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Gedicht - Karl Lappe


Der Unerschütterte

(Nach Kellgren)

O spare, Sterblicher, die Thränen!
Schleuß tief in deine Brust die Qual!
Wirf hin der Hoffnung mattes Sehnen!
Was frommt sie deiner Klagen Zahl?
Mit Thränen, die zur Erde rinnen,
Willst du der Mutter Herz gewinnen? —
Kalt ist ihr Busen, taub ihr Ohr.
Der Seufzer, der vom Herzen ringet,
Wähnst du, daß er zum Himmel bringet?
Der Sturm verweht ihn, blöder Thor!

Hast du der Erde Loos vergessen?
Wirf deine Blicke weit und breit,
Dann tritt hervor und sprich vermessen:
«Mir ward ein Recht auf Seligkeit!« —
Was lebt und webt auf unserm Balle,
Trinkt seinen Tropfen von der Galle,
Die in des Lebens Becher gährt.
Bis du ein schlagend Herz gefunden,
Das nimmer troff von blut`gen Wunden,
Sei jedes Murren dir verwehrt.

Der Tiger knirscht in seine Ketten;
Er kennt das Maaß der Kräfte nicht.
Er hofft durch Toben sich zu retten,
Bis er den Zahn am Eisen bricht.
Doch du, ein Mann von Geist und Herzen,
Sei still und trage deine Schmerzen!
Und wisse, deines Duldens Frucht
Wird jener Gleichmuth hoher Seelen,
Den in des Klagens eitlem Quälen
Die Weichlichkeit vergebens sucht.

Noch schlagen Herzen unerschüttert,
Unabgespannt im Drang der Qual,
Die höher schwellen, wann erbittert
Sich wilder hebt der Plagen Zahl.
Der Weise dort hört ohne Grausen
Des Unglücks Wellen um ihn brausen,
Und tritt entgegen, wo es droht.
Er wird das Schicksal nicht beschweren,
Die Fluthen von ihm abzuwehren;
Er hat sich selbst: kein Gott ist Roth.

So jener Sichbaum, der zum Himmel
Die nachbarlichen Wipfel streckt.
Er steht, wnbraust vom Sturmgetümmel,
Von seinem Toben ungeschreckt.
Je mehr die Windsbraut ihn bestreitet,
Je fester greift er, und verbreitet
Die Wurzeln tiefer durch den Grund;
Wann sich die Tanne sklavisch bücket,
Bis sie ein Stoß darnieder knicket,
Zersplittert in des Abhangs Schlund.

Ob auf ihn ein das Schicksal stürmet,
Das bricht nicht eines Mannes Sinn.
Ob sich die Fluch der Hölle thürmet;
Er schreitet seine Bahn dahin.
Ob Neid und Scheelsucht um ihn eifert,
Ob Leumund alle Gifte geifert:
Ihm ist die Tugend Schanz` und Wall.
Wenn selbst des Himmels Festen splittern,
Wird er, getrost und ohne Zittern,
Begraben in der Trümmer Fall.

Was blöde Menschen Ehre nennen,
Das ist für ihn ein Flitterscherz.
Nach diesem Lohne sollt` er rennen?
Ihm lohnt sein Geist, ihm lohnt sein Herz.
Er muß für sich zu denken wagen,
Doch deuten selbst des Lebens Plagen
Ihm einer weisen Güte Spur.
Zwar Leben, das der Tod verheeret,
Das wenig kurze Stunden währet,
Das liebt er nicht, und trägt es nur.

Seht hier des echten Helden Stempel:
«Von Furcht und Wahn und Lüsten frei!«
Seht hier die Tugend, werth der Tempel,
Nicht des Erob`rers Raserei.
Wann der auf wilder Ehrsucht Flügeln
Nicht mächtig ist, sein Herz zu zügeln,
Und der Begierde Sklave rennt;
Weiß dieser auf der Tugend Bahnen
Zu schönern Thaten sich zu mahnen,
Wenn gleich kein Mund sie feiernd nennt.

Drohn dem geliebten Vaterlande
Die Ketten der Tyrannenwuth;
Er glüht von seines Volkes Schande,
Er zollt der Freiheit Gut und Blut.
Doch wenn sein Muth vergebens ringet,
Wenn Knechtschaft schon die Fesseln schlinget,
Und keine Kühnheit retten kann:
Wie, soll auch er sich sklavisch schmiegen?
Nein! Cato`s Beispiel lehrt ihn siegen:
Frei sterben kann ein freier Mann.


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