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Märchen - August Leskien und K. Brugman: Litauische Volkslieder und Märchen


Von einem Knecht und seinem Hund, Kater und Zaubersteinchen

Bei einem Herrn diente ein Knecht, der kriegte das Jahr drei (polnische) Groschen Lohn. Wenn das Jahr zu Ende war, bekam er die drei Groschen vom Herrn ausgezahlt, und da warf er sie in einen Brunnen. Drei Jahre diente der Knecht, da war seine Zeit um, und er sah jetzt, wie in dem Brunnen seine neun Groschen oben auf dem Wasser schwammen. Er nahm das Geld weg und wanderte nach seiner Heimat. Unterwegs traf er ein paar Hirtenbuben, die schlugen auf ein Hündchen los, und er sprach zu ihnen ›Ihr Buben, warum schlagt ihr das Thier so? Verkauft es mir!‹ Da sagten die Buben ›Du kannst den Hund auch umsonst kriegen; der Herr hat ihn uns gegeben, wir sollen ihn todt schlagen.‹ Der Knecht jedoch gab ihnen drei Groschen dafür, und so hatte er den Hund vom Tod losgekauft. Er nahm ihn zu sich und ging weiter. Jetzt traf er einige Hirtenbuben, die schlugen auf einen Kater los. Weil er wieder Mitleid fühlte, sprach er ›Ihr Buben, warum schlagt ihr das Kätzchen so? Verkauft es mir!‹ Sie sagten ›Du kannst es auch umsonst haben; uns hat es unser Herr gegeben, wir sollen es todtschlagen.‹ Der Knecht aber gab wieder drei Groschen dafür, nahm den Kater und ging weiter. Jetzt traf er Hirtenbuben, die schlugen auf eine Schlange los. Er fragte ›Warum schlagt ihr das Thier so, ihr Buben? Verkauft es mir!‹ Die Hirtenbuben sagten ›Was willst du das eklige Thier erst noch kaufen? Du kannst es umsonst haben!‹ Aber der Knecht bezahlte auch diessmal drei Groschen und wanderte weiter; die Schlange lag auf seinen Händen, und sie biss ihn nicht. Als er ein Ende gegangen war, fing die Schlange zu reden an und sagte ›Wirf mich über deine linke Schulter hinter dich und schau dich über die rechte um!‹ Das that er, und da sah er, dass die Schlange sich in ein schönes Fräulein verwandelte. Sie gingen nun zusammen weiter, und da sprach zu ihm das Fräulein ›Lass uns zu meinem Vater gehn, und bitt dir zum Dank für meine Erlösung von ihm einen kleinen Stein aus, den er hat; mit dem kannst du bequem durchs Leben kommen: du brauchst nur den Stein in den Mund zu nehmen und zu pfeifen, da wird dir alles zu Theil, was du dir wünschest.‹ Sie kamen darauf zum Vater des Fräuleins, und da bat der Knecht sich von dem zur Belohnung nur das Steinchen aus, und der Vater gab es ihm auch.

Als der Knecht danach nach Haus kam, fand er nur noch seine Mutter am Leben. Sie wohnte aber nicht weit von der Stadt eines Königs. Und nach ein paar Tagen kam der Knecht auf den Gedanken, er wolle des Königs Tochter heiraten, und er schickte seine Mutter zu dem König, er solle ihm seine Tochter zur Frau geben. Der König gab der Alten etliche Groschen und sagte ›Das Mütterchen ist toll, es weiss nicht, was es spricht.‹ Aber nach einem Weilchen besann er sich und sprach zu ihr ›Gut, dein Sohn soll meine Tochter haben, aber nur unter einer Bedingung: er muss in einer Nacht von deinem Haus bis zu meinem eine grosse trockne Strasse herstellen, und rechts und links von der Strasse müssen Apfelbäume stehn mit Äpfeln daran, so dass ich mir, wenn ich den Weg gehe, von den Äpfeln pflücken kann, und ich will dann morgen zu Mittag bei ihm sein.‹ Am nächsten Morgen sah der König, dass die Strasse fertig war, und bei seinem Schloss, wo es vorher keine Äpfel gegeben hatte, standen jetzt zur Seite der Strasse Apfelbäume mit Äpfeln darauf. Und zu Mittag, als der König zum Essen zu dem Knecht kam, da nahm der das Steinchen in den Mund, wünschte sich einen Palast, noch grösser als der des Königs, und dass darin alles mögliche zu essen stünde, und wie er pfiff, da war im Nu auch alles da. Der König aber glaubte, das alles sei nur Blendwerk, das er ihm vormache, und er gab ihm seine Tochter nicht.

Nach einiger Zeit musste die Mutter wieder zum König gehn und ihm sagen, er solle ihrem Sohn seine Tochter geben. Der König sprach ›Gut! wenn dein Sohn mich morgen in einer Schlacht besiegt!‹ Die Mutter ging heim, sagte das ihrem Sohn, und der nahm am nächsten Morgen, wie er aufgestanden war, den Stein in den Mund, und wie er pfiff und sich dabei ein Heer Soldaten wünschte, das gross genug wäre, standen die Soldaten auch im Augenblick da. Und er zog mit ihnen hinaus, wo der König mit seinem Heer war, und der König verlor die Schlacht, und jetzt musst' er ihm seine Tochter geben.

Der Knecht wohnte aber mit seiner Frau in seinem Bauerhäuschen, und wenn Essenszeit kam, nahm er jedesmal das Steinchen in den Mund, pfiff, und da war zu essen da, und wenn sie mit Essen fertig waren, verschwand alles wieder. Aber seine Frau kam dahinter, dass er so ein Steinchen hatte, sie stahl es ihm und trug es ihrem Vater hin. Der König probierte, wie man's mit dem Steinchen machen müsse, und wie er es heraus hatte, forderte er seinen Eidam wieder zu einer Schlacht heraus. Der konnte diessmal nichts machen, und da nahm ihn der König fest und liess ihn einmauern. Er bat aber den König, dass man in der Mauer ein kleines Fenster lasse, so gross, dass sein Hund und sein Kater zu ihm hereinschlüpfen könnten, und das erlaubte der König. Beinahe drei Jahre sass er nun so eingemauert, und der Hund und der Kater brachten ihm Speck und Brot und allerlei sonst zu essen. Seine Frau aber verheiratete sich in der Zeit mit einem König jenseits des Meers.

Nach den drei Jahren, als der Knecht immer noch eingemauert war, machten sich eines Tags der Hund und der Kater auf und gingen übers Meer zu dem König, den ihres Herrn Frau zum Mann genommen hatte. In dem Schloss dieses Königs aber hausten sehr viele Ratten, und der Hund und der Kater machten sich daran, die Ratten todt zu beissen. Da kamen die Ratten alle zusammen, brachten die Sache vor den Rattenkönig und verklagten den Kater und den Hund bei ihm. Der Rattenkönig liess die beiden vor sich kommen und fragte sie ›Warum massacriert ihr uns so?‹ Aber der Kater antwortete ›Wenn ihr nicht dem König das Steinchen stehlt und uns bringt, dann beissen wir euch noch alle todt!‹ Da rief der Rattenkönig alle Ratten zusammen und fragte sie ›Kennt ihr das Ding?‹ Eine alte Ratte sprach ›Ich weiss, wo das Steinchen ist: es ist in einem Koffer, in dem ist ein kleines Kofferchen, in dem wieder ein Kofferchen, da liegt es unter drei Schlössern.‹ Da sprach der König der Ratten ›So geh und hol es!‹ Die Ratte wollte aber nicht und sagte ›Ich bin zu alt, ich kann nicht das Loch nagen und hineinschlüpfen.‹ Da wurden jüngere hingeschickt, die nagten Löcher durch die drei Koffer, stahlen den Stein und brachten ihn dem Kater hin. Und Hund und Kater machten sich jetzt wieder auf den Heimweg, und der Kater trug den Stein zwischen den Zähnen. Sie kamen wieder an das Meer, da sagte der Hund zu dem Kater ›Gib mir jetzt den Stein, denn du wirst ihn ins Wasser fallen lassen.‹ Allein der Kater meinte, er sei seines Herrn bester Freund, und gab ihn nicht heraus. Nun stieg der Kater auf den Rücken des Hunds, weil nur der schwimmen konnte, und sie schwammen ins Meer. Wie sie mitten darauf waren, liess der Hund den Kater herunterfallen, der Kater bekam Wasser in die Schnauze, und da verlor er das Steinchen. ›Es ist weg!‹ rief er, ›unsre ganze Mühe ist umsonst gewesen!‹ Und ohne das Steinchen schwammen sie weiter, und kamen ans andre Ufer. Dort gingen sie am Rand hin und sahen Fischer, die hatten viel Fische gefangen. Sie wollten die Fische grade schlachten, da kamen der Hund und der Kater heran und fragten, ob sie ihnen das Steinchen wiederverschaffen könnten. Und ein Fischlein fing an zu sprechen und sagte zu dem einen Fischer ›Lass mich ins Wasser, ich will das Steinchen holen.‹ Der Fischer liess das Fischlein ins Meer, und nach einer halben Stunde bracht' es das Steinchen und gab es dem Hund. Der Hund und der Kater wanderten nun weiter, und als sie nach Haus kamen, fanden sie ihren Herrn schon ganz matt und schwach, denn sein Brot und Fleisch hatte nicht ausgereicht. Aber wie sie ihm jetzt das Steinchen gaben, da pfiff er, und indem trat er auch schon aus der Mauer ins Freie heraus.

Er forderte jetzt den König wieder zu einer Schlacht heraus und besiegte den König. Und er schlug ihn und seine ganze Familie todt, nahm sich das Schloss und war jetzt selber König. Und er regiert dort noch jetzt, wenn er nicht gestorben ist.


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