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Märchen - Arthur und Albert Schott: Rumänische Volkserzählungen aus dem Banat


Die Waldjungfrau Wunderschön

Ein Kaiserssohn war einst mit seinem Gefolge auf die Jagd gegangen und in einen großen Wald gekommen. Sie fanden da ein einsames Haus stehen, und als sie hineintraten, sahen sie, obwohl von oben bis unten keine Seele zu spüren war, in einem der Zimmer ein fertiges Mittagsmahl stehen, zu welchem sie sich ohne weitere Umstände setzten. Nachdem sie sich gesättigt hatten, gingen sie wieder in den Wald, um zu jagen, und als sie abends in das Haus zurückkehrten, fanden sie abermals ein treffliches Mahl bereit, ohne daß irgend jemand wahrzunehmen gewesen wäre.

Nach dem Essen ging der Prinz vor das Tor des Hauses, um vielleicht draußen einen der Bewohner zu entdecken. Nach einigem Umherblicken sah er auf einem hohen Baum ein Bett, und als er näher an den Stamm trat, kletterte ein schönes Mädchen herunter, das er sogleich in seinen Armen empfing und küßte. Da es sah, was der Prinz für ein außerordentlich schöner junger Mann war, so war es über diesen Empfang nicht ungehalten, sondern küßte den Prinzen wieder und führte ihn in einen prächtigen Garten, den vorher noch kein Mensch gesehen hatte. Dort setzten sie sich in einem duftigen Gebüsche nieder, rings umgeben von den mannigfaltigsten, schönsten Blumen. Bald war die zärtliche Waldjungfrau Wunderschön, so hieß sie, an des Prinzen Brust in den glücklichsten Träumen eingeschlafen. Auch der Prinz entschlummerte, gegen Morgen aber ließ er das Mädchen sanft auf den Rasen gleiten, suchte sein Gefolge und begab sich nach Hause. Als das Mädchen sich beim Erwachen allein fand, geriet es in große Angst, eilte zu dem Baume zurück, auf dem sich sein Bett befand, und wollte hinaufklettern, aber es konnte nicht mehr. Da rief es den Baum, welcher Dafin hieß, an und sprach: »Sag mir, Dafin, meinen Herrn, der mich gestern in seinen Armen empfangen und dann schlafend im Blumengarten alleingelassen hat.«

Der Baum antwortete nicht, aber ein Mönch kam des Wegs gegangen, und dem erzählte es sein Leid. Der Mönch sprach darauf: »Gib mir dein Kleid und nimm das meinige. Eile deinem Geliebten nach, du wirst ihn einholen!« Sie tauschten also ihre Kleider, die Waldjungfrau Wunderschön eilte dem Prinzen nach, holte ihn wirklich ein und sagte zu ihm: »O Dafin, sage mir meinen Herrn, der mich gestern in seinen Armen empfangen und dann schlafend im Blumengarten alleingelassen hat.« Als der Prinz diese Worte hörte, gefielen sie ihm wohl, und er nahm deshalb den Mönch mit sich. Unterwegs und zu Hause hieß er den Mönch die geheimnisvollen Worte oft wiederholen und behielt ihn auch in seinem Zimmer bei sich. Bald nachher wurde des Prinzen Heirat mit einer anderen Prinzessin, mit der ihn der alte Kaiser längst verlobt hatte, vollzogen. Der Prinz wollte sich aber von seinem geliebten Mönch nicht trennen und nahm denselben, ungeachtet aller Einreden seiner jungen Frau, mit ins Schlafgemach.

Dies schien dem alten Kaiser sehr verdächtig, er betrat deshalb in der Nacht, da alle drei schliefen, das Gemach und erkannte, daß der Mönch eigentlich ein wunderschönes Mädchen war. Er hob es nun ganz leise von der Seite des Geliebten weg, ohne daß dieser es gewahr wurde, führte es vor das Tor und hängte es auf. Des Morgens beim Erwachen sah der Prinz den lieben Freund nicht mehr neben sich, er stand voll Angst auf und fragte nach ihm. Als er von seinem grausamen Vater die Nachricht erhielt, daß der Mönch ein Mädchen gewesen sei und daß er ihn wegen seiner Zudringlichkeit gehängt habe, da fiel es wie Schuppen von des Prinzen Augen. Er geriet in Verzweiflung über die Untreue, welche die Waldjungfrau Wunderschön das Leben gekostet hatte, eilte vors Tor hinaus und erhängte sich neben dem unglücklichen Mädchen.


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