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Märchen - Karl Knortz: Irländische Märchen


Die Geschichte von drei Geistern, welche Fußball spielten

Es war einmal eine arme Wittwe, die hatte einen einzigen Sohn, den sie fort in die weite Welt schicken mußte, da sie zu Hause kein Brod für ihn hatte. Derselbe ging nun von Haus zu Haus und suchte Obdach und Arbeit.

Nun kam er einstens zu einem reichen Bauern, der sprach zu ihm: »Wenn du eine Nacht in dem Schloß nebenan schlafen willst, so sollst du am nächsten Morgen hundert Guineen haben!«

»Das will ich gerne thun,« erwiderte der Knabe, »vorausgesetzt, daß ihr Niemand hinschickt, der mich umbringen soll!«

»Gewiß nicht. Aber in jenem Schlosse spukt es seit dem Tode meines Vaters und schon zwei oder drei Personen, die darin schliefen, wurden am nächsten Morgen todt gefunden. Wenn du diese Nacht überlebst, so sollst du ein schönes Landgut und meine Tochter zur Frau haben.«

»Ich habe ein gutes Gewissen und brauche mich daher vor bösen Geistern nicht zu fürchten.«

Als der junge Mann zu Abend gegessen hatte, ward er in ein Zimmer des verzauberten Schlosses geführt und seinem Schicksale überlassen. Er machte sich ein großes Feuer an und setzte sich an den Tisch, auf dem eine große Flasche mit Wein stand.

»Mein Gebetbuch ist besser,« sagte er zu sich und fing an, darin zu lesen; doch bald wurde er durch ein verdächtiges Geräusch im Kamine gestört. »Ich falle, ich falle,« rief es beständig. »Falle nur zu!« antwortete der Jüngling und gleich kamen zwei menschliche Beine herunter, die sich von selber in eine Ecke stellten. Als er nachsehen wollte, hörte er wieder dieselben Worte; er antwortete wieder das nämliche und mit der Zeit kam der übrige Körper herunter und setzte sich auf die Beine. In derselben Weise kamen noch zwei andere altmodisch gekleidete Männer aus dem Schornstein und begannen mit dem ersten Fußball zu spielen.

»Laßt uns doch lieber zu viert spielen,« sprach der junge Mann, »dann sind zwei auf jeder Seite.« Sie waren damit einverstanden und spielten bis spät nach Mitternacht. Als sie nun gehen wollten, fragte er sie: »Sagt mir doch, liebe Leute, warum ihr jede Nacht hieher kommt und ob ich etwas für euch thun kann, um euch zur Ruhe zu verhelfen!«

»Das sind die schönsten Worte, die du je in deinem Leben gesprochen hast,« erwiderte der Eine; »es sind schon Mehrere hier gewesen und haben mit uns gespielt, aber noch Keiner hatte den Muth, uns diese Frage zu stellen. Ich bin der Vater des Mannes, der dich hergeschickt hat; der Mann in der linken Ecke ist mein Vater und der andere mein Großvater. Während unseres Lebens liebten wir das Geld zu sehr und liehen nur gegen zehnfache Zinsen aus.«

Darnach öffnete er einen Schrank in der Mauer und fuhr fort: »Hier ist das Geld, zu dem wir in ehrlicher Weise nicht berechtigt waren und daneben liegen die Papiere, welche dir zeigen, wen wir betrogen haben. Sage nun meinem Sohne, er solle gleich sein bestes Pferd satteln und nicht eher damit zurückkehren, bis jede arme Frau und jeder arme Mann sein Eigenthum zurückerhalten hat. Dann komme wieder hierher und wenn dir alsdann nichts Auffallendes vorkommt, so sind unsere Seelen zur ewigen Ruhe eingegangen.«

Darauf verschwanden die Unglücklichen. Der junge Mann richtete am nächsten Morgen seinen Auftrag gewissenhaft aus; sein Wirth handelte auch darnach und gab ihm seine Tochter zur Frau.

In der Hochzeitsnacht sah er, wie drei weiße Tauben vom Kirchthurm in den Himmel flogen.


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