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Gedicht - Gustav Pfizer


Italien

Der Arzt begann: „Ich kenn auch einen Mann,
Der bittre Wahrheit wohl ertragen kann;
Ihr werdet nicht oh meinem Wort erbleichen:
Den nahen Tod verkünden sichre Zeichen.`

Da hob der Kranke von dem Lager sich
Und seine Wangen glühten jugendlich:
„Nicht hier, wo schon die Blätter sich verfärben,
Im blühenden Italien will ich sterben!

Ihr habt mich mit der Kunde nicht erschreckt,
Ein lang ersehntes Glück mir aufgedeckt.
Drum muss ich euch von ganzer Seele danken,
Dass ihr mir nicht verbargt des Leidens Schranken.

An meine Heimath band mich meine Pflicht,
Ich sah das Land, das wunderreiche nicht;
Diess Hoffen ist an meine lezten Stunden,
Ein Rosenstrauch um meinen Sarg, gebunden.

Leb` wohl, mein kaltes, trübes Vaterland!
Ich sehne mich nach heiss`rem Sonnenbrand;
Ich will vor Menschen auch mein Leid nicht klagen,
Will es dem Meer, dem blauen Himmel sagen.

Dort, wo die Sprache, der ich stets gelauscht,
Mich wie ein Meer von Harmonie umrauscht:
Wo fremde Sitten, seltsame Gewande
In mir erneu`n den Traum vom Feenlande;

Wo im Gemache nicht die Wange bleicht,
Wo der Bewohner sorgenlos und leicht
Heraustritt aus der Häuser dumpfer Schwüle,
Und Kinder ruh`n in der Orangen Kühle.

Dort, wo die Kunst mit wunderbarem Licht,
Wie Gottes Strahl, aus Tempelwänden bricht:
Wo bei der stillen Woche Todesklagen
In Lust und Wehmuth will das Herz verzagen:

Dort ist schon halb gelöst des Lebens Band;
Im schönen träumt man von noch schön`rem Land,
Wie werden sie im Norden mich beneiden,
Dess Sarg im Winter Blumen noch umkleiden.

O eilet! eilt! die lezte Stunde droht!
Vom Archipel hebt sich das Morgenroth!
Der Mutter Schooss gebar mich hier zu Schmerzen,
Dort trag` ich schon den Himmel unterm Herzen!`


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