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Märchen - Theodor Vernaleken: Kinder- und Hausmärchen dem Volke treu nacherzählt


Die drei Müller

Es lebte einst ein reicher Müller, welcher drei Söhne hatte, die das Handwerk ihres Vaters lernten. Nachdem ihre Lehrzeit beendigt war, wurden sie freigesprochen. Sie blieben noch einige Jahre im väterlichen Hause, und dann zogen sie in die Fremde, um die Welt kennen zu lernen.

Nachdem sie ein schon ziemlich großes Stück Weges zurückgelegt hatten, erreichten sie einen dichten Wald, der so groß war, daß sie genöthigt waren, darin zu übernachten. Spät abends bemerkten sie noch ein Licht und gingen darauf zu, in der Hoffnung, dort eine Hütte zu finden. Als sie näher kamen, trafen sie zu ihrem Erstaunen ein schöngebautes Haus, das sehr hell erleuchtet war. Sie klopften an, die geschlossene Thüre öffnete sich mit großem Gekrache, und nachdem sie eingetreten waren, schloß sich die Thüre von selbst. Sie begaben sich in einen großen Saal, der ungemein schön und reich ausgestattet war.

Bei ihrem Eintritte waren eine große Anzahl Zwerge beschäftigt, einen Tisch zu decken. Kaum wurden sie der drei Personen ansichtig, als sie sich flink zu einer Gruppe vereinigten und eine tiefe Verbeugung vor den Wanderern machten, worauf sie dann hüpfend den Saal verließen. Doch nur auf kurze Zeit, denn bald darauf kamen sie mit allerlei Speisen zurück, stellten dieselben auf den Tisch, auf dem goldene Messer, Löffel und Teller lagen, und machten den Fremden durch ein Zeichen verständlich, sie möchten sich niedersetzen und von den gebrachten Speisen genießen. Die Müller ließen sich das nicht zweimal sagen, denn sie waren von dem weiten Marsche müde, hungrig und durstig geworden. Nachdem sie ihren Hunger gefüllt hatten, fragten sie die Zwerge, ob sie nicht irgendwo einen Platz bekommen könnten, um zu übernachten. Dieß ward ihnen durch ein Kopfnicken bejahet. Dann entfernten sich die Zwerge und kamen mit drei schönen Betten wieder zurück, die sie in der Reihe aufstellten, sich dann ehrfurchtsvoll verbeugten und entfernten. Die Wanderer entkleideten sich und gingen dann unbekümmert um das räthselhafte Haus zu Bette und schliefen bald ein. Als sie am Morgen erwachten, bemerkten sie über der Thür des Saales eine große Tafel, auf welcher geschrieben stand, daß jeder eines der drei folgenden Räthsel binnen einem Jahre aufzulösen habe: Der älteste, was er esse, der zweite, was er trinke, und der jüngste, worauf er liege. Wenn sie dasselbe binnen genannter Frist nicht auflösten, so würden sie dem Besitzer dieses Gebäudes mit Leib und Leben verfallen.

Die drei Handwerksburschen lachten ob dieser dummen Fragen und freuten sich, ein ganzes Jahr frei gehalten zu werden, ohne daß sie etwas zu arbeiten brauchten.

So verlebten sie fröhlich das ganze Jahr hindurch, ließen sich von den Zwergen bedienen, doch keiner dachte daran, daß der festgestellte Tag herannahe. Erst am letzten Abende des Jahres lief's ihnen doch über die Leber, und der jüngste fing an laut zu jammern. In der Angst floh er aus dem Hause und ließ die Brüder im Stich. Doch bald wurde er müde und legte sich unter einen Baum, um auszurasten. Da hörte er über seinem Kopfe ein Zischen, und als er aufblickte, bemerkte er eine große Schlange. Er rührte sich nicht von der Stelle, und kalte Schweißtropfen bedeckten seine Stirn. Nach einer Weile sah er, wie sich aus der einen eine zweite und dann eine dritte bildete. Dann fing die erste an zu sprechen: »Mein Fleisch«, – die zweite: »Mein Blut«, – und die dritte: »Auf meinen Beinen.« – Darauf waren alle drei verschwunden.

Unser Müller verfiel in ein tiefes Nachsinnen. Plötzlich schien er es gefunden zu haben, er sprang freudig auf und eilte dem Schlosse zu. Dort öffnete ihm ein Riese das Thor. Derselbe richtete an den ältesten die Frage: »Was issest du?« Er antwortete: »Ich nähre mich von Rindfleisch und von Braten allerlei Art.« Darauf berührte der Riese den ältesten mit einem elfenbeinernen Stäbchen, worauf er gleich in einen Zwerg verwandelt wurde und in die Gesellschaft der übrigen sich begab. Hierauf kam nun die Reihe an den zweiten. Der ward gefragt: »Was trinkst du?« »Wasser und Wein«, war die Antwort. Auch der wurde in einen Zwerg verwandelt. Nun ward der jüngste gefragt: »Worauf liegst du?« Und er gab zur Antwort: »Auf meinen Beinen.«

Zornig mit dem Fuße auf den Boden stampfend, trat der Riese zurück, und sprach: »Keiner von denen, die hier verzaubert sind, konnte dieses Räthsel auflösen. Du warft der einzige, und du bist ihr Erlöser geworden.« Darauf schwenkte er den Stab, und unter donnerndem Getöse verschwand der Riese sammt dem Gebäude, und die Zwerge verwandelten sich wieder in ihre ursprüngliche Gestalt. Alle bedankten sich bei ihrem Erlöser und ein jeder suchte seinen Weg nach Hause. Und auch die drei Müllerssöhne gingen zu ihrem Vater zurück und erzählten, was sie erlebt hatten.


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