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Märchen - Karl Knortz: Irländische Märchen


Goban Saor oder der kluge Baumeister

Der König von Münster wollte sich einst ein großes Schloß bauen lassen und sandte deswegen seinen Sohn an Goban Saor, der als geschickter Baumeister weit und breit bekannt war. Dieser versprach auch, die Arbeit zu übernehmen; da er jedoch sehr gut wußte, daß frühere irländische Fürsten ihre Arbeiter umbringen ließen, damit sie späterhin keinen zweiten ähnlichen Palast bauen könnten, so nahm er zur Vorsorge seinen Sohn mit und gab seiner Frau beim Abschiede die nöthigen Winke.

In der ersten Nacht, die sie auf der Reise zubrachten, schliefen sie in dem Hause eines reichen Bauern, der zwei junge, schöne Töchter hatte. Die älteste hatte schwarzes Haar und war sehr fleißig; die andere hatte blondes Haar und saß lieber ruhig am Feuer und ließ sich Geschichten erzählen.

»Wenn ich meine Jugend zurückwünsche,« sprach Goban zu ihnen, »so ist es nur, weil ich dann eine von euch heiraten würde. Da aber dies nicht möglich ist, so will ich euch wenigstens ein paar gute Lehren geben, die euch von großem Nutzen sein können. Habt stets den Kopf einer alten Frau in eurer Nähe und wärmt euch morgens mit eurer Arbeit und tragt, ehe ich wieder zu euch komme, die Haut eines frischgeschlachteten Schafes auf den Markt und bringt den Preis dafür nebst der Haut nach Hause.«

Am nächsten Morgen reisten sie weiter und kamen an den Hof des Königs von Münster. Augenblicklich ließ dieser alle Zimmerleute, Schreiner und Maurer seines ganzen Landes kommen und Goban erbaute mit ihnen ein stolzes Schloß.

Als dasselbe bis auf die Spitze des Thurmes fertig war, sagte ihm ein Arbeiter, er möge sich vorsehen, denn das Gerüste sei auf den Befehl des Königs so gebaut worden, daß es zusammenstürze, wenn es Jemand betrete. Darauf ging Goban zum Könige und sprach: »Das Schloß ist bis auf die Thurmspitze fertig, aber ohne ein besonderes Werkzeug, das ich leider zu Hause gelassen habe, ist es mir nicht möglich, dieselbe so fest zu machen, daß sie Wind und Wetter trotzen kann. Wenn du mich nun nicht selber hingehen lassen willst, so schicke deinen Sohn, denn meine Frau würde es keinem Andern anvertrauen!«

Da der König Goban nicht aus den Augen lassen wollte, so blieb ihm nichts Anderes übrig, als den jungen Prinzen mit zwei Begleitern abzuschicken. Nach einer Woche kehrten Letztere wieder zurück und sagten, der Prinz sei gesund und munter und habe Alles, was er sich wünschen könne, aber Goban's Frau wolle ihn nicht eher aus dem Hause lassen, bis ihr Mann zurückgekehrt sei.

Da war nun guter Rath theuer; aber dem König war der Prinz doch lieber als sein Palast und er ließ daher Goban nebst seinem Sohne unbelästigt abziehen.

Als diese auf der Heimreise waren, übernachteten sie wieder in dem bekannten Bauernhause. »Meine Tochter,« fragte Goban das blondhaarige Mädchen, »hast du nach meinem Rathe gehandelt?«

»Gewiß!« erwiderte sie, »und es ist mir schlecht genug bekommen. Ich ging auf den Kirchhof und holte mir den Schädel einer alten Frau und hing ihn an die Wand. Darüber ward ich nun von Jedermann dermaßen ausgelacht, daß ich ihn, um Ruhe zu haben, wieder wegnahm.«

»Und wie hast du dich morgens mit deiner Arbeit erwärmt?«

»Ich mußte Flachs spinnen und da es kalt war, warf ich einen Theil desselben in's Feuer, wofür ich von meiner Mutter eine tüchtige Tracht Prügel bekam!«

»Und wie ging's mit der Schafshaut?«

»Damit ging es mir noch schlechter. Als ich damit auf dem Markte stand und sie nur unter der Bedingung verkaufen wollte, daß ich sie nebst dem Preise dafür wieder nach Hause nehmen dürfe, ward ich ausgelacht und ein junger Taugenichts sagte, ich solle mit ihm in das nächste Wäldchen gehen, wo er mit mir schon Handels einig werde.«

»Und wie ist es dir, Ceann Dhu (Schwarzkopf) ergangen?«

»Nun, eine alte Frau saß stets an unserem Herde und wenn ich morgens fleißig arbeitete, war ich auch warm. Die Schafshaut trug ich auf den Markt und verkaufte nur die Wolle daran!«

»Herr und Frau des Hauses,« sprach Goban hocherfreut, »gebt meinem Sohne diese Tochter zur Frau, und wenn er sich jemals einfallen läßt, sie schief anzusehen, so schlage ich ihn lederweich!«

Am nächsten Tage ward die Hochzeit gefeiert und als der Prinz auf seinem Heimwege in dem Bauernhause einkehrte, fand er, daß noch mancher zarte Bissen für ihn übrig geblieben war.


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