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Märchen - Mite Kremnitz: Rumänische Märchen


Iwan mit dem Ränzel

Es war einmal ein Russe, der hieß Iwan. Und dieser Russe war schon Soldat, als er zu denken anfing. Und da er ein Paar Dienstzeiten hinter einander abdiente, war er schließlich alt geworden. Seine Vorgesetzten sahen ein, daß er seiner Soldatenpflicht genügt hatte, und entließen ihn darum mit Gewehr und Allem, damit er hinginge, wohin er wollte, und gaben ihm noch zwei Batzen Zehrgeld mit auf den Weg.

Iwan dankte seinen Vorgesetzten und machte sich singend auf den Weg, nachdem er von seinen Kameraden, mit denen er noch ein, zwei Schluck Kümmel herunter gegossen hatte, Abschied genommen.

Und als Iwan so herumtorkelte, von der einen Seite des Wegs zur anderen, ohne zu wissen, wohin er wollte, gingen zufällig ein wenig vor ihm auf einem daneben laufenden Pfade der Herrgott mit dem heiligen Petrus, im Gespräch über Gott weiß was. Als der heilige Petrus Jemanden hinter sich singen hörte, sah er sich um, und was sah er anders, als einen Soldaten, der von einer Seite des Wegs zur anderen torkelte.

»Herr!« sagte der heilige Petrus darauf erschrocken, »wir wollen uns entweder eilen oder ein bischen zur Seite treten: der Soldat könnte womöglich Lust haben, mit uns anzubinden, und wir würden dann unsere liebe Noth mit ihm haben. Du weißt, daß ich schon einmal mit solch Einem den Kürzeren gezogen habe.«

»Aengstige Dich nicht, Petrus«, sagte der Herrgott. »Wo man singt, da laß Dich ruhig nieder. Dieser Soldat ist ein Mann mit weichem, mitleidigem Gemüth. Sieh ihn Dir an. Er hat nur zwei Batzen auf dem Herzen, und des Versuchs halber geh Du und stell Dich als Bettler an das eine Ende der Brücke, ich stelle mich an das andere. Und Du sollst sehen, daß er uns alle beide Batzen als Almosen giebt, der arme Kerl! Denk' daran, Petrus, wie oft ich Dir gesagt habe, daß Einer von diesen des Himmelreichs Erbe werden wird.«

Darauf ließ sich der heilige Petrus an dem einen Ende der Brücke nieder, der Herrgott an dem anderen, und sie begannen um Almosen zu bitten.

Als Iwan vor der Brücke anlangte, holte er seine Batzen von da heraus, wo er sie hingesteckt hatte, und gab einen dem heiligen Petrus und einen dem Herrgott, indem er sagte:

»Geben, was Einem gegeben worden, bringt den Himmel ein. Nehmt's hin. Der Herrgott hat es mir gegeben und wird mir wieder geben, denn er hat genug.« Darauf fing Iwan wieder zu singen an und ging munter vorwärts.

Da sagte der heilige Petrus voller Verwunderung: »Herr, der ist wahrhaftig ein gutes Gemüth, und der dürfte nicht unbelohnt von Dir gehen.«

»Gewiß, Petrus; laß mich nur für ihn Sorge tragen, es soll ihm nicht mangeln.«

Der Herrgott machte sich mit Petrus auf, und bald trafen sie auch auf Iwan, der in einem Singen immer weiter strolchte, als sei die ganze Welt sein.

»Glück auf! Iwan«, sagte der Herrgott, »Du singst und singst und verhedderst Dich nicht.«

»Ich danke Euch«, sagte Iwan zusammenfahrend. »Woher wißt Ihr denn aber so genau, daß ich Iwan heiße?«

»Na, wenn ich's nicht wüßte, wer sollte es denn wissen!« entgegnete der Herrgott.

»Wer bist Du denn«, sagte Iwan etwas aufgebracht, »daß Du Dich rühmst, Alles zu wissen?«

»Ich bin der Bettler, dem Du drüben auf der Brücke ein Almosen gegeben hast, Iwan. Und wer den Armen giebt, leiht dem Herrgott, sagt die heilige Schrift. Nimm Dein Lehen zurück, denn wir brauchen kein Geld. Ich habe Petrus nur beweisen wollen, wie mildthätig Du bist. Erfahre, Iwan, daß ich der Herrgott bin und Dir Alles geben kann, was Du von mir verlangst, weil Du ein gerechter und wohltätiger Mensch bist.«

Iwan wurde darauf vor Schreck augenblicklich nüchtern, fiel vor Gott auf die Kniee und sagte:

»Herr, wenn Du wahrhaftig Gott bist, wie Du sagst, bitte ich Dich, besprich mir dieses Ränzel, damit ich Jeden, den ich will, hinein stecken kann, und daß er ohne meine Einwilligung nicht mehr heraus kann!«

Der liebe Gott besprach darauf lächelnd das Ränzel nach Iwan's Wunsch und sagte dann:

»Iwan, wenn es Dir einmal überdrüssig wird durch die Welt zu wandern, dann komm und klopfe an meine Thür, es soll Dir nicht leid werden.«

»Mit Freuden, Herr, ich werde sogleich kommen«, sagte Iwan. »Für den Augenblick will ich aber erst gehen und sehen, ob mir nicht etwas in das Ränzel tröpfelt.«

Dies sagend, schlug er sich rechts in's Feld, in der Richtung einiger großer Gebäude, die, noch kaum erkennbar, vor ihm auf der Spitze einer Anhöhe lagen. Und Iwan ging und ging, bis er gegen Abend bei diesem Gehöfte anlangte. Als er angekommen, trat er in den Hof, ließ sich vor den Herrn führen und bat ihn um Aufnahme. Von diesem Herrn hieß es, daß er etwas geizig sei; als er Iwan aber in des Kaisers Rocke sah, konnte er nicht gut anders und befahl so halb gegen seinen Willen einem Diener, daß er Iwan etwas zu essen gebe und ihn dann in einem unbewohnten Zimmer einquartire, wo er alle Gäste unterbrachte, die so ungeladen kamen. Der Diener befolgte seines Herrn Befehl, nahm Iwan, gab ihm etwas zu essen und brachte ihn dann an den bestimmten Ort zur Nachtruhe.

»Wenn dem nicht die Ruhe in die Nase fährt«, dachte der Hofherr so bei sich, nachdem er, soviel wie durchaus nöthig war, geredet. »Ich weiß, daß er die Nacht was zu thun bekommt. Wir wollen sehen, wer der stärkere ist. Entweder er die Teufel oder die Teufel ihn!«

Ich muß Euch nämlich sagen, daß dieser Gutsherr ein paar Zimmer hatte, so abseits, in denen, wie es hieß, der Gottseibeiuns wohnte. Und dorthin hatte er gerade Befehl gegeben, Iwan zu betten!

Iwan hatte aber hiervon keine Ahnung. Als er in das Zimmer trat, in das der Diener ihn geführt hatte, stellte er seine Waffen ordentlich zurecht, sprach sein Gebet wie gewöhnlich, dann warf er sich, angezogen wie er war, auf einen Divan, weich wie Watte, steckte sein Ränzel mit den beiden Batzen unter den Kopf und legte sich zum Schlaf zurecht; denn ihn trugen kaum noch die Füße, so abgerannt war er. Aber konnte der arme Kerl zur Ruhe kommen? Sowie er das Licht ausgelöscht, geschieht ihm was? Plötzlich zerrt ihm Jemand das Kissen unterm Kopfe fort und wirft es wer weiß wohin! Iwan, Hand an den Säbel legend, sprang hurtig auf, zündete Licht an und begann durch's Zimmer in allen Ecken herumzusuchen; aber er fand Niemanden.

»Na, aber was soll das heißen? Entweder spukt's hier oder es war ein Erdbeben, durch das mir das Kissen unter dem Kopfe wegflog, und ich laufe ihm herumtappend wie ein Narr nach. Was mag es aber auch mit diesem Erdbeben auf sich haben!« sagte Iwan, bekreuzigte sich noch ein paar Mal von oben bis unten, dann legte er sich wieder zur Ruhe. Als er aber einnickte, ertönte plötzlich durch die Stube ein Gewirr von Stimmen, eine immer greulicher als die andere, einige miauten wie Katzen, andere grunzten wie Schweine, einige quakten wie Frösche, andere brummten wie der Bär, glaub mir, alle möglichen absonderlichen Stimmen ließen sich hören, daß man wahrhaftig nicht wußte, was in der Teufelsmutter Namen da los war! Iwan fing an so halbwege zu verstehen, was es für eine Bewandtniß damit hatte.

»Na, dann laßt nur gut sein! Hier hat der Gottseibeiuns sein Spiel, wie ich merke.« Und mit einmal fing er gewaltig an zu schreien:

»Paschol, hinein in das Ränzel, Bande.«

Da fingen die Teufelchen an sich eins über das andere in das Ränzel hineinzupacken, als trüge sie der Wind. Und nachdem sie Alle drin waren, fing Iwan an, sie auf gut russisch zu puffen. Drauf band er das Ränzel fest zu, legte es sich unter den Kopf, und versetzte ihnen durch das Ränzel hindurch noch so einige moskowitische Stöße, wie er sie verstand, daß den Teufeln das Herz zum Munde herausfuhr. Dann legte er sich mit dem Kopf auf sie, und da ihn nun Niemand mehr störte, setzte er zu einem guten Schlaf an, so einem ordentlichen wie in der Kirche. .. Als aber der Hahnenschrei herannahte, sah Skaraoski, das Oberhaupt der Teufel, daß einige seiner Diener sich verspäteten, und machte sich eiligst nach dem bewußten Orte auf, um sie zu suchen. Und in einem Augenblick war er da und schob sich, er wußte wie und wo, in Iwan's Stube und versetzte ihm im Schlafe eine Ohrfeige, die sich gewaschen hatte. Iwan springt wie verbrannt in die Höhe und ruft: »Paschol, rein in das Ränzel.«

So fuhr auch Skaraoski ohne Gegenrede hinein und zwängte sich noch zwischen die anderen Teufel, denn er hatte keine Wahl.

»He, jetzt werde ich Euch, Ihr Unholde, aburtheilen und Euch den Teufel austreiben«, sagte Iwan aufgebracht. »Mit mir gerade wolltet Ihr Euer Spiel treiben? Ich werd's Euch lehren, daß sogar die Hunde über Euch lachen sollen.« Und allsogleich zog Iwan sich an, bewaffnete sich mit seiner ganzen Ausrüstung, ging hinaus und schlug einen Lärm an, daß das ganze Hofgesinde durch sein Geschrei aufwachte.

»Was ist Dir denn zugestoßen, Du Pahontz1, daß Du bei nachtschlafener Zeit aufstehst und solch einen Lärm schlägst«, sagten die Leute des Hausherrn, die gegen einander anliefen, als ob sie hühnerblind wären.

»Was mir zugestoßen«, sagte Iwan barsch, »ich hab' ein Paar Häschen eingefangen und denke sie hier abzusengen!«

Der Hausherr steht bei diesem Lärm auch auf und fragt: »Was ist das für ein Geschrei im Hofe!«

»Fast die ganze Nacht haben wir wegen dieses Russen nicht schlafen können. Weiß der Teufel, was er hat. Sagt, er hätte ein Paar Häschen gefangen und wolle sie mit Verlaub absengen.«

Bei diesen Worten trat auch schon Iwan vor den Herrn hin mit dem Ränzel voller Teufel, die wie die Fische in den Reusen herumzappelten.

»Schau, Herr, mit wem ich mich die ganze Nacht herumgebalgt habe. ... aber zu guter Letzt habe ich Dir die Stube von den Teufeln gesäubert und bring Dir die ganze Bescheerung am frühen Morgen. Befiehl, daß man mir Weidenruthen holt, denn ich werde sie Spießruthen laufen lassen, damit sie sich's für's Leben merken, daß sie auf, Iwan, den Diener Gottes, gestoßen sind«.

Als der Herr dies sah, überfiel ihn einerseits Schrecken, andererseits jedoch wußte er nicht, was er vor Freuden thun sollte; denn viel Meßgeld hatte er bisher den Pfaffen allerorts gegeben, um die Teufel aus der Stube zu verjagen, und es war ihm nicht geglückt. Aber es schien, daß ihre Zeit jetzt gekommen war. An Iwan hatten sie ihren Mann gefunden.

»Gut, Iwan«, sagte der Herr erfreut. »Sie sollen Dir so viel Ruthen bringen wie Du willst, thu Deine Pflicht, wie Du's verstehst, hernach soll's nicht Dein Schade sein!«

Viel Zeit vergeht nicht, als Iwan auch seinen Karren voller Ruthen, wie er sie sich wünscht, gewahr wird. Er nimmt sie und bindet immer so zwei, drei zusammen, wie ein Kenner. Unterdessen hatte sich aber das ganze Dorf um Iwan versammelt, um die Bestrafung der Teufel mit anzusehen. Denn das war des Staunens werth, kein Scherz. Iwan band vor Allen das Ränzel nur so weit auf, um mit der Hand hereinzufahren, und nahm ein Teufelchen nach dem andern bei den Hörnern und gerbte sie durch, daß ihnen das Fell platzte. Und nachdem er ordentlich mit ihnen Abrechnung gehalten hatte, ließ er sie unter der Bedingung laufen, daß sie ein ander Mal nicht wieder dahin kommen wollten.

»Ich werd' nicht wieder kommen, Iwan, so lang ich lebe«, sagte der Gottseibeiuns, dem der Rücken brannte und der wie aus der Kanone geschossen davon eilte. Die Leute aber, die zusahen, besonders die Jungen, hielten sich die Seiten vor Lachen.

Zu allerletzt aber zog er den Skaraoski am Bart heraus, und hieb ihm ein paar über, echt moskowitisch, daß ihm der Athem ausging.

»Da hast Du's. Auf Streiche gingst Du aus, mit Streichen kommst Du heim, Du, mein Herr Skaraoski. Das soll Dich lehren ein ander Mal die Leute heimzusuchen, Du unholder Satan, der Du bist.« Und darauf läßt er ihn laufen: »scheer Dich« und so rennt auch Skaraoski hinter den Anderen her, wie die Bremse mit dem Strohhalm.

»Der Herrgott geb' Dir ein langes Leben«, sagte drauf der Hausherr und nahm Iwan in seine Arme und küßte ihn. »Von jetzt ab bleibe bei mir, Iwan, und weil Du mir das Haus von den Teufeln gesäubert, sollst Du bei mir auf Händen getragen werden.«

»Laß gut sein, Herr«, sagte Iwan. »Ich gehe hin, um dem lieben Gott, dem Herrscher Aller, zu dienen.« Und indem er dies sagte, band er sich den Säbel um, warf das Ränzel über die Schulter, den Tornister auf den Rücken, Gewehr auf Schulter und marschirte ab, um bis zum lieben Gott zu gehen. Die Zuschauer aber, mit den Mützen in der Hand, wünschten ihm glückliche Reise, wohin er sich auch wende. »Mög's Dir wohl bekommen«, sagte der Herr, »wärst Du geblieben, wärst Du mir wie ein Bruder gewesen, nun Du gehst, bist Du mir doppelt werth.«

Mir scheint, als ob auch der Herr, so herrlich es war, Respekt vor dem Ränzel bekommen hatte, daß es ihm nicht so leid um Iwan that, der ihm doch so viel Gutes erwiesen.

Iwan dachte aber gar nicht daran, er dachte nur an seinen Weg und fragte von Einem zum Andern, wo der liebe Gott wohne. Aber Alle, so viele er frug, zuckten mit den Schultern und wußten nicht, was sie auf so sonderbare Frage antworten sollten.

»Das kann nur der heilige Nikolaus wissen«, sagte Iwan und holte sein Heiligenbildchen heraus und küßte es rechts und links. Und darauf, o Wunder, sah Iwan sich plötzlich am Thor des Paradieses. Und ohne Weiteres fing er sogleich an, aus Leibeskräften an's Thor zu klopfen. Da fragte der heilige Petrus von Innen:

»Wer ist da?« »Ich.« »Wer ich?« »Iwan.« »Und was willst Du?« »Giebt's Tabak?« »Giebt's nicht!« »Giebt's Schnaps?« »Giebt's nicht!« »Giebt's Musikanten?« »Giebt's nicht, Iwan, was bohrst Du mich mit Fragen an!«

»Wo finde ich diese Dinge?«

»In der Hölle, Iwan, nicht hier!«

»Himmel, was für 'ne blanke Armuth hier im Paradies«, sagte Iwan. Und er ließ sich in kein Gespräch weiter ein, sondern marschirte direkt zur Hölle. Er wußte schon, wie sich die Wege schlängeln, denn er ging nicht lange, sondern stand auch bald vor dem Thor der Hölle. Und allsogleich klopfte er an das Thor und rief:

»Heh, giebt's Tabak?«

»Giebt's«, entgegnete Jemand von Innen.

»Giebt's Schnaps!«

»Giebt's!«

»Giebt's Musikanten!«

»Na, ich dächte doch, so viel Du willst.«

»Gut, gut! Das ist hier was für mich, macht schnell auf«, sagte Iwan trampelnd und sich die Hände reibend. Der Teufel an der Pforte dachte, es wäre irgend ein alter Stammgast und öffnete; und da, schau an, sieht er unvermuthet Iwan mit dem Ränzel vor sich.

»Weh uns, weh uns«, sagten da die Teufel, sich im Kopf krauend. »Da sind wir ordentlich hineingefallen.« Iwan aber befahl, daß man ihm schnell Schnaps, Tabak und Musikanten brächte, weil er Lust zu einem großen Gaudium hätte. Die Teufel sahen einer den andern an, und als sie sahen, daß keine Möglichkeit war, Iwan zu trotzen, fingen sie an ihm Schnaps, Tabak, Musikanten, Alles was Iwans Herz sich nur wünschte, heranzuschleppen. Die Teufel flogen nach allen Seiten, schnell wie die Kreisel, und thaten Iwan in Allem zu Willen, denn sie fürchteten sich vor dem Ränzel, wie vor wer weiß was, vielleicht mehr noch als vor dem heiligen Kreuz.

Nach kurzer Zeit war Iwan so ausgelassen, daß er anfing durch die Hölle zu juchen und Horodinca und Cazacinca zu tanzen mit den Teufeln und Teufelinnen, ohne viel Umstände mit ihnen zu machen, und in diesem Wirbel warf er die Ladentische und alles Uebrige um nach allen Seiten, daß Du vor Lachen über Iwan's Faxen hättest platzen können. Was sollten jetzt die Teufel machen, um ihn von da wegzubringen? Sie bedachten sich, sie wanden sich, sie zerbrachen sich den Kopf, aber Keinem fiel ein, was zu thun sei. Des Teufels Großmutter aber, die abgefeimter war als alle Teufel, sagte darauf zu Skaraoski: »Schämen sollt Ihr Euch; wenn ich nicht hier wäre, ginge es Euch noch schlimmer als jetzt! Holt mir schnell eine Tonne, eine Hundehaut und zwei Stöcke, damit ich Euch ein Spielzeug mache, wie ich's verstehe, und dann will ich ihn von hier fortkehren.« Und allsogleich bringt man ihr das Gewünschte; und des Teufels Großmutter macht schnell eine Trommel, dann schleicht sie von Iwan ungesehen mit ihr heraus und fängt wie zur Schlacht drauf zu trommeln an, bumm, bumm, bumm!

Iwan kommt allsogleich zu sich, und mit einem Satz fährt er heraus, Gewehr auf Schulter, um zu sehen, was los sei.

Des Teufels Großmutter fährt dann ritsch hinein, die Teufel machen bumbs das Thor zu, und als sie die Riegel ordentlich vorgeschoben, hättest Du ihre Freude sehen sollen, daß sie das Ränzel los geworden. Iwan klopft an die Thür, was er kann, er fuchtelt mit dem Gewehr, aber jetzt hatten die Teufel Verstand angenommen.

»Na, dann laßt's bleiben, Ihr Gehörnten. Wenn mir noch einmal Einer unter die Finger läuft, wird Euch das Ränzel Mores lehren!«

Als Iwan sah, daß die Thore der Hölle von allen Seiten verrammelt waren, und daß die Teufel nicht dran dachten, sie zu öffnen, verzichtet er nun auch auf Musikanten, Tabak, Schnaps und Alles und wandert wieder zum Paradiese, um dem lieben Gott zu dienen.

Und als er am Thor des Paradieses anlangt, stellt er sich von Außen als Wache vor dasselbe und steht Tag und Nacht dort in einem Zug, ohne zu schlafen und ohne sich vom Fleck zu rühren.

Und nicht lange danach, schau! da kommt auch der Tod an und will allsogleich zum lieben Gott hinein, um seine Befehle in Empfang zu nehmen.

Iwan hält ihm sein Bajonnet vor die Brust und sagt:

»Halt, Gevatter, wohin willst Du?«

»Zum lieben Gott, Iwan, wir wollen sehen, was er mir noch zu befehlen hat.«

»Ist nicht erlaubt«, sagte Iwan, »ich werde schon gehen und Dir Bescheid bringen.«

»Bewahre, Iwan, ich muß selbst gehen!«

Wie Iwan sieht, daß der Tod über ihn weg will, fährt er ihn an und sagt: »Pascholl, Gevatter Tod, rein in das Ränzel.«

Der Tod hatte keine Wahl, sondern mußte sich in das Ränzel stecken, fing aber an zu schluchzen und zu stöhnen, daß man vor Mitleid hätte weinen können. Iwan aber band mit Gleichmuth das Ränzel oben zu und hing es an einen Baum. Darauf begann er an das Thor zu klopfen. Der heilige Petrus öffnete und sieh da: Iwan steht vor ihm!

»Ei, ei, Iwan, also ist's Dir jetzt überdrüssig geworden, durch die Welt zu wandern nach Deinem Plaisir.«

»Ich hab's überdrüssig, gar überdrüssig, heiliger Petrus.«

»Und was willst Du jetzt?«

»Ich will zum lieben Gott gehen und ihm was sagen.«

»Gut, Iwan, so geh, Dir ist der Weg nicht verboten. Als ob das möglich wäre, jetzt, wo Du zu unserm Haushalt gehörst.«

Iwan ging darauf stracks vor den lieben Gott und sagte:

»Herr, ich weiß nicht, ob es Dir bekannt ist oder nicht, daß ich seit langer Zeit am Thore des Paradieses diene. Und jetzt kommt der Tod und fragt, was Du noch befiehlst.«

»Sag ihm, Iwan, in meinem Namen, daß ich Befehl gebe, daß drei Jahre lang hinter einander nur alte Leute, so in Deinem Alter, sterben«, sagte der liebe Gott gütig lächelnd.

»Gut, Herr«, antwortete Iwan und schaute dem lieben Gott lang in die Augen. »Ich gehe, um ihm Deinen Befehl zu bringen.«

Und dann ging er und erlöste den Tod aus seinem Gefängniß und sagte ihm:

»Der Herrgott hat befohlen, daß Du drei Jahre hintereinander nur alten Wald verspeisen sollst, den jungen aber nicht anrühren. Hast Du verstanden! Vorwärts, marschir und thu Deine Pflicht.«

Darauf ging der Tod durch die Wälder, über die Maßen ärgerlich, und begann an den alten Bäumen zu nagen, daß ihm die Kinnbacken krachten.

Und nachdem drei Jahre sich vollendet hatten, machte er sich wieder zum lieben Gott auf, um seine Befehle zu empfangen. Wenn er aber dran dachte, daß er wieder auf Iwan stoßen würde, versagten ihm die Füße und krümmte er sich vor Angst. »Des Ränzel! das verdammte Ränzel, das bringt mich in alle Noth. Doch ich hab keinen Ausweg; ich muß gehen«, sagte er seufzend. Endlich geht er und geht nicht und kommt nach einer Weile an das Thor des Paradieses. Aber sieh da: Er erblickt wieder Iwan.

»Du bist noch immer hier, Iwan, noch immer?«

»Das fehlte auch noch, daß ich nicht hier wäre«, sagte Iwan machte links um und stellte sich gerade in den Weg des Todes. »Wo dachtest Du denn, daß ich sein sollte, wenn ich hier Dienst habe?«

»Ich dachte, Du wärest in die Welt und Deinen Dummheiten nachgegangen.«

»Wenn ich doch gerade aus der Welt entflohen bin; ich kenne sie, wie süß und wie bitter sie ist, das Wetter soll in sie schlagen! Den Iwan hat sie bis über die Ohren abgeknabbert. Woher bist aber Du so mager geworden, Gevatter?«

»Durch Deine Güte, Iwan! Jetzt hoffe ich, daß Du mich nicht wieder der Verdammniß aussetzt, sondern mich zum lieben Gott hineinläßt, denn ich habe sehr wichtige Geschäfte bei ihm.«

»I, warum nicht gar. Laß Dir die Lust danach noch ein Weilchen vergehen; die Welt wird nicht gleich umkommen. Möchtest Du Dich nicht etwa auf ein Plauderstündchen einlassen?«

»Weißt Du aber, Iwan, daß Du gar zu übermüthig wirst?«

»So steht Dir der Sinn? Du nimmst mich wieder so billig? Pascholl, hinein in das Ränzel, Gevatter!«

Der Tod zwängte sich wieder in das Ränzel, und Iwan hing ihn wie zum Dörren auf und sagte:

»Halt zum Narren, wen Du willst, aber den Iwan nicht!«

Der liebe Gott aber wußte um all dies, er wollte jedoch den Iwan auch mal sich einen Spaß machen lassen, nicht immer nur den Tod, denn der hatte in seinem Leben auch schon so Manches ausgefressen!

»Oeffne mal, heiliger Petrus«, sagte Iwan und klopfte dabei an die Thür.

Der heilige Petrus öffnete, und Iwan trat wieder vor den lieben Gott hin und sagte:

»Herr, der Tod fragt, was Du weiter befiehlst. Und, sei nicht böse, er ist gar zu ungeduldig und hart, wenn ich so sagen darf. Er sitzt wie auf Kohlen und will augenblicklich Bescheid haben.«

»Bring ihm den Bescheid, Iwan, daß von jetzt ab drei Jahre lang nur junge Leute sterben sollen und die folgenden drei Jahre nur ungezogene Kinder.«

»Gut, Herr«, sagte Iwan, sich bis zur Erde verneigend. »Ich gehe, um ihm zu sagen, was Du befohlen«, und sowie Iwan vor das Thor kommt, holt er den Tod aus dem Ränzel und sagt: »Der Herrgott hat befohlen, daß Du von jetzt ab drei Jahre lang nur jungen Wald verzehren sollst, und die drei folgenden Jahre nur junge Sprößlinge, Weiden, Gerten, Ruthen und derlei Sachen; an den alten Wald rühr' nicht, sonst giebt's was. Hast Du verstanden, Gevatter? Vorwärts, mach Dich dran, so lange ich Dich seh, und thu Deine Schuldigkeit gewissenhaft.«

Der Tod verschluckte seinen Aerger, schritt durch die Wiesen, Haine und das Dickicht, über die Maßen betrübt. Und ob er's wollte oder nicht, fing er an bald am jungen Holz zu nagen, bald Gerten und Ruthen zu scheeren, daß ihm die Zähne klapperten und die Hüften und der Nacken weh thaten, wenn er sich oben zu den hohen Pappeln streckte und dann sich zu den Wurzeln der Gebüsche nach zarten Zweigen bückte. Er quälte sich auch, was er mußte, der Arme. Schließlich plagte sich der Tod drei Jahre hintereinander so und dann wieder drei Jahre, und nachdem sich ihm die sechs Jahre Zwangsarbeit erfüllt hatten, machte er sich wiederum zum lieben Gott auf, um zu sehen, was er ihm zu befehlen hätte. Kein Zweifel, Gevatter Tod wußte, was ihn erwartete, aber was war dabei zu thun?

»Das Ränzel! Mög's Donnerwetter drein fahren«, sagte der Tod und ging zum Paradies, als wär's zum Galgen. »Ich weiß nicht, was ich über den Herrgott sagen soll, daß ich mich nicht versündige. Ich glaub' beinah, daß auch er kindisch geworden ist, Gott verzeih' mir, daß er dem verrückten Iwan so viel Macht über mich gegeben hat. Es würde mich wirklich freuen, wenn ich mal den lieben Gott, so groß und gewaltig er ist, in Iwan's Ränzel sehen könnte, oder, wenn nicht ihn, wenigstens den heiligen Petrus, nur dann würden sie mir glauben«.

Und wie er so immer Alles durch einander hinmurrte, kam er an das Thor des Paradieses, und als er wieder Iwan erblickte, verfinsterte sich ihm die Welt vor den Augen und er sagte seufzend:

»Aber aufrichtig, Iwan, hast Du wieder die Absicht, mich mit Deinem Ränzel zu quälen?«

»Nicht nur das: wenn ich die Macht hätte, offen gestanden, würde ich Dir die Augen auskratzen, wie dem Teufel, und Dich am Spieß braten«, sagte Iwan voll Wuth, »denn durch Deine Schuld haben so bitter viel Menschen, von Adam bis auf den heutigen Tag, umkommen müssen, – Pascholl, hinein in das Ränzel! Und diesmal melde ich Dich auch gar nicht dem lieben Gott, altes Scheusal, das Du bist. Du mit des Teufels Großmutter, ihr seid ein passendes Paar. Ich möcht' Euch mit den Zähnen zerreißen, so lecker seid Ihr. Ich werde Dich auf die Dörre hängen, ganz und gar. Jetzt sollen Dir die Knochen im Ränzel faulen, Etsch, Etsch!«

Der Tod seufzt, aber vergebens. Iwan scheint weder zu hören, noch zu sehen. Schließlich vergeht eine geraume Zeit, ich weiß nicht genau wieviel, bis eines Tages der liebe Gott an's Thor kommt, um zu sehen, was Iwan wieder für Unfug mit seinem Ränzel treibt.

»Ei, Iwan, was treibst Du? Hat der Tod nicht mal wieder vorgesprochen?«

Iwan ließ darauf den Kopf hängen, schwieg und begann die Farbe zu wechseln. Der Tod aber aus dem, Ränzel antwortete mit erstickter Stimme: »Hier bin ich, Herr, kalt gestellt, Du hast mich Armen zum Narren halten lassen von einem Querkopf wie Iwan!« Der Herr öffnet darauf das Ränzel, läßt den Tod heraus und sagt zu Iwan: »Hör, Iwan, jetzt ist's genug; Du hast Dein Leben gelebt und Dein Theil gehabt, barmherzig bist Du gewesen, auch gutmüthig, kein Zweifel. Aber seit einiger Zeit, seitdem ich Dir das Ränzel besprochen habe, bist Du gar zu sehr, ich weiß nicht wie geworden. Den Teufeln jenes Gutsherrn hast Du den Garaus gemacht. In der Hölle hast Du Dir einen Schmaus bereitet, daß man davon spricht wie vom geschornen Popen. Mit dem Tode habe ich Dich bisher Deine Wippchen machen lassen, ganz nach Deinem Willen, Du kannst Dich nicht beklagen. Aber Alles hat seine Zeit, mein Sohn. Jetzt ist die Zeit zum Sterben auch für Dich gekommen, ich kann Dir nicht helfen. Man muß Jedem das Seinige geben, denn selbst der Tod hat seine Aufgabe, er ist nicht so umsonst da, wie Du glaubst.«

Als Iwan sah, daß es Ernst war, kniete er vor dem Herrgott nieder und bat ihn mit Thränen: »Herr, gewähre mir noch drei Tage, damit ich für meiner Seele Heil sorge, mir den Sarg mit meiner schwachen Hand zimmere und mich selbst in ihm zurechtlege; nachher steht dem Tode frei, mit mir zu machen, was er will, denn ich sehe ein, daß mein Lebensfaden sich abgesponnen hat; ich fange zusehends an, schwach zu werden.«

Der Herrgott erfüllte ihm diese Bitte und dann, nachdem er ihm das Ränzel entzogen hatte, übergab er ihn der Obhut des Todes, der ihm nach drei Tagen die Seele rauben sollte.

Als Iwan allein geblieben war, verfiel er auf trübe Gedanken; er war über die Maßen traurig, daß ihm der liebe Gott das Ränzel fortgenommen hatte, und daß er noch dazu sterben sollte.

»Nun werde ich mir mal überlegen, was ich davon gehabt habe, daß ich auf dieser Welt gelebt«, sagte Iwan. »Im Heer war ich, aber mir nur zur Qual, wohin ich mich auch wandte, schlecht ging's mir überall. Und bis heute wanderte ich so herum, ohne Zweck und Ziel. Ich ging in's Paradies, von dort zur Hölle, und von der Hölle wiederum zum Paradiese. Und gerade jetzt, wo mir's darauf ankommt, habe ich keinen Trost. Was in aller Welt dachte ich im Paradies zu holen! So geht es dem, der es mit dem Teufel verdirbt; hier im armseligen Paradiese ist das Wort am rechten Platze: ›Leeres Geprahle, leichte Waare!‹ Man hat den Beutel voll und vermißt Alles. Schlimmer gestraft könnte man gar nicht werden. Schnaps giebt's nicht, Tabak giebt's nicht, Musikanten sind nicht, Schmauserei ist nicht, nichts giebt's! Nur noch drei Tage habe ich zu leben, und dann, Iwan! – bist Du vom Erdboden verschwunden! Könnt' ich nicht noch irgend einen Streich ausführen, so lange es noch Zeit ist?«

Schließlich steht Iwan noch einen Augenblick so da, den Kopf in die Hand gestützt, als ihm plötzlich etwas einfällt: »Still, jetzt habe ich's! Was draus wird, mag über mich kommen, umsonst wird's nicht sein, aber für mich kommt jetzt Alles auf Eins hinaus!« Und Iwan begiebt sich allsogleich mit seinen beiden Batzen er weiß schon wohin, und kauft Zimmermannshandwerkzeug, zwei dicke Seitenbretter, vier Krampen, mehrere Nägel, zwei Ringe und ein festes Schloß und macht sich daran, sich selbst einen reizenden Sarg zu zimmern, in dem auch der Kaiser hätte liegen können.

»Schau, Iwan, Dein letztes Häuschen!« sagte er. »Drei Ellen Erde ist Alles, was Dein bleibt. Siehst Du jetzt, worin dieser Welt ganze Herrlichkeit endigt?«

Aber Iwan hatte kaum diese Worte ausgesprochen, als er auch schon den Tod hinter seinem Rücken verspürte.

»Nun, Iwan, bist Du bereit?«

»Ganz bereit!« entgegnete dieser lachend.

»Wenn Du bereit bist, vorwärts! Leg Dich schnell in den Sarg, denn ich habe keine Zeit zu verlieren. Vielleicht warten noch Andere auf mich, daß ich ihnen den Geleitbrief mit auf den Weg gebe.«

Iwan legte sich darauf in den Sarg, mit dem Gesicht nach unten.

»Nicht so, Iwan«, sagte der Tod.

»Aber wie denn?«

»Lege Dich so, wie ein Todter liegen muß!«

Iwan legte sich nun quer und ließ die Füße herausbaumeln.

»Aber um Alles in der Welt, Iwan! Eins sagst Du, das Andere thust Du! Willst Du mich noch lange aufhalten? Leg' Dich ordentlich hin, hörst Du.« Iwan legte sich darauf wieder mit dem Gesicht nach unten, mit dem Kopf baumelnd, auf die eine Seite und dann wieder mit den Füßen heraus.

»O Du mein lieber Herrgott! Auch das nicht einmal verstehst Du. Man merkt, daß Du nur zu Nichtsnutzigkeiten gut warst in dieser Welt. Geh mal bei Seite, damit ich's Dir, Narr der Du bist, einmal zeige!«

Iwan kletterte aus dem Sarge und stand demüthig bei Seite. Der Tod aber, der die Güte hatte, Iwan zu belehren, legte sich in den Sarg, mit dem Gesicht nach oben, gradgestreckten Beinen, die Hände auf der Brust und die Augen geschlossen, dann sagte er:

»Sieh, Iwan, so mußt Du Dich hinlegen.«

Iwan verlor keine Zeit, sondern klapp! warf er den Deckel drüber, verschloß ihn mit dem Schloß, und, trotz aller Bitten des Todes, lud er sich den Sarg auf den Rücken, setzte ihn auf ein großes, fließendes Wasser und sagte:

»So, jetzt hat die liebe Seele Ruh. Jetzt ziehe heim. Und mögest Du aus dem Sarge auferstehen, wenn Dich die Großmutter aus dem Grabe holt. Mir hat der liebe Gott um Deinetwillen das Ränzel genommen, zu guter Letzt hab' ich's Dir aber heimgezahlt.«

»Schau nur, Herr«, sagte der Apostel Petrus lachend, »schau, was Dein Iwan wieder angestiftet hat! Das muß doch wahr bleiben: wer Iwan den kleinen Finger giebt, dem nimmt er die ganze Hand.«

Als der Herrgott nun sah, wie weit Iwan's Unverschämtheit ging, fing er auch an, sich ein wenig über seine Streiche zu wundern. Und so gab der liebe Gott Befehl, den Sarg dort, wo er war, aufzumachen, damit der Tod auf's Trockene käme und sich auch einmal an Iwan rächen könne. Und allsogleich geschah es so, und als Iwan auch nicht im Traum daran dachte, daß er den Tod nochmals mit Augen sehen würde, da stand er ihm plötzlich gegenüber und sagte ihm:

»Na, höre, Iwan, so war die Verabredung?«

Iwan blieb wie versteinert und konnte nicht ein einzig Wort mehr sagen.

»Und Du thust noch, als wüßtest Du von nichts! Iwan, Iwan! Nur die Geduld und endlose Güte des Herrgotts können Deine Unthaten und Deine Verstocktheit noch übertreffen. Längst wärst Du aus dieser Welt fort und ein Spott der Teufel geworden, wenn der Herrgott sich nicht Deiner angenommen hätte, mehr noch als seines eignen Sohnes. Wisse Eins, Iwan: von jetzt ab wirst Du zu sterben wünschen, Du wirst auf den Knieen mir nachrutschen und mich bitten, daß ich Deine Seele nehme; ich aber werde mich stellen, als hätte ich Dich vergessen und werde Dich so lange stehen lassen wie die alte Mauer von Golia und die Burg Neamtz, damit Du siehst, wie unerträglich das Leben in so hohem Alter ist.«

Und so ließ der Tod ihn zum Schabernack leben:



Denn so lang die Erde steht,

Kein Wind auf dem Ofen weht.



Und als Iwan sah, daß er wirklich nicht starb, sagte er bei sich:

»Jetzt werde ich mir doch nicht dem Tode zu lieb das Leben nehmen! Das fällt mir nicht ein, das kann er ja selber besorgen.«

Und wo hätte er sich seitdem nicht dem Tode zum Trotz einen Schluck Schnaps und ein Gläschen Branntwein und Korn geholt, als ob ihn das Feuer verbrennte!

»Immer ein Schmaus über den andern, Iwan, sonst wirst Du verrückt vor Langerweile«, sagte er.

Wirklich, was sollte er auch thun, der arme Mann, wenn der Tod einäugig war und ihn nie sah?. ...

Und so hat Iwan, der Unsterbliche, ungezählte Jahrhunderte gelebt, und vielleicht lebt er heute noch, wenn er nicht gestorben ist.





Fußnoten

1 Pahontz, ein Train-Knecht der russischen Armee.


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