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Märchen - Karl Knortz: Irländische Märchen


Conan in Ceasch

Als sich Fion und seine Leute eines Tages auf der Jagd befanden, wurden sie von einem Zwerge eingeladen, mit ihm in seine Hütte zu gehen. Trotzdem sie wußten, daß ihm nicht zu trauen war, gingen sie doch mit, da es ihr Grundsatz war, keiner Gefahr auszuweichen. Sie aßen und tranken bis zum Abend und dann wies der Zwerg Jedem ein besonderes Schlafzimmer an. Kaum hatte sich Fion niedergelegt, da ward es auf einmal ganz hell um ihn her und eine Fee von blendender Schönheit fuhr in einem von winzig kleinen Pferden gezogenen Wagen vor sein Bett. Sie bat ihn in den zärtlichsten Ausdrücken, doch mit ihr nach ihrem Palaste zu fahren; aber er hatte noch Besinnung genug, um seinen Daumen zwischen die Zähne zu halten, wonach er eine alte runzliche Frau auf einem plumpen Bauernkarren vor sich sah. Darnach wandte er sein Gesicht gegen die Wand, setzte sein Waldhorn an den Mund und zeigte durch einige Tone seinen Gefährten an, daß es nicht ganz geheuer sei.

Fergus, Caeilte, Diarmuid, Oisin, Luacha, Goll und Conan hatten darauf dieselbe Erscheinung und nur der letztere war unvorsichtig genug, in den Wagen der Fee zu steigen. Aber dieser Wagen schien keinen Boden zu haben, denn Conan sank in einen tiefen Brunnen, der voll siedenden Wassers war. Glücklicherweise hielt er sich noch an einem Querbalken fest und schrie so laut um Hilfe, daß man es von Ceasch (in Sligo) bis nach Inis na Gloria hören konnte. Gleich darauf eilten seine Kameraden herbei und fanden ihn zu ihrem größten Erstaunen auf einer großen Fleischgabel, die über dem breiten Kochkessel lag, festgeklammert. Sie erlösten ihn gleich aus seiner unangenehmen Lage und sagten ihm, er möge künftighin vorsichtiger sein.

Conan legte sich wieder in sein Bett und gleich darnach hatte er dieselbe bezaubernde Erscheinung wieder. Diesmal wartete er einige Minuten, aber länger konnte er es nicht aushalten; er sprang wieder in den Wagen und gleich darnach befand er sich in einem dunklen Walde, wo ihn ein wildes Thier zu Boden riß und ihn am Munde packte. Conan schrie so laut er konnte und in der nächsten Minute standen die anderen Ritter lachend um ihn herum und zeigten auf die Katze, die ihn am Schnurrbart geleckt hatte.

Conan kroch zum dritten Male in sein Bett zurück und seine Kameraden ließen ihn allein. Aber es dauerte nicht lange, da schrie er wieder, als säße ihm das Messer an der Kehle.

»Unglückssohn!« schrie Fion, »was ist nun wieder mit dir los?«

»Sohn Cumhail's, kaue am Daumen, denn die schrecklichsten Mutterwehen haben mich überkommen!«

Fion streckte den Daumen in den Mund und sah darauf den Zauberer in einer entlegenen Zelle sitzen. Gleich eilte er mit seinen Leuten zu ihm, setzte ihm sein Messer auf die Brust und drohte ihn zu erstechen, wenn er Conan nicht augenblicklich erlöse.

Stillschweigend zog der Zwerg ein Fläschchen aus seiner Brusttasche und gab es Fion. Dieser schickte Oisin damit zum kranken Conan und blieb selber zurück. Ein gellendes Gelächter verkündete bald seine Befreiung. Conan lag still und traurig auf seinem Bette und hatte einen Kopf so roth wie der Vollmond. Er wurde weidlich ausgelacht; doch um weitere Unannehmlichkeiten zu vermeiden, verließ Fion mit seinen Gefährten das Haus des Zauberers.

Seit jener Zeit sagte man Jedem, der auf die Wanderschaft geht: »Mögest du glücklicher sein als Conan in Ceasch!«


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