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Märchen - Karl Knortz: Irländische Märchen


Die drei Schwestern

Es war einmal eine alte Frau, die hatte drei Töchter und die älteste sagte eines Tages zu ihr: »Mutter, gib mir ein Stück Brod und laß mich fortziehen, um anderswo in der Welt mein Glück zu suchen.« Die Mutter versprach es ihr und fragte sie am nächsten Morgen, als sie reisefertig vor sie trat, ob sie nicht lieber das halbe Brod mit ihrem Segen, als das ganze mit ihrem Fluch haben wolle. »Fluch oder nicht,« erwiderte sie, »gib nur das Brod her, wie es ist, es ist doch klein genug!«

Die Mutter gab es ihr und ließ sie ohne Fluch, doch auch ohne Segen gehen. Als sie einen halben Tag auf der Reise war und sich an der Landstraße niedergesetzt hatte, um sich ein wenig auszuruhen, kam eine alte Frau zu ihr und bat sie um einen Mund voll Brod.

»Das ist Alles, was ich habe,« erwiderte sie, indem sie ihr das Stückchen zeigte, das sie in der Tasche hatte. Dann kehrte sie ihr den Rücken.

Am Abend kam sie in ein großes Bauernhaus und fragte um eine Schlafstelle nach.

»Die sollst du haben,« sagte die gute Hausfrau, »und noch einen Spaten voll Gold und eine Schaufel voll Silber dazu, wenn du bei meinem todten Sohne wachen willst, der im nächsten Zimmer liegt.«

Sie versprach es und setzte sich neben den Leichnam. Nach einer Weile stand der Todte auf und fragte sie: »Bist du allein, schönes Mädchen?«

Doch sie gab keine Antwort und nachdem er zum dritten Male vergebens gefragt hatte, gab er ihr einen Schlag mit einer Gerte, wonach sie in einen grauen Pflasterstein verwandelt wurde.

Nach einer Woche verließ ihre zweite Schwester ebenfalls das elterliche Haus und kümmerte sich nicht darum, ob sie den Fluch oder den Segen ihrer Mutter mitnahm. Sie kam in dasselbe Haus und war am nächsten Morgen ebenfalls ein grauer Pflasterstein.

Endlich ging auch die jüngste Schwester fort, aber nicht ohne den mütterlichen Segen. Auch theilte sie ihr Brod mit der armen Frau am Wege und bewachte in der nächsten Nacht den todten Jüngling. Sie setzte sich neben das Feuer, spielte mit dem Hunde und der Katze und aß die Aepfel und Nüsse, die ihr die gutmüthige Hausfrau gegeben hatte.

Während sie nun so den schönen Todten bewachte, stand dieser auf einmal auf und fragte: »Bist du allein, liebes Mädchen?«



»Ganz alleine bin ich nicht;

Hund und Katze sind bei mir;

Nüss' und Aepfel hab' ich hier

Und ich schenk' sie alle dir!«



erwiderte das unerschrockene Mädchen.

»Du bist ein Mädchen, das Muth hat, aber ich glaube, du würdest doch nicht mit mir gehen. Mein Weg führt erst durch einen bodenlosen Morast und dann durch einen brennenden Wald. Dann muß ich die Höhle des Schreckens durchwandern, darnach einen himmelhohen gläsernen Berg ersteigen und mich dann von der Spitze hinab in das todte Meer stürzen.«

»Ich gehe mit dir!« antwortete das Mädchen.

Darauf sprang er aus dem Fenster und das Mädchen ebenfalls. Als sie eine kurze Strecke gewandert waren, kamen sie an den bodenlosen Morast und der leichte Todte marschirte ruhig darüber. Währenddem sich nun das Mädchen besann, wie es ihm folgen könne, erschien plötzlich die alte Bettlerin in schönen Kleidern vor ihr und berührte ihre Füße mit einem Zauberstabe, wonach sie sich nach allen Seiten so weit ausdehnte, daß sie so bequem über den Morast gehen konnte.

Als Beide am Ende dieser traurigen Gegend waren, kamen sie an den ewig brennenden Wald und die gute Fee warf ihr schnell einen feuerfesten Mantel um, so daß ihr kein Haar versengt wurde.

Dann kamen sie in die Höhle des Schreckens, wo ihr sicherlich durch das furchtbare Geschrei der bösen Geister die Ohren zersprungen wären, wenn sie ihr die alte Frau nicht vorher verstopft hätte.

Darauf mußte sie den gläsernen Berg besteigen und das Mädchen erhielt vorher die nöthigen Schuhe dazu. Dort angekommen, sprach er: »Gehe nun heim zu meiner Mutter und sage ihr in meinem Namen Lebewohl!« Kaum hatte er das letzte Wort gesprochen, so sprang er hinunter in die Tiefe und das Mädchen sprang ihm besinnungslos nach. Als sie wieder zu sich kam, sah sie sich auf einer grünen Wiese an der Seite des Jünglings sitzen; aber sie war so müde, daß sie gleich einschlief, und als sie wieder erwacht war, befand sie sich im Hause der gastfreundlichen Wirthin, deren Sohn ihre Hand in der seinigen hielt.

Der junge Mann hätte nämlich früher eine Hexe heiraten sollen, aber da er dazu keine Lust hatte, so brachte ihn diese so weit in seine Gewalt, daß sie ihn in einem scheintodten Zustande hielt, aus dem er nicht eher befreit werden sollte, bis ein junges Mädchen für ihn die besagten schweren Aufgaben vollbracht hatte.

Auf Bitten des jungen Mädchens erhielten nun ihre Schwestern ihre frühere Gestalt wieder und wurden mit einem Spaten voll Gold und einer Schaufel voll Silber nach Hause geschickt; sie aber blieb bei dem jungen Manne und vermählte sich mit ihm.


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