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Märchen - Theodor Vernaleken: Kinder- und Hausmärchen dem Volke treu nacherzählt


Der verfluchte Garten

Es lebte einst ein König, der drei Söhne hatte, von denen der jüngste, der Ludwig hieß, schöner war als die anderen, weshalb ihn auch seine beiden Brüder nicht leiden konnten. Als eines Tages früh der älteste Sohn in das Zimmer des kranken Vaters trat, um sich nach dem Befinden desselben zu erkundigen, erzählte ihm dieser: »Mir ist im Traume eine weiße Gestalt erschienen, die sagte, daß ich nicht eher gesund werden könne, bis ich eine Frucht aus dem verfluchten Garten gegessen habe.« Der Sohn erbot sich ihm die Frucht zu holen. Doch der Vater fürchtete, daß ihm Übles zustoßen möge, und wollte davon nichts wissen. Nach langem Bitten willigte er jedoch ein und gab ihm zu diesem Zwecke ein schönes Pferd und sehr viel Geld auf die Reise mit.

Der Sohn war noch nicht weit gereist, als er in einem Gasthause einkehrte, in dem man gerade Karten spielte. Er gesellte sich zu den Spielern, verspielte jedoch nach und nach fast alles Geld. Als er des andern Tages die Reise fortsetzen wollte, rieth ihm der Wirt bis zum Abend noch zu verweilen, um nochmals sein Glück zu versuchen. Doch auch diesen Abend war ihm das Glück nicht hold, und er verlor nun alles, so daß er selbst den Wirt nicht bezahlen konnte, der ihn daher in den Kerker werfen ließ.

Dort saß er nun und sein Vater wartete vergebens. Da erbot sich der jüngere, eine Frucht aus dem verfluchten Garten zu holen. Nach langem Sträuben ließ ihn der König ziehen. Er kam zu demselben Wirte, und dasselbe Schicksal wartete hier seiner.

Da nun auch dieser nicht zurückkam, so war der König höchst betrübt und besorgt um seine beiden Söhne. Als Ludwig, der jüngste Sohn des Königs dieß bemerkte, fragte er den Vater um die Ursache seines Kummers. Dieser erzählte ihm nun seinen Traum und sagte ihm auch den Grund, warum seine beiden älteren Söhne fortgereist seien. Ludwig bat jetzt auch seinen Vater, ihn fortziehen zu lassen, um die Frucht zu holen und zugleich seine Brüder aufzusuchen. Doch erst nach langem Bitten und nachdem er seinem Vater versprochen hatte, über ein Jahr wieder zurückzukommen, entließ er ihn, mit vielem Golde versehen.

Ludwig kam nicht in das Gasthaus, wo seine Brüder ihr Geld verspielt hatten, sondern verirrte sich und kam in einen großen Wald und erst nach langem Herumirren auf einen freien Platz zu der Hütte eines Einsiedlers. Er ging in die Hütte und bat den Einsiedler, ihm den Weg zum verfluchten Garten zu zeigen. Dieser gab ihm einen rothen Ball mit dem Bemerken, daß dieser, wenn er ihn vor sich hinschleudere, ihm den Weg zeigen werde. Und er fügte hinzu: »Während deiner Reise wirst du zuerst zu einem schwarzen Hunde kommen, bei dem du drei Nächte schlafen mußt. Dann wirst du zu einem rothen Hunde kommen und dann zu einer weißen Jungfrau. Bevor du den Berg erreichst, auf dessen Gipfel der verfluchte Garten sich befindet, wirst du einen Feigenbaum finden, an den du dein Pferd anbindest; sobald du selbst nach eilf Uhr Mittags den Berg erstiegen hast, um dich dort einiger Früchte zu bemächtigen, wirst du trachten, vor der zwölften Stunde den Garten zu verlassen.« Der Prinz befolgte alles, wie ihm der Einsiedler befohlen. Als er die Früchte von dem Baume des verfluchten Gartens genommen hatte, betrat er auch, da es erst halb zwölf Uhr war, das Schloß, das in der Mitte des Gartens stand. Dort fand er zu seinem Erstaunen die Besitzerin des Schlosses in einem reichverzierten Bette schlafend. Er schrieb auf einen Zettel seinen Namen und Wohnort und legte denselben auf den in der Ecke stehenden Tisch. Darauf entfernte er sich eilends, denn es war schon hohe Zeit. Schon am Fuße des Berges kamen ihm reißende Thiere nach. Doch er erreichte bald den Feigenbaum, und so war er gerettet, da die Thiere von diesem Platze an keine Macht mehr hatten. Auf seinem Rückwege kam er wieder zur weißen Jungfrau. Diese bat ihn, eine Beere von einer Weintraube in vier Theile zu theilen und jeden solchen Theil an eine Ecke ihrer Wohnung zu werfen. Kaum hatte er dieses gethan, so fing es heftig an zu donnern und zu blitzen, und an der Stelle der kleinen Wohnung war ein prächtiger Palast. Vor den Thoren desselben stand der Besitzer und seine Gemahlin, welche sich für ihre Erlösung bei ihm bedankten. Die Gemahlin war eben die weiße Jungfrau, die hier verzaubert gewesen war. Darauf reiste er wieder fort und kam zum rothen Hunde, bei welchem er es mit einer Birne eben so machte, und welcher dadurch in einen schönen Prinzen verwandelt wurde. Dasselbe fand auch bei dem schwarzen Hunde statt. Endlich langte er beim Einsiedler an. Hier zerschnitt er auf dessen Befehl eine Kirsche in vier Theile, warf an jede Ecke seiner Hütte einen solchen Theil, und nach einem starken Knalle stand wieder ein schöner Palast an der Stelle der Hütte. Auch der Einsiedler war nur verzaubert und stand jetzt als König da, umgeben von einer Menge von Soldaten, dankte dem Prinzen für seine Erlösung und gab ihm den Rath mit, sich während der Reise zu seinem Vater kein Galgenfleisch zu kaufen, das heißt, keinem zum Tode Verurtheilten durch Geld loszukaufen. Er dankte dem Einsiedler und wanderte fort. Es traf sich jedoch, daß der Prinz eben an dem Tage in die Stadt kam, wo seine Brüder erhängt werden sollten, und als er erfuhr, daß dieselben darum ihr Leben verlieren sollten, weil sie den Wirt nicht zahlen konnten, so bezahlte er die Schuld dem Wirte, und beide wurden frei. Mit seinen zwei befreiten Brüdern setzte er nun die Reise fort und erzählte ihnen, daß er vom verfluchten Garten eine Frucht geholt habe. Da stieg in ihnen ein böser Gedanke auf, sie beschlossen, sich dieser Frucht zu bemächtigen. Zu diesem Zwecke kauften sie eine ähnliche Frucht und vergifteten diese, und während der Nacht vertauschten sie dieselbe mit der vom verfluchten Garten.

Sie reisten nun weiter und mußten unterwegs, um sich zurecht zu finden, einen hohen Berg ersteigen. Auf dem Gipfel desselben schaute der jüngere Prinz in das Thal hinab. Als der ältere dieß sah, gab er ihm einen solchen Stoß, daß er in's Thal hinabstürzte, wo er sammt seinem Pferde tot liegen blieb. So fand ihn der Einsiedler, der auch in diese Gegend gekommen war, um zu jagen. Dieser ahnete sogleich, was vorgefallen, nahm ein Fläschchen, in welchem sich eine Flüssigkeit befand, setzte sie an des Prinzen Mund, und dieser ward wieder lebendig und dankte ihm für seine Errettung. Eben so machte er es mit dem Pferde, an welchem sich auch bald dieselbe Wirkung zeigte. Nun entdeckte ihm der Einsiedler, daß seine beiden Brüder ihm die Frucht verwechselt hätten und mit der echten Frucht zu ihrem Vater zurückgekehrt seien. Er rieth ihm aber, dennoch zu seinem Vater zurückzukehren. Wenn ihm auch Böses geschehen sollte, so möge er es geduldig ertragen, indem schon eine bessere Zeit für ihn kommen werde. In seiner Heimat angelangt, wurde der Prinz von allen kalt empfangen, seine Frucht wurde einem Hunde vorgeworfen, und als dieser in Folge des Genusses der giftigen Frucht verendete, so gab der König einem Diener den Befehl, Ludwig während der am nächsten Tage stattfindenden Jagd zu erschießen. Dieser Diener entdeckte ihm jedoch den Plan des Königs und Ludwig ward in Sicherheit gebracht. Damit war aber die Geschichte nicht aus. Denn bald darauf erschien vor den Thoren der Residenzstadt des Königs die Besitzerin des verfluchten Gartens, der er seinen Namen zurückgelassen hatte. Sie war umgeben von einem großen Heere und sandte Boten zum König, um den Prinzen zu sich bitten zu lassen, der die Frucht vom verfluchten Garten geholt habe. Der König schickte zuerst den ältesten Sohn hinaus und dann den jüngeren; doch beide wurden zu ihrem Vater zurückgeschickt, da sie den verfluchten Garten nicht beschreiben konnten. Die Besitzerin des verfluchten Gartens schickte nun Herolde in die Stadt, welche verkündeten, wenn binnen drei Tagen derjenige Prinz nicht ausgeliefert werde, der die Frucht geholt habe, so sollte die Stadt belagert werden. Da entdeckte der Diener, welcher den Auftrag gehabt hatte, Ludwigen auf der Jagd zu ermorden, daß er ihn habe leben lassen. Darüber war der König sehr erfreut und ließ ihn überall suchen. Sie fanden ihn und brachten ihn zum König. Als nun Ludwig zur Besitzerin des verfluchten Gartens kam und den Garten genau beschrieb, wurde er mit Jubel von dem ganzen Heere begrüßt, und die Prinzessin erkor ihn zum Gemahle.


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