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Märchen - Bernhard Schmidt: Griechische Märchen, Sagen und Volkslieder


Die drei Citronen

Es lebte einmal und zu einer gewissen Zeit ein König, der hatte einen sehr schönen Sohn. Dieser ging eines Tags auf die Jagd, und als er so durch Wälder und über Berge schweifte, gelangte er an einen Garten und war eben in Begriff hineinzugehen, doch da besann er sich plötzlich anders, denn er gewahrte viele wilde Thiere, welche unter einem Citronenbaume lagen und brüllten. Der Citronenbaum stand in der Mitte des Gartens, und an ihm hingen drei goldne Früchte, während seine Blätter verwelkt waren. Betrübt darüber, dass er die Citronen nicht bekommen konnte, kehrte der Jüngling wieder um. Auf dem Heimweg begegnete er einem Mönche, welcher seine Traurigkeit bemerkte und zu ihm sagte:



›Was weinst du denn und härmest dich,

Mein liebes, gutes Söhnlein?

Bist wohl bergauf bergab gestreift

Und nun erschöpft vom Hunger?‹1



›Nein,‹ antwortete der Königssohn,



›Doch einen Garten sah ich, der

In goldnen Früchten prangte,

Und hält die Wacht ein grimm'ger Leu,

Dass mir im Herzen bangte.‹2



›Fürchte dich nur nicht,‹ versetzte darauf der Mönch, ›ich bin der Gärtner dieses Gartens, und wenn du die goldnen Citronen abzuschneiden wünschest, so will ich dir sagen, wie du das anfangen musst. Höre mich an! Nimm recht viel Fleisch mit dir und wirf es dem Löwen und den übrigen wilden Thieren vor, da werden sie dich die Citronen nehmen lassen.‹ Der Jüngling küsste hierauf dem Mönche dankend die Hand und kehrte heim. Am andern Morgen aber stand er frühzeitig auf, versah sich mit Fleisch, wanderte wieder nach dem Garten, fütterte die wilden Thiere, schnitt, ohne von ihnen belästigt zu werden, die drei goldnen Citronen ab, steckte sie in seine Tasche und trat dann wieder den Rückweg an. Als er so dahin zog, ward er sehr durstig, und er beschloss die eine der drei Citronen aufzuschneiden, um durch ihren Saft sich zu erfrischen. Wie er aber schnitt, da sprang auf einmal eine schöne Jungfrau aus der Frucht heraus: die bat ihn um Wasser, und da er nicht im Stande war ihr welches zu geben, hauchte sie sofort ihr Leben aus. Sehr betrübt über diesen Vorfall zog der Jüngling seines Weges weiter. Da der Durst ihn fortwährend quälte, so schnitt er auch die zweite Citrone auf, und da ging's ihm ebenso, nur war das Mädchen, das heraussprang und dann verschied, noch schöner als das erste. Er beschloss nun die dritte Citrone so lange aufzuheben, bis er an eine Quelle mit Wasser käme. Als er endlich eine solche fand, schnitt er auch die dritte Citrone auf, und mit einem Male sprang ein wunderschönes Mädchen heraus, dessen Schönheit die Sonne verdunkelte. Da schöpfte der Königssohn eilig Wasser aus der Quelle, besprengte die Jungfrau damit und erhielt sie auf diese Weise am Leben. Schnell war sein Entschluss gefasst, sie zur Frau zu nehmen. Als er ihr aber diese Absicht mittheilte, sprach sie: ›Nein, geh erst allein nach Hause und erzähle deinen Eltern die Sache, mich aber lass einstweilen hier oben auf diesem Maulbeerbaum, dann komm zurück und hole mich ab. Aber sieh dich vor, dass deine Mutter dich nicht küsse, denn sonst wirst du mich vergessen.‹ Also hob sie der Königssohn auf den an der Quelle stehenden Maulbeerbaum und nahm unter Thränen von ihr Abschied. Er hatte sich noch nicht eine Viertelstunde weit entfernt, als eine Mohrin, die von ihrer Herrin abgeschickt war, um Wasser zu holen, an die Quelle kam. Als diese im Wasser den Schatten des Mädchens erblickte, das auf dem Baume sass, vermeinte sie ihr eigenes Bild zu schauen und rief aus:



›Ei sieh, wie wunderschön bin ich!

Und Wasser holen heisst man mich!‹3



Dabei warf sie ihren Krug zu Boden, dass er zerbrach, und kehrte nach Hause zurück. Und hier sagte sie das nämliche zu ihrer Herrin, der Lámnissa. Die schalt das Mohrenmädchen aus, machte sich aber dann selbst – denn sie merkte wohl, wie die Sache sich verhalten mochte – auf den Weg nach der Quelle. Dort angekommen gewahrte sie, als sie in die Höhe blickte, die Jungfrau auf dem Baume und sprach zu ihr: ›Steig herunter, dass ich dich fresse.‹ Jene aber antwortete: ›Geh nach Hause, knete den Teig, backe und dann komm zurück, mich zu fressen.‹ Da ging die Lámnissa wieder nach Hause, buk in aller Eile Brod und kehrte dann zurück, um das Mädchen zu fressen. Nachdem sie es vorher noch genöthigt hatte, ihr seine ganze Geschichte zu erzählen, frass sie es. Während ihrer Mahlzeit aber fiel, ohne dass sie's merkte, ein kleines Knöchelchen ins Wasser und verwandelte sich sofort in ein Goldfischchen. Nachdem nun die Lámnissa das Mädchen aufgefressen hatte, setzte sie an seiner Statt sich selber auf den Maulbeerbaum.

Verlassen wir jetzt die Lámnissa und wenden wir uns zum Königssohn! Der gelangte zu Hause an und hütete sich wohl davor, dass seine Mutter ihn küsste. Als er aber eben im Begriff war sein ganzes Erlebniss seinem Vater zu erzählen, versank er, ermüdet wie er war von dem weiten Wege, in Schlaf, und während des Schlafes küsste ihn seine Mutter. Als er dann am andern Morgen erwachte, da hatte er alle Erinnerung an die Geliebte verloren. So verstrichen sechs Monate. Da zog er eines Tags mit grossem Gefolge zu Pferd auf die Jagd und kam auf seinem Wege zufällig an den Maulbeerbaum, auf dem die Lámnissa sass. Als diese den Königssohn erblickte, stieg sie sofort vom Baum herunter und erzählte ihm alles, was geschehen war, indem sie sich selbst für das von ihm verlassene Mädchen ausgab. Jetzt kam ihm wieder die Erinnerung an das frühere Erlebniss, und obwohl ihm die grosse Veränderung der Geliebten auffiel, so nahm er doch an, dass die Sonne das bewirkt habe, fiel der Lámnissa zu Füssen, bat sie um Verzeihung, hob sie auf ein Pferd und brachte sie nach Hause. Noch am selbigen Abend liess er sich mit ihr unter grossen Feierlichkeiten trauen. Er hatte aber auch das Goldfischchen mitgenommen und behielt es in seinem Zimmer, denn er liebte es sehr. Da fasste die Lámnissa Verdacht gegen das Fischchen und war sehr eifersüchtig darauf. Sie sann und sann, wie sie es wohl tödten könnte. Sie stellte sich also krank und bestach einen Arzt, der musste aussagen, dass die Prinzessin nicht genesen könnte, wenn sie nicht das Goldfischchen zu essen bekäme. Der Königssohn hörte das zu seiner grossen Betrübniss, allein da es sich um die Gesundheit seiner Gemahlin handelte, so gab er seine Einwilligung dazu. Man schlachtete also das Fischchen, briet es und gab es der Kranken. Sobald diese es verzehrt hatte, fühlte sie sich wohler, und nach wenigen Tagen verliess sie das Bett. Die Gräten des Goldfischchens aber, die man in den nahen Garten der alten Wäscherin des Schlosses geworfen hatte, gingen hier auf als ein schöner Rosenstrauch, und daran blühte eine prächtige Rose. Eines Tages, als die Alte die Wäsche ins Schloss tragen wollte, kam sie auf den Gedanken, auch die Rose mitzunehmen, für welche sie ein paar Heller zu lösen hoffte. Aber in dem Augenblicke, da sie dieselbe schnitt, sprang ein liebliches Mädchen aus dem Rosenstrauch heraus und sprach zu der erschrockenen Alten: ›Fürchte dich nicht, liebes Mütterchen, ich bin kein böses Mädchen. Sage aber ja niemandem, dass ich bei dir bin. Sieh, ich war einst eine Königstochter, nach meiner Geburt kamen meine Moeren und theilten mir das Los zu,4 dass ich das beste und schönste Mädchen von der Welt sein sollte. Aber als sie darauf wieder die Treppe unseres Hauses hinabstiegen, strauchelte die älteste von ihnen und fiel hin. Darüber erzürnten sie, kehrten wieder um und sprachen zu mir: was sie mir einmal zugetheilt, das sollte ich zwar behalten, aber sobald ich das dreizehnte Jahr erreicht, sollte ich in eine Citrone verwandelt werden und in diesem Zustande so lange bleiben, bis jemand käme und mich erlöste. Da fand sich der Sohn des Königs hier: der befreite mich und erwählte mich zu seinem Weibe.‹ Nachdem die Jungfrau hierauf ihr weiteres Geschick erzählt, wie sie von der Lámnissa, der jetzigen Frau ihres Geliebten, gefressen, wie sie dann in ein Goldfischchen und hierauf in den Rosenstrauch verwandelt worden war, sprach sie zu der Alten: ›Trage jetzt deine Wäsche ins Schloss und nimm auch dieses Körbchen voll Rosen für den Königssohn mit. Doch sage ihm nichts von mir. Den Dienst aber, den du mir erweisest, will ich dir schon lohnen.‹ In diesem Körbchen befand sich unter den Rosen auch der Ring, den das Mädchen einst vom Königssohn erhalten hatte. Die Wäscherin besorgte den Auftrag, und als der Königssohn die Rosen aus dem Körbchen nahm, fand er auch den Ring. Da schöpfte er gleich Verdacht und sagte zur Alten, er werde am folgenden Tage sie besuchen, um etwas heimlich mit ihr zu besprechen. Freudig kehrte die Alte heim und überbrachte diese Botschaft dem Mädchen. Am nächsten Tage kam der Königssohn ganz allein in der Alten Wohnung, und da sagte diese zu ihm:



›Zeig ich dir die Geliebte dein,

Wirst du sie wiederkennen,

Sie, die dein Weib, die Lámnissa,

Durch deine Schuld gefressen?‹5



Nun führte sie rasch die Jungfrau vor ihn, und nachdem diese ihrem Geliebten alles erzählt, fiel er unter Thränen ihr zu Füssen, bat sie um Verzeihung und versprach ihr, dass er ihr Blut rächen werde. Hierauf brachte er sie sammt der Alten heimlich ins Schloss. Am andern Tage aber veranstaltete er ein grosses Gastmahl, zu welchem viele Herren und Frauen geladen waren, und unter den erstern viele Rechtskundige. Er lenkte das Gespräch auf Verbrechen und Strafen; und nachdem er sich lange über diesen Gegenstand mit seinen Gästen unterhalten hatte, wandte er sich an seine Gattin mit der Frage: ›Was für eine Strafe, meinst du wohl, soll ich über ein Weib verhängen, welches ein anderes gefressen hat?‹ Die Lámnissa stellte sich sehr entrüstet und erwiderte: ›Es soll in Stücke gerissen werden.‹ Da sprach der Königssohn: ›Du bist dieses Weib und sollst jetzt die Strafe erleiden, die du selber vorgeschlagen.‹ Nun führte er rasch seine Geliebte mit der alten Wäscherin herein und erzählte allen Anwesenden das Geschehene. Hierauf gab er den Befehl, die Lámnissa an vier trunken gemachte Rosse anzubinden, um von ihnen in Stücke gerissen zu werden. Nachdem dies geschehen, liess er sich mit seiner Geliebten trauen. Sein Vater zog sich jetzt zurück und überliess ihm seine Krone. Die alte Wäscherin aber ward wie die Mutter der jungen Königin betrachtet, und der Vater derselben legte, nach dem er alles erfahren, die Trauerkleider ab, öffnete sein Haus wieder und eilte dann in die Arme seiner Tochter, welcher er seine eigene Krone noch dazu gab.

Fußnoten

1 Τί κλαῖc καὶ τί μαραίνεcαι,

Παιδί μου ἀγαπημένο;

Μήπωc ἐπέραcεc τὰ βουνὰ

Καὶ εἶcαι πειναcμένο;



(In V. 3 habe ich aus Rücksicht auf das Metrum τὰ βουνά geschrieben für πολλὰ βουνά, wie mir mitgetheilt ward).



2 Μὰ εἶδα κῆπο δροcερὸ

Μὲ φροῦττα φορτωμένο,

Κῂ ἕνα λιοντάρι ποὖτο ᾽κεῖ

Μὲ ἔχει φοβιcμένο.



3 Κύτταξε τί ὄμορφη ποῦ εἶμ᾽ ἐγώ,

Καὶ μὲ cτέρνει ἡ κυρά μου γιὰ νερό!



4 ἤρθανε ᾑ Μοίραιc μου καὶ μὲ ἐμοιράνανε νὰ u.s.w.



5 Ἐγνώριζεc, ἂ cοῦ ἔδειχνα,

Ποιὰ εἶν᾽ ἡ ποθητή cου,

Ποῦ ἔφαγε μιὰ λάμνιccα

Γιὰ ἐξ αἰτίαc δική cου;



Andere geben V. 3 u. 4: Ποῦ ἄφηκεc καὶ ἔφαγε Ἡ λάμνιccα ἡ δική cου;


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