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Märchen - Oskar Dähnhardt: Naturgeschichtliche Märchen


Wie das Feuer in den Stein gekommen ist

Höret, wie das Feuer in den Stein gekommen ist. Der Teufel kam einmal zu Gott und sagte: ›Herr, es ist nicht zu verwundern, daß die Menschen dir gehorchen und zu dir beten, wenn du sie mit Wohltaten aller Art überhäufst. Erlaube mir, die Welt acht Tage lang zu regieren, und wir wollen sehen, ob sie dich nicht vergessen.‹ ›Gut‹, sagte der Herr, ›regiere also.‹ Und der Teufel machte sich ans Werk. Was er nur Schlimmes ausdenken konnte, tat er den Menschen an, doch erreichte er nichts, denn die Menschen fuhren fort, inbrünstige Gebete zum Schöpfer emporzusenden. ›Wartet‹, dachte der Teufel, ›wenn ich euch das Feuer nehme, werdet ihr euch wohl vor mir beugen müssen.‹ Er brachte von allem, was brennbar war, einen großen Haufen zusammen, zündete ihn an und ging immer um das Feuer herum, um es zu hüten und selbst auf die achtzugeben, die etwa ihre Pfeife daran anzünden wollten. Die Menschen jammerten und rangen die Hände in Verzweiflung und baten Gott, dieses Unglück enden zu lassen. Da rief der liebe Gott Petrus und sagte zu ihm: ›Petrus, mein Lieber, könntest du dem Teufel nicht ein bißchen Feuer wegnehmen?‹ ›Warum nicht‹, antwortete Petrus, ›das will ich schon, aber wie?‹ ›O Petrus, mein Lieber, wozu habe ich dich zum Priester erschaffen, wozu dich zum Heiligen gemacht, wenn du nicht einmal weißt, wie man den Teufel überlistet? Geh zum Schmied, laß dir eine Eisenstange machen und röte sie im Feuer des Teufels, so wird alles, was du damit berühren wirst, Feuer in sich tragen. Geh, mein Freund, und zögere nicht, denn die Menschen weinen.‹ ›Es ist nichts dabei zu machen‹, sagte Petrus, ›wenn ich hingehen muß, so gehe ich.‹ Und er machte sich auf den Weg.

Nachdem er sich eine Eisenstange verschafft hatte, kam er zum Teufel, sagte ihm guten Tag und fing an zu schwatzen. Dann schürte er von Zeit zu Zeit das Feuer mit seiner Stange, als ob er dem Teufel helfen wollte, und zuletzt ließ er, wie im Eifer des Gesprächs, seine Stange im Feuerhaufen, um sie rotglühend zu machen. Als er sah, daß das Eisen schon weiß wurde, sagte er: ›Nun denn, auf Wiedersehen, Gevatter, es ist Zeit, daß ich aufbreche.‹ ›Auf Wiedersehen‹, sagte der Teufel, ›und gute Reise! Aber halt, womit hast du denn das Ende deines Stockes beschmutzt?‹ Als Petrus so in die Enge getrieben wurde, wußte er nichts zu antworten und ergriff die Flucht. Der Teufel ahnte nun die Wahrheit und verfolgte Petrus. Er hatte ihn schon beinahe eingeholt, als Gott vom Himmel aus Petrus erblickte; und weil er fürchtete, daß das Eisen kalt werden würde, so rief er ihm zu: ›Schlage schnell auf den Stein!‹ Petrus tat, wie ihm befohlen war, und seitdem ist das Feuer darin geblieben. Darum springt Feuer aus dem Stein, wenn man Eisen darauf schlägt.


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