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Märchen - August Leskien und K. Brugman: Litauische Volkslieder und Märchen


Von dem Armen

Einst hatte ein Mann nichts zu essen, und er ging fort in die Welt hinein. Wie er so ging, begegnete ihm ein altes Männchen, das Männchen fragte ihn ›Wohin geht die Reise?‹ Der arme Mann antwortete ›Ich weiss es selber nicht. Ich habe nichts zu essen, und ich weiss nicht, wo ich hingehn, wo ich mir was zu essen suchen soll.‹ Da sprach das Männchen ›Komm mit auf den Berg!‹ und führte ihn auf einen Berg und schenkte ihm ein Tischchen und sagte zu ihm ›Wenn du zu dem Tischchen sagst »Tischlein, deck dich«, so steht gleich alles mögliche zu essen und zu trinken darauf.‹ Dann gab das Männchen ihm noch den Rat, er solle nirgends zur Nacht einkehren, und der Arme machte sich auf den Heimweg. Er ging immer zu, und kam an eine Schenke, und weil es schon ganz dunkel war, ging er hinein, um in der Schenke zu übernachten. Der Schenkwirt und seine Frau setzten sich zum Abendessen, er aber stellte sein Tischlein vor sich und sprach ›Tischlein, deck dich‹, und das Tischlein deckte sich und es stand alles mögliche zu essen und zu trinken darauf. Wie das der Wirt sah, da hätte er gar gern das Tischchen gehabt, und als der Arme nachher eingeschlafen war, da nahm ihm der Wirt das Tischchen weg und stellte ein andres dafür hin. Am andern Morgen, wie der Arme aufgestanden war, packte er des Wirts Tischchen auf und trug's heim. Zu Haus erzählte er triumphierend seiner Frau, dass sie jetzt immer würden zu essen haben, und alle Kinder sprangen und tanzten in der Stube herum, dass sie jetzt immer würden zu essen haben. Der Vater stellte nun auch sein Tischchen vor sich und sprach ›Tischlein, deck dich.‹ Aber das Tischlein deckte sich nicht, und zu essen kam auch nichts darauf. Er dachte, es stünde nicht an der richtigen Stelle, und stellt' es dahin und stellt' es dorthin und überallhin, aber es kam kein Essen darauf.

Jetzt ging der Arme wieder fort und begegnete wieder dem alten Männchen. Das Männchen frug ›Wohin geht die Reise?‹ Und der Arme antwortete ›Ich weiss es selbst nicht.‹ Da führte ihn das Männchen auf den Berg und schenkte ihm ein Hämmelchen und sprach ›Wenn du sagst »Böckchen, schüttle dich«, so wird sich das Böckchen schütteln, und es regnet Geld von ihm nieder.‹ Aber das Männchen sagte ihm auch noch ›Auf dem Heimweg kehre nirgends zur Nacht ein‹, und der Arme ging dann seines Wegs. Er war lange gegangen, da ward es ganz dunkel, und er kam nach der nämlichen Schenke, wo er früher übernachtet hatte, und nahm da Herberge. Er kriegte Appetit, und da er kein Geld hatte, sprach er zum Böckchen ›Böckchen, schüttle dich‹, und das Böckchen schüttelte sich, und es regnete Geld von ihm herab. Das sah der Wirt, und der hätte gern das Böckchen gehabt. Und wie der Arme nachher eingeschlafen war, nahm er ihm sein Hämmelchen weg und gab ihm ein andres dafür. Am andern Morgen packte der Arme des Wirts Hämmelchen auf und trug's heim. Und wieder machte er zu Haus viel Rühmens, dass er jetzt immer viel Geld haben werde, und er sprach zum Hämmelchen ›Böckchen, schüttle dich‹, aber das Böckchen schüttelte sich nicht, denn es verstand sich gar nicht darauf. Jetzt schüttelte er selber das Hämmelchen, aber nicht ein Pfennig fiel herunter. Da schlachtete er das Hämmelchen, und so hatten sie jetzt doch dreimal was gutes zu essen; und damit war's wieder alle.

Da ging der Arme wieder fort und wollte das Männchen aufsuchen. Er war lange gegangen, da kam's ihm entgegen. Das Männchen fragte ›Wohin geht die Reise und was willst du?‹ Und der Arme sprach ›Wohin meine Reise geht und was ich will, das weiss ich selber nicht.‹ Das Männchen aber führte ihn wiederum auf den Berg und schenkte ihm einen Sack und einen Knüppel und sprach ›Wenn du sagst »Knüppel, aus dem Sack!«, so wird der Knüppel herausspringen und auf jedweden losschlagen, und wenn du dann sagst »Knüppel, in den Sack!«, so wird er wieder in den Sack springen.‹ Und das Männchen sagte ihm noch, jetzt solle er wieder in derselben Schenke zur Nacht bleiben. Der Arme ging in die Schenke und fand den Wirt beim Essen sitzen. Da bekam auch er Appetit. Er dachte, dass der Knüppel ihm schon was zu essen schaffen werde, und sprach ›Knüppel, aus dem Sack!‹ Der Knüppel sprang aus dem Sack heraus und fing an auf den Wirt und seine Frau loszudreschen. Und der Wirt schrie in seiner Herzensangst ›Thu uns doch nichts, wir wollen dir ja das Tischchen und Hämmelchen wiedergeben!‹ Da merkte denn der Arme, dass der Wirt ihm das Hämmelchen und Tischlein vertauscht hatte, und der Wirt musste geloben, dass er das Hämmelchen und Tischlein wieder herausgeben und hinfort nichts mehr vertauschen wolle, alsdann sprach der Arme ›Knüppel, in den Sack!‹ und der Knüppel sprang gleich wieder in den Sack. Der Arme schlief die Nacht in der Schenke, und am andern Morgen packte er das Hämmelchen und das Tischchen und den Sack mit dem Knüppel auf und trug sie heim. Zu Haus machte er bei seiner Frau und seinen Kindern wieder viel Rühmens, was er heimgebracht hätte. Aber seine Frau raisonnierte auf ihn los, und da schwieg er ganz still und sagte nichts dazu. Wie sie's ihm aber denn doch zu arg machte, da sprach er ›Knüppel aus dem Sack!‹ Und der Knüppel sprang heraus und prügelte auf das Weib los, was nur auf sie ging. Und als er sah, dass es der Knüppel doch zu toll machte, sprach er ›Knüppel, in den Sack!‹ und auf der Stelle sprang der Knüppel in den Sack zurück. Die Frau aber bat ihn jetzt, er solle sie doch nicht mehr so prügeln, sie wolle ihn auch künftig nicht mehr schelten. Drauf stellte er das Tischchen mitten in die Stube und sprach ›Tischlein, deck dich‹, und das Tischchen deckte sich, und alle Arten Getränke und Speisen standen darauf, und er und seine Frau und die Kinder assen sich alle satt und blieb keins hungrig. Dann stellte der Vater auch das Hämmelchen hin und sprach ›Böckchen, schüttle dich‹, und das Böckchen schüttelte sich, und es regnete Geld von ihm nieder. Danach aber kaufte sich der Vater einen Hof, und sie lebten noch lange Jahre herrlich und in Freuden, und allemal, wenn's wo einen Zank gab, trug er den Knüppel hin und liess ihn drauf losschlagen, bis Fried und Eintracht wieder hergestellt waren.


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