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Märchen - August Leskien und K. Brugman: Litauische Volkslieder und Märchen


Vom armen Mann, der seinen Sohn, noch eh er zur Welt kam, dem Teufel verschrieb

Es war einmal ein Mann, der war gar arm, und wie er einst in den Wald fuhr Holz zu holen, da verirrte er sich. Er fing an zu fluchen und sagte ›Wenn nur der Teufel käme und mich aus dem Wald herausbrächte!‹ Da erschien auch ein Teufel, der fragte ihn ›Was begehrst du, Mensch? Hast du dich verirrt?‹ ›Ja‹, sagte er. Drauf sprach der Teufel ›Versprich mir, was du zu Haus nicht zurückgelassen hast, dann werd ich dich aus dem Wald herausführen.‹ Da wollte der Mann erst wissen, was das wäre, und fragte ›Was ich zu Haus nicht zurückgelassen habe, ist das was von Hund oder Katze oder von sonst einem Thier?‹ Aber der Teufel wollt es ihm nicht sagen, sondern sprach nur immer ›Versprich mir, was du zu Haus nicht zurückgelassen hast!‹ Da sagt' es ihm der Mann denn zu, und der Teufel sprach ›So schneid dir ein bischen in den kleinen Finger und verschreib mir's mit deinem Blut, dann werd ich dich aus dem Wald herausführen.‹ Der Mensch machte einen Schnitt in den Finger, schrieb die Verschreibung, die steckte der Teufel unter seinen Hut, und er führte ihn dann aus dem Wald heraus. Wie der Mann mit seinem Gefährt zu Haus ankam, fand er ein Söhnlein vor, das ihm unter der Zeit geboren worden war, und er war ganz verzweifelt darüber, dass er sein Söhnlein an den Teufel verkauft hatte. Das Kind wuchs schnell heran, und als es acht Jahre alt war, schickt' er es in die Stadt in die Schule. Aber jedesmal wenn der Junge nach Haus gefahren kam, fragt' er den Vater ›Warum bist du nur immer so sehr traurig, Vater, wenn ich aus der Schule heimkomme?‹ Aber der Vater sagt' es ihm nicht. Der Junge wurde Geistlicher und wurde zum Priester geweiht, und auch jetzt sagte ihm der Vater nicht, weshalb er so traurig wäre.

Aber eines Tags, wie der Sohn wieder fragte und darauf bestand, dass ers sage, was ihn so traurig mache, da sprach er ›Wie sollt ich nicht traurig sein, da ich dich, noch ehe du geboren warst, an einen Teufel verkauft habe?‹ Der Sohn fragte ›Auf was für Art und Weise hast du mich dem Teufel verkauft, lieber Vater?‹ ›Ich war einmal‹, antwortete der Vater, ›im Wald, und da verirrte ich mich darin. Da sagt' ich »Wenn nur der Teufel käme und mich nur aus dem Holz herausbrächte!« und da kam auch ein Teufel und wollte zum Lohn das verschrieben haben, was ich zu Haus nicht zurückgelassen hätte; er befahl mir, ich sollte mir in den kleinen Finger schneiden und mit Blut schreiben; das that ich und gab ihm die Verschreibung.‹ Da sagte der Sohn ›Das hat nichts auf sich, ich will schon meine Verschreibung aus der Hölle wiederholen!‹ Und der Priester ging in die Kirche, nahm Stola, Sprengwedel, Weihwasser und eine geweihte Kerze und machte sich auf den Weg nach der Hölle. Er kam durch den Wald, in dem sein Vater sich verirrt hatte, und wie er tief tief darin war, ward es Abend, und er kam den Tag nicht mehr heraus. Da fand er mitten im Wald eine kleine Hütte, in die ging er hinein, und es war niemand darin als ein altes Mütterchen. Er bat das Mütterchen um ein Nachtlager, es antwortete aber ›Ich kann dich nicht zur Nacht behalten, mein Lieber. Meine zwölf Söhne kommen bald nach Haus, die sind alle Räuber und der eine, der Dimijan1, ist ihr Hauptmann; die werden dich umbringen.‹ Aber der Priester liess von seiner Bitte nicht ab, und er sagte ›Wenn sie mich auch umbringen, so hat das nichts auf sich, man muss ja doch einmal sterben!‹ Da versteckte ihn denn die Alte hinter dem Ofen. Nachts aber um zwölf kamen die zwölf Räuber heim, und da sagte der Hauptmann gleich beim Eintreten ›Hier riecht's nach Menschenfleisch!‹ Aber die Alte sprach ›Mein Junge, du hast vielleicht einen Menschen umgebracht und hast davon Blut an den Händen und Kleidern, und das riechst du.‹ ›Nein, heut hab ich niemand todt geschlagen‹, antwortete der Räuber, kroch schnuppernd hintern Ofen, und da fand er den Priester und zog ihn hervor. Ohne weiteres nahm dann der Räuber einen Knüttel und wollte ihm den Schädel einschlagen. Aber der Priester bat um sein Leben, und da warf auch der Räuber den Knüttel wieder weg und fragte ihn ›Wohin geht deine Reise?‹ Er antwortete ›Ich gehe nach der Hölle, mir meine Verschreibung wieder zu holen; mein Vater hat mich, noch eh ich zur Welt gekommen war, an einen Teufel verkauft.‹ Da sagte der Räuber ›Ei, das ist schön, dass du nach der Hölle gehst; da frag doch auch nach, wie ichs nach meinem Tod finden werde.‹ Und sie gaben ihm Abendbrod und Nachtlager und am andern Morgen auch noch Frühstück, und dann schärfte ihm der Räuberhauptmann noch einmal ein, er solle nur nicht in der Hölle nachzufragen vergessen, und wenn er wieder zurückkäme, solle er wieder vorkommen und Antwort bringen. Der Priester ging fort und kam zur Hölle. Er fand eine Thür, die machte er auf, und er kam in eine Stube, aber in der Stube war niemand; er ging in die nächste Stube, da fand er wieder niemanden; in der dritten Stube aber fand er etliche Teufel, die besprengte er mit Weihwasser, und da liefen sie gleich davon. Er ging nun noch tiefer in die Hölle hinein, und da fand er eine ganze Masse Teufel. Wie er nun wieder zu sprengen anfing, schrien die Teufel ›Verbrüh uns die Augen nicht! verbrüh uns die Augen nicht!‹ Er sagte ›Gebt mir meine Verschreibung heraus, dann thu ich euch nichts!‹ Aber der Teufel, der die Verschreibung hatte, gab sie nicht heraus. Da rief Lucifer ›Werft den, der die Verschreibung hat, auf Dimijans Bett!‹ Das Bett aber steckte voll Rasiermesser und andrer Klingen, und zwischendurch loderte Feuer. Und der Priester fragte ›Was ist das für ein Dimijan, für den das Bett ist?‹ Aber die Teufel wollten's ihm nicht sagen, und da fing er wieder mit dem Weihwedel zu sprengen an, und wieder schrien die Teufel ›Verbrüh uns die Augen nicht!‹ ›Sagt mir, wer der Dimijan ist, dann hör ich auf!‹ Da kamen die Teufel alle herbei und erzählten ihm, dass in einem Wald zwölf Räuber hausten, ihr Hauptmann heisse Dimijan, und für den sei nach seinem Tod dieses Bett bestimmt. Und jetzt holte denn auch der Teufel, der die Verschreibung hatte, quiekend das Papier unter seinem Hut hervor und warf es dem Priester vor die Füsse. Und der Priester hob es auf und kehrte nach Haus zurück. Unterwegs sprach er wieder bei dem Räuber ein. Der fragte ›Auf was für Art und Weise bist du zur Verschreibung gekommen?‹ Und der Priester antwortete ›Wie ich den Teufeln mit dem Weihwasser die Augen zu verbrühen anfing, schrien sie »Verbrüh uns die Augen nicht!« Nachher rief Lucifer »Werft den, der das Papier hat, auf Dimijans Bett!« und da schmiss mir ein Teufel die Verschreibung vor die Füsse hin.‹ Da fragte der Räuber ›Ei je, wie sieht denn das Bett aus?‹ und als ihm der Priester sagte ›Das Bett ist voll Rasierklingen und andrer Messer, und zwischendurch lodern Flammen‹, da erschrak der Räuber, und er sagte ›Kannst du mir nicht eine Kirchenbusse auflegen?‹ ›Ja: lass uns in den Wald gehn, und nimm deinen Knüttel von Apfelbaumholz mit!‹ Und sie gingen tief in den Wald hinein nach einer kleinen Anhöhe, in deren Nähe ein Weg war. Der Priester nahm den Knüttel, grub ihn mit dem dickern Ende in die Erde und sprach zu dem Räuber ›Trag nun mit dem Mund Wasser herzu, und so lang um den Knüttel eine Pfütze ist, bete, wenn sie aber vertrocknet ist, dann trag immer von frischem Wasser hinzu!‹ Damit ging der Geistliche, der Räuber aber bat ihn noch, ihn nicht zu vergessen.

Wie nun der Priester nach Haus kam, zeigte er dem Vater die Verschreibung, und der freute sich, dass der Sohn nun sein war. Nach einiger Zeit ward der Sohn Pfarrer2 und weiter nach einer Reihe von Jahren Bischof. Er war nun mehrere Jahre Bischof gewesen und der Räuber war ihm schon ganz aus dem Sinn gekommen, da fuhr er einstmals durch den Wald, und da duftete es ihm auf einmal wie Äpfel. Es war aber Winter, und er wusste doch, dass im Winter nirgends Äpfel wachsen. ›Hier müssen irgendwo Äpfel sein, es riecht stark danach‹, sagte er zu seinem Kutscher und schickte ihn hin, er solle einmal zusehn und von den Äpfeln herbeibringen. Der Kutscher ging hin und fand auch einen Baum mit Äpfeln, aber er konnte keine abpflücken. Er rief den Bischof selbst herbei, und wie der nach der Stelle kam, fand er da ein altes Männchen mit ergrautem Haar, das kniete am Baum. Er fragte das Männchen ›Was kniest du hier?‹ Und das antwortete ›Ich bin Räuber gewesen; um meine Übelthaten abzubüssen wurde ich von einem Priester an diesen Ort gebracht, aber er muss wol schon gestorben sein, weil er nicht herkommt mich frei zu sprechen.‹ Da erinnerte sich der Bischof, dass er der Priester war. Der Räuber aber fing jetzt an zu beichten und jedesmal, wenn er eine Sünde bekannte, fiel im selben Augenblick ein Apfel zur Erde, und es fielen alle Äpfel ab bis auf zwei in der Spitze des Baums. Da fragte ihn der Bischof, denn er sah, dass er noch zwei Sünden auf sich hätte: ›Hast du nicht deinen Vater erschlagen?‹ ›Ja‹, antwortete der Räuber. Darauf sprach der Bischof ›Nun bekenne noch die letzte.‹ Der Räuber sagte ›Ich besinne mich auf keine mehr.‹ ›Hast du nicht einmal einen Bischof umgebracht?‹ fragte der Bischof. Jetzt besann er sich und sagte ›Ja.‹ Indem fiel auch der Apfelbaum um. Das alte Männchen aber verwandelte sich in Rauch und verschwand und wurde selig.

Fußnoten

1 Lit. Dìmijonas, d.i. russ. Dem'ján.



2 klérikas, das ich mit Priester übersetzt habe, ist ein Priester der ersten Weihe, Pfarrer ist lit. kùnigas.


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