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Gedicht - Carl Immermann


Räubers Hochzeit

Der Räuber hält vor dem Schlosse bei Nacht:
`Wohlauf meine Brüder, nun sey es vollbracht!`
Da knallen die Büchsen, da schüttert das Schloß,
Laut heulen die Hunde, hinein stürzt der Troß.

Die Thüren zertrümmern, die Fenster hell klirr`n,
Weh! heulen die Mägde, die Diener wild irr`n,
Der Graf stürzt entsetzt zu der Hinterthür `naus,
Durch Hallen und Säle toset der Graus.

Wie Bienengeschwader, wie Heuschreckenschwarm!
Was ihr Auge erblicket, das greifet ihr Arm.
Der Hauptmann alleine durch Stiege und Gang!
Ein klägliches Seufzen zum Ohre ihm drang.

Und hinein zu der Thür, zum Gemache hinein!
Der Hauptmann blickt starr, wie verwandelt zu Stein,
Ein Mägdlein zitternd vom seidenen Pfühl,
Den Hauptmann ergreifet ein menschlich Gefühl.

Sie decket, verschämt und zur Seite gewandt,
Die weiße unschuldige Brust mit der Hand.
`Hier hast dulden Mantel, und hülle dich drin!`
Er reicht ihr den Mantel und schauet nicht hin.

Er wühlt in den Haaren, und greift an die Stirn,
Sein Herz ist verwandelt ihm schwanket das Hirn.
`Erbarme dich meiner, du Geißel der Zeit!`
Erbarme dich meiner, du liebliche Maid!

`Weh mir! Was willst du? Was willst du von mir?`
Dein Herzchen, das will ich, das will ich von dir!
O werde mein Bräutchen, o werde mein Lieb!
O folge, du Unschuld, dem Sünder, dem Dieb!

`Hilf Himmel! Wie folg` ich als Liebchen dir nach,
Da Vater bereits mich dem Junker versprach?`
Der Junker schwört Eide und bricht sie zum Scherz,
In Ewigkeit treu bleibt dir Räubers Herz!

`Hilf Himmel! Wie darf ich vom Vater wohl ziehn?
Die Tochter, wie darf sie dem Vater entflehn?`
Dein Vater verkauft dich für Geld und für Gut,
Der Räuber erkauft dich mit all seinem Blut,

`Hilf Himmel! Wie soll ich dich lieben, o Mann,
Du hast so viel Böses auf Erden gethan!`
Ein Gärtner will ich ja werden, und will
Der Pflanzen warten, fromm, fleißig und still.

Ich bitte, ich fleh`, nun beschwöre ich dich,
Du rette für Zeit und für Ewigkeit mich!
`O Jesu, mein Heiland, erbarme dich mein!
Es kann, und es darf, und es soll ja nicht seyn!`

So kommt denn, ihr Schergen, und führet mich fort!
Mein Leben fand ich an diesem Ort;
Mein süßes Leben will folgen mir nicht,
So brecht wir den Leib auf dem Hochgericht!

Da siegt es in ihr, wie die Flamm` in dem Rauch,
Sie schaut seine Thränen im düsteren Aug`,
Zwei große Thränen im Auge ihm stehn,
Sie neigt sich, es ist um ihr Herze geschehn.

Des Räubers Lippe, gewöhnet an Spott,
Jauchzt, jubelt und stammelt gerühret zu Gott,
Er küßt sie und trägt sie aus Vaters Schloß,
Und hebt sie auf sein windflüchtiges Roß.

Sie reiten und reiten in den Morgen hinein,
Durch`s Dorf, über Feld, durch die Wies in den Hain,
Auf Wegen und Stegen die Niemand gekannt,
Und tiefer und tiefer und tiefer in`s Land.

Die Rotte zerstreut sich, sucht, den sie vermißt:
`Wer sagt, wo der Hauptmann geblieben wohl ist?`
Der Graf kehrt` Morgens zur brennenden Burg,
Und sucht nach der Tochter die Trümmern hindurch.

Der Räuber, die Grafentochter, die Beid`
Verschwunden sind sie für alle Zeit.
Fern über dem Meere, nach wechselndem Jahr
Ein Pilger bei einem Gärtner einst war.

Der Gärtner grub emsig im Garten und sang,
Die Gärtnerin reichte ihm freundlich den Trank;
Sie pflegten des Pilgers, sie gaben`s ihm gern,
Sie lobten tagtäglich die Gnade des Herrn.


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