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Märchen - Bernhard Schmidt: Griechische Märchen, Sagen und Volkslieder


Der Riese vom Berge

Es lebte einmal und zu einer gewissen Zeit eine Königstochter. Zu der kamen drei Tage nach ihrer Geburt die Moeren, ihr Geschick zu bestimmen;1 und nachdem sie dies gethan und ihr gesagt hatten, dass alle Güter der Erde ihr zu Theil werden sollten, setzten sie hinzu, sie müsse im fünfzehnten Jahre ihres Lebens sich in Acht nehmen, dass die Sonne sie nicht bescheine, denn wenn dieses geschähe, werde sie in eine Eidechse verwandelt werden und ins Meer fallen und fünf Monate darin bleiben. Als nun das Mädchen heranwuchs und ihr Los erfuhr, war sie sehr traurig, besonders als sie sich dem fünfzehnten Jahre näherte. Auch ihr Vater, der König, war sehr traurig und wusste gar nicht, was er beginnen sollte. Er entschloss sich endlich, um sich ein wenig zu zerstreuen, eine Reise zu machen. Am Tage vor seiner Abreise rief er seine Tochter und sprach zu ihr: ›Ich werde verreisen, mein Kind. Wünschest du, dass ich dir etwas mitbringe, so sage es.‹ Das Mädchen antwortete ihm: ›Ich wünsche nichts andres als dass du mir den Riesen vom Berge2 zum Gemahl verschaffest.‹ Der König trat nun, mit sehr vielem Gepäck versehen, seine Reise an und hatte die Absicht, wo möglich den Wunsch seiner Tochter zu erfüllen. Er reiste immer immer weiter und kam endlich vor einer grossen Stadt an. Als er fragte, wie sie heisse, antwortete man ihm, dass es die Stadt des Riesen vom Berge sei. Er ging also hinein, und als er auf den Markt kam, hörte er sagen, dass der Alte, der König, sich zu verheirathen beabsichtige und die schönste Jungfrau der Welt haben wolle. Er sagte nichts dazu. Am andern Morgen aber stand er sehr früh auf und ging in eine Barbierstube. Hier sagte ihm der Barbier, er sei des Königs Bartscheerer und geniesse allein Vertrauen bei ihm; nur er könne mit ihm reden und ihm etwas entgegnen, und wer selber mit dem Könige zu sprechen wünsche, müsse zuvor sich an ihn wenden. Als der fremde König das hörte, sagte er zum Barbier: ›Freund, ich habe eine Tochter, der ist's in den Kopf gekommen, sich mit dem Riesen vom Berge zu verheirathen. Ich habe nun erfahren, dass der eben euer König ist, und da du so grossen Einfluss bei ihm hast, so möchte ich dich bitten, ihm das zu sagen und hinzuzufügen, dass, wenn er mir's erlaube, ich kommen und ihn besuchen wolle.‹ Nachdem er dann dem Barbier viel Geld versprochen hatte, sagte dieser: ›Wenn du deine Absicht ausführen willst, so höre mich an. Morgen gehe ich zum Riesen, ihm den Bart zu scheeren, da will ich ihm die Sache vortragen, und, wenn er dich zu sehen geneigt ist, dann verspreche ich dir, dich zu unterstützen, bis dass du dein Vorhaben zum Ziele führst.‹ Nun verabschiedete sich der König von dem Barbier und ging fort. Am andern Morgen kam er wieder und fragte, wie die Sache stehe. ›Ausgezeichnet,‹ antwortete ihm der Barbier, ›morgen wird der Riese bereit sein, dich zu empfangen. Aber, wisse wohl, du musst dich auf dem Wege zu ihm von mir begleiten lassen, denn ich weiss nicht, was ihm sonst einfallen könnte dir anzuthun. Sobald wir eintreten, wird er dich fragen, ob du sein Sohn seiest. Antworte ihm: »Ja.« Dann wird er dich auffordern, die sieben Schleier ihm abzunehmen, die sein Gesicht umhüllen. Das thue aber nicht, denn da würde es dir sehr schlimm ergehen, sondern antworte ihm, er möge sich erst davon überzeugen, ob du ein Sohn von ihm seiest. Da wird er eine gewaltige Stange ergreifen, die neben ihm lehnt, und dir damit einen so starken Schlag versetzen, dass du, wenn du nicht thust, was ich dir jetzt sagen will, todt auf der Stelle bleibst. Höre mich also an, dann wird dir kein Leid geschehen. In seiner Nähe befindet sich ein grosser Schlauch, den nimm und wirf ihn um deine Schultern. So wird der Riese, anstatt dich zu treffen, den Schlauch treffen. Sobald er nun den Schlag geführt hat, musst du gleich zu ihm sagen: »Erkennst du mich jetzt?« Und nun kannst du ihm alsbald die Schleier abnehmen. Er wird dir dafür danken und dich fragen, ob du etwas von ihm wünschest. Da thue ihm nun deine Absicht kund. Er wird dich darauf in ein Zimmer führen, worin eine Menge Gemälde sich befinden, die sämmtlich junge Mädchen darstellen; hier wird er dich fragen, ob deine Tochter einem von den Bildern ähnlich sei, und da sag ihm die Wahrheit.‹ Am folgenden Tage also machten sie sich fertig, und als die Stunde kam, gingen sie zum Riesen, thaten, wie sie verabredet hatten, und wurden dann von ihm in das Zimmer geführt, wo die Gemälde hingen. Der Riese fragte den König, ob seine Tochter dieser oder jener Jungfrau ähnlich sehe, der König aber entgegnete, von allen diesen sei keine würdig seiner Tochter auch nur die Füsse zu waschen. Da zog der Riese von seiner Brust ein kleines Bildchen hervor und fragte den König, ob seine Tochter dem ähnele. Der aber antwortete: ›Nein, so sieht vielmehr die Kammerjungfer meiner Tochter aus.‹ Da sagte der Riese: ›Wenn alles das wahr ist, was du mir da sagst, so will ich deine Tochter zum Weibe haben.‹ Darauf gab der König dem Riesen die Hand und reiste zurück in seine Heimath. Hier erzählte er alles seiner Tochter. Die machte sich nun zur Reise fertig, und damit die Sonne sie nicht bescheine, schloss sie sich mit ihrer Amme und deren Tochter in eine Sänfte ein und liess sich darin auf das Schiff tragen, das sie zum Lande des Riesen bringen sollte, denn um dahin zu gelangen, musste man übers Meer. Als sie nun dem Lande des Riesen schon nahe waren, liess die Amme in der Absicht, ihre eigne Tochter an der Prinzessin Stelle zu setzen, ein kostbares Tuch ihrer Herrin aus der Sänfte fallen und bat sie zu erlauben, dass die Thür der Sänfte geöffnet werde, um es wieder zu erhalten. Die Königstochter wollte anfangs nichts davon wissen, gab aber dann doch dem Drängen der, Amme nach. Die befahl also ihrer Tochter hinauszugehen und das Tuch zu holen. Aber wie die Thür sich öffnete, schien die Sonne herein, und sobald die Prinzessin von ihr beschienen wurde, verwandelte sie sich in eine Eidechse und fiel ins Meer. Nun setzte die Amme ihre Tochter an der Prinzessin Stelle. Zu deren Vater aber, der sich auch mit auf dem Schiffe befand, sagte sie, ihre Tochter sei gestorben, und um nicht die Thür der Sänfte zu öffnen, habe sie sie vom Fenster aus ins Meer geworfen. Der König lobte sie deswegen sehr, und da er keinen Verdacht hegte, so sah er nicht einmal in die Sänfte hinein. Endlich kamen sie vor der Stadt des Riesen an. Der kam auf einem hohen Rosse, in der Rechten ein grosses Scepter, in der Linken ein gewaltiges Schwert, unter Musik und lautem Jubel und von seinem ganzen Volke begleitet, herangeritten. Der König stieg zuerst aus dem Schiffe und that dem Riesen zu wissen, warum seine Tochter nicht vor Abend aussteigen könne. Als nun der Abend heran kam, da trat der König in die Sanfte ein. Aber was sah er da? Statt seiner Tochter fand er ein ganz hässliches Mädchen darin. Aber die Amme sagte sofort zu ihm, das Mädchen sei wirklich seine Tochter, und sie müsse, da ihr einmal von den Moeren dieses Los zugetheilt worden, fünf Monate lang so bleiben, darauf werde sie ihre frühere Gestalt wiedererlangen. Der König war ganz erstaunt darüber, nahm aber doch das Mädchen bei der Hand und stellte es dem Riesen vor. Der nun, weil er glaubte vom König hintergangen worden zu sein, sprach zu ihm: ›Ich will zwar deine Tochter nehmen, dich selbst aber verurtheile ich zu der Strafe, auf fünf Jahre mein Stallknecht zu werden.‹ Der König erwiderte nichts darauf, sondern ertrug sein Los mit Demuth. Der Riese fasste nun das Mädchen bei der Hand und führte es sammt seiner Mutter, die sich für seine Amme ausgab, zu einem grossen hohen Berge. Hier nahm er ein Haar von seinem Haupte, berührte damit den Berg, der alsbald in zwei Hälften auseinanderklaffte, und trat mit den beiden Frauen in das Innere, wo sein eigentliches Reich war, ein. Da drinnen war ein ungeheurer Raum, und da waren eine Menge Riesen, alle mit einem einzigen Auge auf der Stirn; sie befanden sich tief unten in einer Schlucht und gruben tief in die Erde hinein und holten aus ihrem Schoos grosse Schätze und gewaltige Steinblöcke herauf, mit denen sie ihre Häuser aufbauten. Aber sowie ihr König mit den Frauen eingetreten war, liessen alle sogleich von ihrer Arbeit ab und erhoben sich, um ihre neue Königin zu begrüssen. Der Riesenkönig richtete eine Rede an sie und sprach: ›Hier ist, meine Völker, eure Königin; ihr sollt ihr gehorchen und keiner anderen.‹ Die Riesen versicherten mit ungeheurem Geschrei, dass sie ihr gehorchen würden. Nun schloss sich der Berg, und sie blieben darin. Am andern Tage stand der König früh auf und ging aus dem Berge hinaus, am Abend aber kehrte er zurück. Er sagte seiner jungen Frau, sie dürfe in alle Zimmer seines Schlosses im Berge gehen, ein einziges ausgenommen, und bezeichnete ihr dieses. Sie aber that am folgenden Tage nichts andres, als dass sie überall umherblickte, um den Schlüssel ausfindig zu machen, der zu dem verbotenen Zimmer gehörte. Es gelang ihr auch, ihn zu finden, und nun öffnete sie ganz leise, ohne ihre Mutter etwas merken zu lassen, die Thür und trat ein. Als sie eingetreten war, sah sie eine alte ungeheuer grosse Frau vor sich, die sass auf einem hohen Stuhle und hielt in der einen Hand einen sehr grossen, in Goldplatten eingefassten Stein, in der andern einen grossen eisernen Stab. Auch sie war einäugig. Es war nämlich die Mutter des Riesen, und sie hatte die Gabe, die Zukunft zu schauen. Als nun die Alte des Mädchens gewahr wurde, sprach sie zu ihm: ›Ich kenne dich sehr wohl, du bist nicht die wahre Königstochter, und ich sage dir, die Stunde wird kommen, da du deine That bereuest.‹ Da erbleichte das Mädchen, gerieth ganz ausser sich und wusste nicht, was es sagen sollte. Die Alte sprach weiter zu ihr: ›Wisse, dass es dir nicht so hingehen wird; mein Sohn wird Rache nehmen. Die wahre Königstochter ist nicht dort geblieben, wo ihr sie habt ins Meer fallen sehen, sie befindet sich hier in der Nähe, und ihr Blut verfolgt dich.‹ Da lief das Mädchen zitternd hinaus zu seiner Mutter und erzählte ihr das, und sie beriethen beide mit einander, wie sie es anfangen sollten, um die Königstochter zu tödten. Da kamen sie auf den Gedanken, dem Riesen zu sagen, seine Frau, die Königin, sei krank, und um zu genesen, müsse ihr das Vergnügen gemacht werden, dass alle Fische, die sich im Hafen befänden, vor ihren Augen verbrannt würden. Der König gab sogleich zwei Riesen den Befehl, die Netze zu nehmen, den ganzen Hafen einzuschliessen und alle darin befindlichen Fische zu fangen. Das geschah, und sie warfen die gefangenen Fische in einen grossen Kessel. Aber was war geschehen? An demselben Tage, aber vor dem Fischfang, war die Königstochter aus dem Wasser befreit und wieder in ihre frühere Gestalt verwandelt worden. Sie suchte nun sogleich ihren Vater auf, – der war damals in dem Palaste, den der Riese in der Stadt hatte, wo er die Pferde besorgte – und bat ihn, sie augenblicklich zum Riesen zu führen und ihm das Geschehene zu erzählen. Der Vater nahm sogleich seine Tochter bei der Hand, ging mit ihr an den Berg und wartete hier auf den Riesen, um mit ihm hineinzugehen. Als dieser Abends kam und den Berg öffnete, ging auch der König mit seiner Tochter hinein. Tags darauf begab er sich in den Palast des Berges, erzählte dem Riesen zitternd alles, was geschehen war, und stellte ihm seine Tochter vor. Jetzt erschienen auch die Amme und ihre Tochter, die Königin. Da hörte man auf einmal das Haus erbeben, und es kam des Riesen Mutter aus ihrem Gemache und befahl ihrem Sohne, die Tochter der Amme zu der nämlichen Todesart zu verurtheilen, durch die sie die Königstochter hatte umbringen wollen. Der Riese that das, und so wurde sie verbrannt. Er heirathete nun die Königstochter, und der Vater kehrte jetzt frei in sein Reich zurück, versprach aber seiner Tochter wiederzukommen und sie zu besuchen. Nachdem nun einige Monate vergangen waren, fing der Riese an seine Gemahlin sehr schlecht zu behandeln, weil er sah, dass sie enge Freundschaft mit seiner Mutter pflog, mit der er selbst in Uneinigkeit lebte. Da ersann die Königstochter, schlau wie sie war, eine List, um zu entfliehen. Sie sagte eines Tages zum Riesen, sie wolle Brod backen, wie man es in ihrer Heimath backe. Der Riese sagte nichts darauf, und so buk sie denn. Darauf nahm sie von den gebackenen Broden mehrere an sich und entfloh heimlich aus dem Berge. Sie fand ein Schiff und kehrte in ihr Vaterland zurück. Der Riese aber, der des Abends von seiner Mutter ihre Flucht erfuhr, machte sich sogleich auf und eilte ihr nach. In ihrer Heimath angekommen bestellte er bei einem Goldarbeiter einen grossen goldnen Kasten, der nur ein kleines Loch zum Heraussehen haben und von innen sich öffnen lassen sollte. Als dieser Kasten fertig war, stieg der Riese hinein und beredete den Goldschmied durch vieles Geld, den Kasten zur Tochter des Königs zu bringen und um den ersten besten Preis ihr zu verkaufen; er sollte ihr sagen, der Leib eines Heiligen, befinde sich darin. Der Goldschmied that so, und die Königstochter kaufte den Kasten. Als sie nun am Abend ihr Gebet davor verrichtete, da hörte sie auf einmal zicki zicki und sah den Kasten sich öffnen. Da merkte sie, dass der Riese darin war, und schrie laut auf, da kamen Soldaten herbeigeeilt, und nachdem sie erfahren, wer in dem Kasten stecke, bohrten sie durch das Loch einen glühend gemachten Bratspiess und stiessen damit dem Riesen das Auge aus. Dann nahmen sie ihn und schlugen ihn mit grosser Gewalt auf den Knöchel am Fusse, und da starb der Riese.

Fußnoten

1 ἤρθανε ἡ Μοίραιc νὰ τὴν μοιράνουνε.



2 τὸν γίγαντα τοῦ βουνοῦ.


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