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Märchen - Karl Knortz: Irländische Märchen


Die Milch der weißen Kühe

Vor vielen, vielen Jahren, als Irland noch so dicht mit Wald bewachsen war, daß man auf den Baumspitzen bequem von Kilmealshal bis zur Lady-Insel gehen konnte, lebte in Enniscorthy ein Ritter mit einem Sohne und drei verheirateten Töchtern. Diesem ward eines Tages durch den Thurmwärter angezeigt, daß sich eine große Anzahl schwerbewaffneter Fremder dem Schlosse nähere und allem Aussehen nach feindliche Absichten hegte. Gleich machten sich Alle kampfbereit und sobald die Wälschen oder Waldleute gelandet waren, begann die Schlacht. Diese dauerte mit wechselndem Glücke bis zum Abend; alsdann fragte der Führer der Fremden an, ob sie sie nicht lieber am nächsten Tage fortsetzen und die Nacht über ruhen sollten. Damit war denn auch der Fürst von Enniscorthy zufrieden, doch als er sich mit seinen Leuten in das Schloß zurückziehen wollte, wurden diese auf einmal von einem furchtbaren Pfeilregen überrascht. Zum großen Glücke wurden nur Wenige getroffen, und diese dem Anscheine nach nicht einmal tödtlich; bald aber brannten ihre Wunden so sehr, daß sie nicht mehr weiter konnten. Der nächste Pfeilregen tödtete die drei Schwiegersöhne des Fürsten auf der Stelle und die Uebrigen suchten die Verwundeten so schnell wie möglich nach dem Schlosse zu schaffen.

Die älteste Tochter des Fürsten hatte sich ebenfalls auf den Kampfplatz gewagt und ihren Gemahl, nachdem er gefallen war, in das Haus getragen. Als sie ihm nun den Pfeil aus der Wunde zog, verletzte sie sich den Finger damit und klagte kurz darauf über unbeschreibliche Schmerzen. Niemand wußte Rath und wie sie sich so Alle mit fragenden Blicken ansahen, kamen, ohne daß man bemerkt hatte, woher, zwei Ritter, ein alter und ein junger, und ein Druide in das Schloß. Als der junge Ritter die sterbende Prinzessin erblickte, nahm er ihren verwundeten Finger in den Mund und begann daran zu saugen. Inzwischen ließ sich der Druide ein großes Gefäß bringen und füllte es mit Wasser aus dem Slaney-Flusse und dann bat er die Umstehenden, alle weißen Kühe zu melken und die Milch hereinzubringen.

Nachdem dies geschehen war, wusch er die Verwundeten, die noch am Leben waren, damit, worauf sie gleich genasen. Auch die Prinzessin wurde in dieser Weise gerettet. Darnach wurde den Fremden zu Ehren ein großes Essen veranstaltet und als dies vorbei war, erzählte der alte Ritter, daß auch er früher mit seilten Leuten in Irland gewohnt habe, dann aber durch Seeräuber nach Griechenland geführt worden sei. Seine Tochter sei mit ihm gezogen, von den Fremden jedoch sehr schlecht behandelt worden. Vor Kurzem habe er sich nun ein Schiff verschafft und sei wieder nach seiner Heimat gefahren; doch wolle er hier nicht bleiben, sondern mit den wenigen seiner Leute nach Schottland gehen.

Am nächsten Morgen fand die Fortsetzung der Schlacht statt, aber die Wälschen wurden mit großem Verluste zurückgeschlagen und mußten abziehen, ohne ihren Zweck erreicht zu haben.

Der junge Ritter heiratete darnach die verwittwete Prinzessin und zwei seiner Waffengenossen die beiden andern Wittwen. Darnach zogen sie nach Schottland und man glaubt, daß das gute Einvernehmen, welches zwischen den Irländern und den schottischen Hochlandbewohnern bis auf den heutigen Tag besteht, in jener Begebenheit seinen Grund hat.


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