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Märchen - Theodor Vernaleken: Kinder- und Hausmärchen dem Volke treu nacherzählt


Hans löset Räthsel

Drei Krieger, welche des Dienstes überdrüssig waren, verließen einst das Heer mit einem andern, Namens Hans, den sie verleitet hatten, ihnen zu folgen, indem sie ihm wunderbare Dinge vorspiegelten. Da sich die vier Ausreißer bei Tage auf der Straße nicht sehn lassen durften, so wanderten sie zur Nachtzeit.

Eines Abends kamen sie in einen großen Wald, machten vor demselben Halt und rasteten. Nachdem sie einige Stücke altes Brot gegessen hatten, machten sie sich wieder auf den Weg. Da bemerkten sie mit einem Male in der Ferne ein Licht, gingen darauf zu und pochten an. Ein alter Mann, welcher der Teufel war, machte ihnen auf und ließ sie herein. Sie brachten dort drei Tage zu; am dritten Tage sprach endlich der Teufel: »Wenn ihr morgen drei Räthsel nicht auflöset, so verfallet ihr dem Teufel.«

Da Hans ein sehr gottesfürchtiger Mensch war, ging er tiefer in den Wald hinein, kniete nieder und betete zu Gott, er möge ihm beistehen bei der Auflösung der Räthsel. Alsdann wollte er wieder zurückkehren zu seinen Kameraden. Da hörte er aber mit einem Male ein seltsames Schwirren in der Luft. Als er emporblickte, gewahrte er drei Raben von teuflischem Aussehen, welche sich auf einem Baum nieder lassen wollten. Aus Neugierde blieb Hans stehen und betrachtete die Raben.

Wie sehr verwunderte er sich aber, als der eine zu reden anfing; er horchte und vernahm folgende Worte: »Morgen werde ich mein Gefolge um vier Männer vermehren; ich habe nämlich seit drei Tagen vier Gäste, denen ich Räthsel aufgeben werde. Das erste wird ein toter Kater sein, der in der Form eines schönen goldenen Sessels erscheinen soll; wer sich darauf setzt, der verfällt mir.

Das zweite wird der Kopf eines Katers sein, der als eine goldene Schale sich zeigen soll; wer sich erkühnt, daraus zu trinken, der verfällt mir.

Das dritte wird ein Pferdefuß sein, der in Gestalt eines Schwertes erscheinen soll; wer es berührt, verfällt mir. Nicht wahr, ich habe mein Räthsel recht gut gewählt?«

»Gut!« sagten die beiden andern Teufel, »wir wünschen dir Glück dazu.«

Einer aber sprach: »Warum bist du denn so traurig, Freund Rabe?«

»Ach meiner armen Prinzessin geht es so schlecht, da sie krank darniederliegt, sie hat eine strenge Aufseherin gehabt, bei der sie Hunger leiden mußte.«

»Einmal hatte die Prinzessin ein Stückchen Brot ohne Wissen ihrer Aufseherin genommen, und als diese hereintrat in's Zimmer, warf es die Prinzessin auf die Erde und trat darauf. Eine Kröte, welche soeben in's Zimmer gesprungen war, hat das Brot gefressen und sich unter die Thürschwelle verkrochen. Die arme Prinzessin wurde aber immer kränker. Wer sie retten will, muß hingehen, die Kröte ausgraben, ihr auf den Rücken treten; darauf wird das Brot herausspringen; dieses muß er zu Pulver zerstoßen und es der Prinzessin zum Essen mengen; hierauf wird sie zwar kränker werden, jedoch sie wird genesen.«

Alsdann flogen die Raben fort.

Hans dankte nun Gott für die Mittel, die er ihm in die Hand gegeben hatte, und machte sich auf den Weg zu seinen Kameraden, welche schon mit Ungeduld seiner harreten. Er erzählte ihnen jedoch nichts von dem Vorgefallenen, um seine Pläne durchführen zu können.

Abends legten sich die vier Krieger zur Ruhe. Des andern Morgens kam der Teufel zu ihnen mit dem ersten Räthsel, dem Sessel. Der älteste Krieger, ein träger Mensch, wollte den Sessel nehmen und sich darauf setzen, jedoch Hans schrie noch zur rechten Zeit, er solle es nicht thun, da der Sessel ein Kater sei. Der Alte ging fort und kam bald wieder mit der Schale, welche der zweite, ein Trunkenbold, sogleich benützen wollte. Da sprach Hans: »Was thust du denn, es ist ja eines alten Katers Kopf.«

Der Teufel ging wiederum fort, kam aber bald zu rück mit dem Schwerte, welches der dritte Kamerad erproben wollte. Aber Hans warnte ihn, und sprach: »Wag es nicht, diesen Pferdefuß zu berühren, sonst bist du verloren.«

Da geschah mit einem Male ein gewaltiger Donnerschlag und die vier Kriegsleute saßen im Freien auf einem Baumstamme.

Nun erzählte Hans den Erschrockenen den Vorfall im Walde und schlug ihnen vor, in die Stadt zu ziehen, wo die kranke Prinzessin war. Dieser Vorschlag ward angenommen und bald darauf wanderten sie fröhlich fort.

Nach langem Umherirren erreichten sie die trauernde Stadt, welche ganz schwarz behangen war.

Hans ließ nun seine Kameraden im Freien und verlangte, in den Palast des Königs geführt zu werden, welches ihm nach langer Weigerung zugesagt wurde.

Er wurde zuerst zum Könige geführt, der ihm auftrug, seine Tochter zu heilen; er schwur aber, wenn er sie umbringe, so müsse er sterben, wenn er sie jedoch rette, so werde Hans die Königstochter zur Frau bekommen.

Hans war nicht faul, sondern fing die Arbeit unverdrossen an. Nachdem er die Kröte ausgegraben und das Pulver bereitet hatte, wie er vom Raben belehrt war, gab er dasselbe der Königstochter und entfernte sich hierauf. Er kam nach einigen Stunden wieder zu rück und traf die Prinzessin schon ganz gesund an.

Hans bekam wirklich dann die Prinzessin zur Frau und seine Kameraden traten beim Hofe in Dienste.



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