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Märchen - Karl Knortz: Irländische Märchen


Wie St. Eloi von seinem Stolze kurirt wurde

Ehe St. Eloi Priester ward, war er ein reicher Goldschmied, der sich auch zuweilen mit dem Anfertigen von Hufeisen beschäftigte. Den ganzen Tag prahlte er, daß ihm Niemand auf der ganzen Erde an Geschicklichkeit gleichkomme und daß er es mit Jedem aufnehmen wolle.

Nun kam eines Tages ein Reisender vor sein Haus und fragte ihn, ob er ihm nicht erlauben wolle, seinem Pferde ein Hufeisen festzunageln. Eloi war damit zufrieden und nahm sich vor, den Fremden einmal gründlich auf die Probe zu stellen. Doch wie erstaunte er, als jener ein Vorderbein seines Pferdes ausriß, damit in die Schmiede lief und, nachdem er das Hufeisen befestigt hatte, es wieder ansetzte und dann weiter ritt. »Das bringst du doch nicht fertig!« sagte er zum Abschied.

»Das werde ich dir gleich zeigen,« erwiderte Eloi, »verweile nur einen Augenblick.«

Darauf ließ er eins seiner Pferde holen, riß ihm ein Bein aus und schmiedete ein Hufeisen daran. Als er aber das Bein wieder ansetzen wollte, war seine Kunst zu Ende. Das Pferd lag am Boden und war durch den Blutverlust so schwach geworden, daß man mit jedem Augenblicke sein Ende erwartete.

»O, was für ein elendes Geschöpf bin ich doch!« rief Eloi klagend aus; »mein schönstes Pferd habe ich grausam meinem Stolze geopfert!«

»Glaubst du, daß dich dieses Unglück von deinem Stolze befreit hat?« fragte der Fremde.

»Ja, ich glaube und hoffe es; nie in meinem Leben werde ich einen stolzen Gedanken wieder aufkommen lassen!«

»Dann ist meine Sendung erfüllt. Gib mir das Bein!«

Darauf setzte der Fremde das Bein ein, berührte die Wunde und alsbald heilte sie zu. Darnach ritt er fort.

Mit dieser Zeit ward Eloi ein frommer Mann und ward nach seinem Tode heilig gesprochen.


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