, ihn durchaus nicht finden konnte und endlich rief: »Komm hervor, Prinz Petru, denn mit dir ists nichts!« Der Prinz aber wahrte sich wohl in den grauen Haaren des Königs und kam nicht hervor. Der böse König rief wiederum, allein der Prinz gab ihm kein Gehör, bis er versprach, daß er selbst seinen Kopf unter das Schwert legen wolle und daß der Prinz mit seiner Tochter Juliana Kosseschana leben könne. Da nahm Petru seine wahre Gestalt an, schlug dem Zauberkönig den Kopf ab und steckte ihn auf den leeren zwanzigsten Pflock.

Danach sprach die Prinzessin zu ihrem Geliebten: »Jetzt eile, Petru, und hole deine Eltern, damit wir hier die Hochzeit halten.« Petru setzte sich sofort auf und jagte nach seiner Heimat. Unterwegs sah er eine Krone liegen, worauf die Buchstaben J und K eingegraben waren. Er fragte sein Pferd, ob er sie nehmen solle oder nicht, worauf dieses antwortete: »Wenn du sie nimmst, wird es dich reuen, und wenn du sie nicht nimmst, wird es dich ebenfalls reuen!« Da überlegte der Prinz bei sich und dachte: »Lieber nehme ich die Krone, und wenn es mich auch reut, als daß ich sie nicht nehme und es mich doch reuen soll.« So hob er die Krone auf.

Die Reisenden waren bereits in der Hauptstadt eines anderen Königs angekommen, da sagte das Pferd zu seinem Herrn: »Jetzt, mein Prinz, bin ich sehr müde und muß einige Zeit ausruhen, gehe du denn zum König und verdinge dich in einen Dienst, damit du zu leben hast, bis wir unseren Weg fortsetzen können. Der Prinz tat so und ließ sich unter die Dienerschaft des Königs aufnehmen. Nun sah einmal einer seiner Genossen die goldene Krone bei ihm und meldete dies sogleich dem König, der den neuen Diener rufen und sich die Krone zeigen ließ. Er erkannte die Krone sogleich als die der Prinzessin Juliana und fragte den Prinzen, wie er zu diesem Kleinod gekommen sei. Der Prinz erzählte, daß er sie gefunden habe, worauf ihm der König den strengsten Befehl gab, ihm die Prinzessin zur Stelle zu schaffen, wo nicht, so lasse er ihm den Kopf abhauen. Traurig und an seinem Los verzweifelnd, suchte nun der Prinz Petru sein Pferd auf und klagte ihm, in welche große Bedrängnis ihn die zu seinem Unglück gefundene Krone versetzt habe, indem er nun seine geliebte Juliana dem tyrannischen König ausliefern müsse. Das Pferd aber tröstete seinen Herrn und sprach zu ihm: »Fürchte dich keineswegs, denn ich werde dir schon helfen. Setze dich nur geschwind auf, damit wir so schnell wie möglich wieder zu der Prinzessin Juliana Kosseschana zurückkommen. Dort schau aber zu, denn sie wird uns mit einer Peitsche empfangen, damit wir sie nicht umrennen. Wenn wir nahe genug bei ihr sind, so reiße sie zu dir herauf, und wir werden sie im schnellsten Fluge wieder hierher zurückbringen. Wegen deines weiteren Loses sei unbekümmert.«

Nachdem das Pferd so gesprochen hatte, setzte sich der Prinz auf, und bald hatten sie das Schloß der Prinzessin erreicht, die, als Prinz Petru ankam, eben auf dem Hofe stand. Sie schlug mit einer Peitsche nach dessen flüchtigem Pferde, welches aber in dem Augenblick stillstand, als es bei der Prinzessin war. Der Prinz ergriff die Prinzessin schnell, setzte sie vor sich hin, und die Reise ging so schnell zurück, wie sie hergegangen war. Nachdem der Prinz die Prinzessin dem König übergeben hatte, wollte dieser sie als seine Braut umarmen, sie aber stieß ihn zurück und rief: »Wir werden so lange nicht Mann und Weib sein, als bis wir uns in der Milch von wilden Stuten gebadet haben.« Die Prinzessin wußte wohl, daß dies etwas Unmögliches sei. Verdrießlich sagte der König: »Wer wird uns denn diese Milch verschaffen?« Da antwortete jene: »Der, welcher mich hierher gebracht hat.« Darauf ließ der König den Prinzen Petru rufen und befahl ihm, wenn ihm sein Kopf lieb sei, Milch von wilden Stuten herzuschaffen.

In dieser neuen Verlegenheit ging Petru wieder zu seinem Pferd und erzählte ihm voll Niedergeschlagenheit von dem unausführbaren Auftrag, den ihm der König gegeben hatte. Da sprach das Pferd wieder: »Fürchte dich nicht, Prinz, die Milch soll bald da sein! Gehe nur zum König und bitte, daß er dir Pech, Flachs, drei Büffelhäute und drei Metzen Haber geben lasse.« Petru verlangte diese Dinge vom König, welcher alsbald Befehl erteilte, sie ihm zu geben. Als er wieder damit zu seinem Pferde kam, sagte dieses: »Mache nun das Pech warm und schmiere mir den Rücken damit, dann lege von dem Flachs darauf und beschmiere diesen wieder mit Pech, auf welches du dann eine Büffelhaut legst, damit sie drauf hängenbleibt. Auf sie schmiere wieder Pech, und fahre so fort, bis du eine Büffelhaut um die andere hinaufgeklebt hast. Alsdann setze dich auf mich bis zu der Höhle, wo sich die wilden Stuten befinden, dort wirst du dann mehr sehen.« Der Prinz tat, wie ihn das Pferd angewiesen hatte, und ritt zu der besagten Höhle, wo er abstieg. Das Pferd fing an zu wiehern, und gleich darauf drängte sich aus der Herde der wilden Stuten ein Hengst, welcher mit ihm zu kämpfen anfing. Dieser biß und hieb so lange auf des Prinzen Pferd, bis er ihm endlich eine Büffelhaut heruntergezogen hatte, aber auch dieses brachte jenem üble Wunden bei, so daß er heftig blutete. Dies nahm jedoch der wilde Hengst nicht in acht, vielmehr begann er den Kampf aufs neue, bis er wieder von dem Pferd eine Büffelhaut herunter hatte; freilich ging er selbst aus diesem zweiten Kampfe noch übler zugerichtet hervor als aus dem ersten. Dessenungeachtet stürzte er sich zum drittenmal in blinder Wut auf das Pferd und ruhte nicht, als bis er ihm mit den Zähnen die letzte Büffelhaut vom Rücken gezogen hatte. Nun aber wurde dieses erst recht toll und biß und schlug so furchtbar auf den schon müde gewordenen Hengst, daß er halbtot zusammenstürzte. Darauf rief es den Prinzen herbei und sagte zu ihm: »Nun binde diesen Wildfang mir zur Rechten, aber fest, und setze dich auf mich.« Dies tat der Prinz, und das Pferd drängte mit solcher Gewalt vorwärts, daß der Hengst auf und mit fort mußte. Sie eilten weg, dem wilden Hengst aber folgte die ganze Stutenherde. So brachte der Prinz den ganzen wilden Troß mit sich; damit er aber die Stuten ein wenig hinter sich zurückhalte, streute er ihnen nach und nach auf dem Wege jene drei Metzen Haber hin, die er mitgenommen hatte. Als er nun dem König meldete, daß er die wilden Stuten gebracht habe, so fragte dieser wieder die Prinzessin Juliana, wer sie melken solle, worauf diese erwiderte: »Der, welcher sie hierher gebracht hat.« Sie dachte den Prinzen zu verderben, weil er sie wider ihren Willen dem König überliefert hatte, denn sie wußte nicht, daß ihr Geliebter dazu gezwungen worden war. Der König gab also dem Prinzen Petru den Befehl, die wilden Stuten zu melken. Getrost verfügte sich der Prinz wieder zu seinem Pferd, um guten Rat einzuholen. Es gab ihm aber keine Antwort, sondern blies aus einem Nasenloch, und im Augenblick war der ganze Hof ein Morast, in welchen die wilden Stuten bis an den Bauch einsanken. Alsdann blies es aus dem andern Nasenloch, da gefror der Morast so fest zusammen, daß die Tiere sich nicht von der Stelle rühren konnten. Der Prinz molk nun ruhig die wilden Stuten, bis er genug zu einem Bad hatte. Jetzt blies das Pferd wieder zweimal und ließ so den Morast auftauen und trocknen, dann gab der Prinz den Hengst frei, der mit seiner Herde so schnell als er konnte nach der Wüste zurückjagte.

Prinz Petru kochte nun die Milch in einem großen Kessel, und als sie siedend war, meldete er es dem König, welcher nun der Prinzessin das verlangte Bad anbot. Sie aber sagte: »Nein, zuerst soll sich derjenige darin baden, der die Milch hergebracht hat«, worauf der König dem Prinzen befahl, es zu tun. Der Prinz klagte seinem Pferde, daß er nun in der siedenden Milch seinen sicheren Tod finden werde, das Tier aber sagte: »Bitte dir vom König die Gnade aus, daß ich mich neben dich stellen darf, wenn du ins Bad steigst, so wird dir nichts geschehen.« Dies tat der Prinz, erhielt die Erlaubnis, und wie er sich nun ins Bad setzte, blies das Pferd, so daß die Milch im Augenblick kaum noch lau war. Als der Prinz herausgestiegen war, hieß die Prinzessin den König in den Kessel steigen, indem sie sagte, sie wolle zuletzt baden. Der König tat dies, nachdem Prinz Petrus Pferd wieder auf die Milch geblasen hatte, daß sie so heiß war wie zuvor. Der König stellte zwar sein Pferd auch neben sich, wie es Prinz Petru gemacht hatte, das half ihm aber nichts, denn als er ins Bad stieg, verbrannte er sich die Beine so sehr, daß er zusammensank und augenblicklich in dem Kessel ganz versott.

Nun ging Prinz Petru zu seiner Geliebten, machte ihr Vorwürfe, daß sie ihn so vielen Gefahren ausgesetzt habe, und erzählte ihr, wie es gekommen sei, daß er sie habe dem König überliefern müssen. Die Prinzessin empfand über ihr Benehmen großen Kummer; aber da alles gut abgelaufen war, so umarmten sich die beiden zärtlich und vergaßen gegenseitig alles; das Volk aber rief den Prinzen Petru als König an der Stelle des Totgesottenen aus, und so beherrschte das glückliche Paar zwei Königreiche, worüber der alte Kaiser, Petru's Vater, eine große Freude hatte. Dem treuen Pferde ließ Prinz Petru alle Jahre drei Haufen Feuer und drei Kessel siedenden Weines geben, so daß es bei Kräften blieb, solang es lebte. Dies ist die Geschichte vom Prinzen Petru und der Prinzessin Juliana Kosseschana.


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