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Märchen - Arthur und Albert Schott: Rumänische Volkserzählungen aus dem Banat


Die Prinzessin und der Schweinehirt

Es war einmal ein Kaiser, der hatte nur ein einziges Kind, eine Tochter, die er sehr liebte. Als sie herangewachsen war, drang er in sie, sie solle sich verheiraten, damit einst nach seinem Tod ein Schwiegersohn da sei, der sein Nachfolger werden könne. Die Prinzessin aber weigerte sich, denn als das einzige Kind eines so großen und mächtigen Herrn hatte sie von Jugend auf sowohl gegen ihren Vater als gegen ihre Erzieherin stets ihren eigenen Willen behalten dürfen, zumal sie durch ihre Schönheit und ihren großen Geist alle Herzen für sich gewann. Als ihr nun ihr Vater den Vorschlag wegen einer Heirat machte, erklärte sie rundheraus, daß sie nie heiraten werde. Als sie aber sah, daß diese Antwort ihren Vater, den sie doch sehr liebte, betrübte, gab sie so weit nach, daß sie versprach, sich zur Ehe zu verstehen, jedoch nur, wenn sie sich ihren Gatten ganz nach ihrem Wunsch und Wohlgefallen aussuchen dürfe. Der Kaiser, der nicht ahnte, welchen Rückhalt sie sich damit sicherte, war über ihre Worte hoch erfreut und sprach: »Ja, ja, mein Kind, wie es dein Verstand und dein Herz für gut finden, ich will dir bei deiner Wahl durchaus keine Hindernisse in den Weg legen und hoffe, du wirst dir einen würdigen Mann aussuchen, der dem Reich einst tüchtig vorsteht.« Die Prinzessin ergriff hierauf wieder das Wort und sprach: »So wolle denn mein hoher Vater im ganzen Reich bekanntmachen lassen, seine Tochter werde sich mit dem Manne vermählen, der sich so vor ihr verstecken könne, daß sie nicht imstande sei, ihn aufzufinden; wenn dieses einer vermag, so weiß ich, daß das Reich einmal einen klugen Beherrscher, ich aber einen klugen Gemahl haben werde.« Im Herzen dachte die schlaue Kaiserstochter: »Vor mir wird sich keiner so verbergen, daß ich ihn nicht finden kann«, denn sie besaß einen Zauberspiegel in dem man die entferntesten Dinge, gleichviel ob sie andern sichtbar oder unsichtbar waren, so wahrnahm, wie sie in dem Augenblick aussahen und sich zutrugen, nur eines fehlte ihm, was alle Spiegel sonst haben: sich selber konnte man nicht darin sehen. Dieses Wunderstück war der Prinzessin noch in der Wiege von einer mächtigen Fee beschert worden, ohne daß ihr Vater etwas davon erfuhr.

Er genehmigte daher den Wunsch seiner schlauen Tochter unbesorgt und hieß alsbald im ganzen Reiche bekanntmachen, der Mann, der sich vor seiner Tochter, der Prinzessin, so zu verbergen imstande sei, daß sie ihn nicht entdecken könne, solle dieselbe zur Gemahlin und auch nach dem einstigen Ableben des jetzt herrschenden Kaisers dessen Krone als Erbe empfangen. Wer übrigens dies nicht vermöchte und das Wagstück unternommen habe, solle, nachdem ihn die Prinzessin dreimal aus seinem Versteck hervorgerufen, hingerichtet werden und zwar, wenn er aus edlem Geblüte sei, durchs Schwert, wenn aber niedriger Abkunft, am Galgen. Mit diesem Nachsatz gedachte der Kaiser viele, welche sich der Sache nicht gewachsen glaubten, von dem gefahrvollen Unternehmen abzuhalten, denn außerdem wäre seine Tochter, die schöne Prinzessin, der Bewerbung eines jeden hergelaufenen Taugenichts preisgegeben.

Als nun die Sache im Lande bekannt wurde, belebte sich trotz der drohenden Lebensgefahr der Hof durch zahllose Freier, die sowohl nach der Hand der schönen Prinzessin als auch nach Zepter und Krone Verlangen trugen. Aber keinem gelang das Wagstück, der Zauberspiegel leistete unermüdlich die besten Dienste, und es floß viel edles Blut vom Schafott, mancher brave Bursche erlitt den schmachvollen Tod am Galgen. Die Besuche bei Hofe wurden daher immer seltener; bald mochte niemand mehr sein Leben an eine so gefährliche Braut wagen, und es schien, die Prinzessin habe erreicht, was sie wollte.

Da erschien eines Tages der Schweinehirt des Kaisers und ließ seinem Herrn durch einen der Höflinge melden, daß er das Unternehmen doch noch zu wagen gedenke. Der Kaiser wußte nicht, ob er lachen oder zürnen sollte über die Kühnheit des niedersten seiner Diener: weil ihm aber an einem Eidam viel gelegen war und er auch sein Wort gegeben hatte, so wies er den Schweinehirten nicht ab. Dieser war indessen guten Mutes, denn er dachte: Ich bin bekannt mit der ganzen Schöpfung, mit Vogel und Fisch, mit Berg und Tal, mit guten und bösen Geistern. Bleibt nicht der Adler vor mir sitzen, wenn ich auf der Heide die Herde umhertreibe? Tauchen nicht die Fische vertraut aus der Tiefe des Meeres und spielen lustig vor mir, wenn ich mittags am Gestade des Meeres hüte? Kenn ich nicht jede Kluft und jeden Bühl in Berg und Tal?

Der Tag wurde festgesetzt, an welchem er sich vor der Prinzessin verstecken sollte, und als der Morgen anbrach, ging er wohlgemut auf die Heide, um einen Platz zu suchen, wo er dachte, daß ihn die allessehende Prinzessin nicht finden würde. Dort angekommen, sah er einen großen Steinadler sitzen; er ging auf ihn zu, das Tier blieb vertraut sitzen und ließ sich ohne Scheu von ihm untersuchen. Der Schweinehirt sah, daß ihm einer von seinen mächtigen Fängen gelähmt sei. Ohne langes Besinnen riß er ein Stück von seinem lumpigen Hemde los, band ihm damit den lahmen Flügel und erzählte ihm zugleich, weshalb er heute ausgegangen sei. Der Adler dankte ihm für seinen freundlichen Dienst und sagte: »Wenn du dich nicht fürchtest, so nehme ich dich mit mir und verberge dich so, daß dich kein sterbliches Auge finden soll.« Der Schweinehirt, dem natürlich alles am guten Erfolg seiner Unternehmung gelegen war, willigte furchtlos ein. Da breitete der Adler seine Flügel aus, hieß seinen Wohltäter aufsitzen und schwang sich mit ihm hoch hinauf und immer höher, bis er endlich hinter den Wolken mit ihm verschwand und sich, seinen Schützling unter den Flügel nehmend, in der dunkelsten Wolke verbarg. Gegen Abend, denn so war es verabredet, trat die Kaiserstochter vor ihren Spiegel, erkannte, wo sich der Schweinehirt befand, und rief: »O komm nur herab, du kecker Waghals du! Ich habe dich schon erspäht.« Als jener sah, daß er wirklich entdeckt war, ließ er sich von dem Adler wieder auf die Erde bringen, trat vor den Kaiser und verlangte, sich am andern Tag wieder verstecken zu dürfen. Der Kaiser sagte ihm dies zwar zu, sprach aber: »Nimm dich in acht, meine Tochter hat noch alle gefunden, die sich vor ihr verbergen wollten; noch ist die Erde feucht von Blut unter dem Schafott, und mancher modert schon am Galgen!«

Allein der Schweinehirt ließ sich das nicht anfechten und ging am folgenden Morgen zum Gestade des Meeres, wo er einen Fisch auf dem Sande liegen fand. Wie er hinzutrat, bat ihn dieser, er solle ihn doch wieder ins Wasser werfen, daß er nicht auf dem Trockenen umkommen müsse. Er tat nach des Fisches Wunsch, bat ihn aber zugleich, er möchte seinen Worten Gehör schenken. Als der Fisch hierzu bereit war, erzählte ihm der Schweinehirt auch, wie tags zuvor dem Adler, sein Vorhaben, und daß ihn die allessehende Prinzessin in den höchsten, dunkelsten Wolken unter dem Flügel des Adlers entdeckt habe. Hierauf sprach der Fisch, mit seinem Silberschwanz eine nachdenkliche Bewegung machend: »Solches geht nicht mit rechten Dingen zu. Wenn du dich aber nicht fürchtest, so komme mit mir in die Tiefe des Meeres, wo dich sicher kein sterbliches Auge entdecken kann.« Der Schweinehirt freute sich über diesen Antrag, besann sich nicht lange und ließ sich von dem dankbaren Fisch unter die Schuppen nehmen. Der brachte ihn tief, tief hinunter bis auf den untersten Meeresgrund, wo selbst keine Fische und keine sonstigen Seetiere mehr zu sehen waren. Dort hielt er ihn unter seinen Schuppen versteckt. Abends schaute die Prinzessin wieder in ihren Zauberspiegel, entdeckte alsbald den Schweinehirten unter den Schuppen des Fisches tief auf dem Meeresgrund und rief: »Du verwegener Schalk, komm nur herauf aus der Tiefe des Meeres, ich erkenne dich wohl unter den Schuppen eines Fisches.« Darüber erschrak der Schweinehirt im tiefsten Herzen und dachte: Die Prinzessin ist übermächtig, gewiß ist sie eine Zauberin. Der Teufel hat in der Hölle selbst keinen verborgeneren Schlupfwinkel als der, aus dem sie mich soeben wieder hervorruft. Er konnte nun nichts machen als den Fisch bitten, daß er ihn wieder ans Tageslicht hinaufbringe. Zum drittenmal trat er nun vor den Kaiser und bat ihn verzagten Sinnes um die Erlaubnis, das Wagnis noch einmal zu bestehen. Der Kaiser wurde nachdenklich, ihn dauerte der Jüngling, der nichts Gewöhnliches zu sein schien, da er mit so mächtigen Kräften in Verbindung stand, und er sprach zu ihm: »Mein Freund, du hast zur Genüge bewiesen, daß du mehr verstehst als alle übrigen, die bis jetzt das gefahrvolle Wagstück unternommen haben, allein du siehst wohl, daß meine Tochter alles entdeckt und du deshalb samt deiner Kunst nichts weiter gewinnen wirst als den Tod. Mir wäre es leid, wenn auch du hingerichtet würdest, der du so wunderbar über die Wolken steigen und so mächtig tief in das Meer hinabgelangen kannst. Steh ab von dem dritten Versuch, ich will dir das Leben lassen, dich in Ehren an meinem Hofe behalten, und es soll dich gewiß nicht gereuen, wenn du mir Folge leistest.« Der Schweinehirt überlegte sich wohl, was der Kaiser sagte, aber er konnte von seinem Vorhaben nicht wieder abstehen und sprach daher mit demütigen Worten: »Großmächtiger Kaiser, ich habe schon so viel gewagt und will nun nicht am Ende zaghaft weichen. Versprich mir, was du willst, ohne den Besitz deiner holdseligen Tochter ist mir das Leben trauriger als der Tod.« Der Kaiser wunderte sich über diese Worte des niedrigen Hirten; er drang nicht weiter in ihn und verabschiedete ihn freundlich mit dem Wunsche, daß das Glück ihm diesmal günstiger sein möchte als an den beiden ersten Tagen.

Beim ersten Grauen des folgenden Morgens erhob sich der Schweinehirt wieder von seinem geringen Lager und ging ratlos hinaus aufs Feld. Sein Weg führte ihn in ein düsteres Tal, wo jahraus, jahrein frostige Nebel das Antlitz des Himmels verhüllten. Dort fand er auf einem verborgen gelegenen Wiesengrund im feuchten Erlengebüsch einen riesigen Mann, der bei einem Feuer lag und sich wärmte. Als er näher kam, wandte der Mann sich um und fragte, was er wolle. »Ach«, seufzte hierauf der betrübte Schweinehirt, »ich bin ein Unglücklicher, das ist ein Mensch, der nach etwas trachtet, was er nicht erreichen kann!« Hierauf erzählte er dem Fremden, was ihn drücke und wie er keine Hoffnung mehr habe, sich vor der Prinzessin so verbergen zu können, daß sie ihn nicht entdecke. Der Riese lächelte freundlich und sprach: »Sei getrost, mein Sohn, ich bin dein Freund und will dir zum Besitz der schönen Prinzessin verhelfen. Ich bin der Waldgeist, der Herr aller Blumen, Sträucher und Bäume. Ich verwandle dich jetzt in eine schöne Rose und will dich vor der Prinzessin so verbergen, daß sie dich gewiß nicht findet.« Darauf tat der Geist, wie er gesagt hatte, ging mit der unvergleichlich schönen und wohlriechenden Rose, in die er den Schweinehirten verwandelt hatte, nach der Stadt und stellte sich vor die Tür der Kirche, in der eben Gottesdienst gehalten wurde. »Höre, lieber Schützling«, sprach er nun leise zu der Rose, die er zwischen den Fingern hielt, »du kannst deine vorige Gestalt wieder annehmen, sobald du mit ganzer Seele willst; ich rate dir aber, dies ja nicht eher zu tun, als bis dich die Prinzessin ruft, weil sie dich nicht sehen kann.« Der Gottesdienst war bald beendigt, die Prinzessin, umgeben von ihrem Hofstaat, trat aus der Kirche, und natürlich fiel ihr sogleich die riesenhafte Gestalt des Waldgeistes ins Auge. Als sie aber die wunderschöne Rose in seiner Hand sah, konnte sie den Blick nicht mehr von derselben abwenden und fragte schnell, ob er sie verkaufe; wenn er dies wolle, so werde sie ihm dafür bezahlen, was er verlange. Der Waldgeist verneigte sich so zierlich und artig, wie er es vermochte, und sprach: »Schönste Prinzessin, ich habe diese schöne Rose, die allerdings einzig in ihrer Art ist, nicht zum Verkaufe hergebracht, doch würde michs freuen, wenn ich sie Euch zum Geschenke geben dürfte. Gestattet mir, daß ich sie so in Eure Haare stecke, wie sie Euch am besten steht.« Da die Prinzessin einwilligte, trat er herzu und steckte ihr die Wunderrose dicht unter der kleinen kostbaren Goldkrone, die ihr Haar zusammenhielt, so geschmackvoll in die dunklen Flechten, daß die Jungfrauen im Gefolge der Kaiserstochter selbst untereinander sagten, die Prinzessin könnte nicht bewunderungswürdiger gekämmt sein.

Nach abgehaltener Tafel, als die Prinzessin sich auf ihr Zimmer begab und zufällig in ihren Spiegel sah, denn sie hatte den verwegenen Schweinehirten, von dem sie dachte, er könne ihr nicht entgehen, schier vergessen, bemerkte sie, daß dieser trüb angelaufen war. Sie schaute hinein, konnte aber nichts erkennen; da fiel ihr erst der Waghals ein, der sich vor ihr versteckt hatte. Sie wischte schnell das Glas ab, um klarer sehen zu können. Da sie nichts wahrnahm, so rief sie den Spiegel an, er aber blieb leer, und kein Bild belebte seine Tiefe. Sie wußte nicht, was tun, endlich aber rief sie zaghaft: »So komm denn aus deinem Versteck, du Waghals, du hattest einen mächtigeren Helfer als ich an meinem Zauberspiegel; komm, wer du auch seist, hoch oder niedrig, dich will ich zum Manne haben!« Als der verzauberte Schweinehirt diese Worte hörte, nahm er schnell seine wirkliche Gestalt an und sprang vor die Prinzessin hin, die beim Anblick des zerlumpten, schmutzigen Bräutigams vor Schrecken fast in Ohnmacht sank; zu gleicher Zeit schlug er aber auch nach dem Zauberspiegel, daß er in tausend Scherben sprang. Als die Prinzessin sich von ihrem Schrecken einigermaßen erholt hatte, verlangte sie von dem Hirten zu wissen, wie er sich diesmal vor ihr verborgen habe. Der glückliche Schweinehirt erzählte seine ganze Geschichte der Wahrheit gemäß, und sie staunte natürlich sehr über die Art, wie der kluge Waldgeist ihren Zauberspiegel überlistet hatte.

Als der Kaiser den Hergang vernahm, blieb er dabei, daß der Schweinehirt sein Eidam werden müsse, ließ ein herrliches Bad für ihn bereiten und ihn mit köstlichen Ölen und Wohlgerüchen salben, auch ließ er ihm viele schöne Gewänder reichen, so daß er anständig und seinem neuen Stand angemessen wieder erscheinen konnte. Wie dies geschehen war, setzte er den Tag der Hochzeit fest, welche denn auch mit aller Pracht und unter allen erdenklichen Lustbarkeiten begangen wurde. Alles lebte hierbei so in Jubel und Freude, daß der Kaiser das prächtige Fest nocht acht Tage länger dauern ließ, als er anfangs gewollt hatte.

Nach des Kaisers Tod, der bald hierauf erfolgte, bestieg der Gemahl der schönen Prinzessin den Thron und herrschte viele, viele Jahre ganz zur Zufriedenheit seines Volkes, denn alles und alles wußte er, hoch und tief, Böses und Gutes, weil nichts vorging, was ihm nicht durch den Adler und den Fisch hinterbracht worden wäre und wobei ihm nicht der befreundete Waldgeist geraten hätte. Auch die Prinzessin schätzte sich allzeit überaus glücklich, daß ihr das Schicksal einen so trefflichen Gemahl beschert hatte, und verschmerzte leicht den gefährlichen Zauberspiegel, welcher gleichsam der Preis dafür gewesen war.


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