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Gedicht - Heinrich Beitzke


Der betrogene Geist

Der alte Komthur ließ nimmer ab,
Er stieg um Mitternacht aus dem Grab.

Er ging zum Schloß hinauf die Stieg`n,
Ließ Saal und Zimmer hinter sich lieg`n,

Und in dem äußersten Flügel verschwand
Er plötzlich an der Mauer Rand. —

Der alte Jäger schaut`s und spricht:
Der Geiz läßt ihn ruhen im Grabe nicht.

Er hat sein Geld versteckt im Haus`,
Es zu zählen treibt ihn die Gier hinaus.

Ich hab` ihm gedienet so manches Jahr,
Er schenkte mir nicht eines Hellers baar.

Meine Kinder waren in Noth und Pein,
Er erbarmte sich nimmer des Jammers mein. —

Und als es kam gegen Mitternacht,
Da hält der Jäger am Thore Wacht.

Er hat sich umhüllt mit dem Leichentuch,
Das des jüngsten Todten Sarg umschlug.

Nicht lange darauf, als es zwölfe schallt,
Da kommt der Geist heran gewall`t.

Der alte Komthur mit dumpfem Ton:
Nun Görg, auch Du liegst begraben schon?

Ich war Euch im Leben ein treuer Knecht
Und dien` Euch im Tode nach Pflicht und Recht. —

Sie giengen hinauf in den großen Saal,
Da ward ein schrecklich Getöse zu mal.

Der Geist stürzt Schränk` und Tisch` und Stühl`,
Der Kronleuchter prasselnd zu Boden fiel.

Görg, Görg, bist Du auch wirklich ein Geist,
Du riechst nach frischem Blut und schweig`st?

Dein Tritt, der hat nicht den rechten Schall,
Ich glaube, Du lebst. — So sprich einmal. —

Herr vor drei Tagen mit Sang und Klang,
Da zog meine Bahre das Dorf entlang.

Sie giengen durch Zimmer drei und vier,
Dort fliegen Gläser und Becher hier.

Der Schenktisch stürzt hernieder mit Macht,
Das ganze Schloß ertos`t und kracht.

Görg, was Du stürzest das bricht entzwei
Sieh dort die Scherben, die Stücke dabei!

Görg, wenn Du lebtest? — O Herr, macht fort,
Morgen steht alles an seinem Ort.

Sie kamen an die letzte Wand,
Hier steht der Komthur, wie festgebannt.

Nun Görg, bist Du ein Geist, sieh`
hier In der Mauer eine verborgene Thür.

Sie führt in ein kleines, enges Gemach,
Du geh`st woran, — ich folg` Dir nach.

Drin liegt mein Gold und Edelgestein,
Was ich auch im Tod` will besitzen allein. —

Der schlaue Georg, der macht unverwandt
Mit dem Nagel ein Zeichen, an der Wand.

Nun geh` hinein in die feste Thür`,
Den Geistern verschlossen ist kein Revier! —

Da kräh`t der Hahn, die Glock schlägt Ein,
Das war Hüls in der Höllenpein.

Der Geist in klagendem Ton verschwand,
Georg noch fest auf den Füßen stand.

Nicht lange, da halt` er Land und Gut
Und lebt` bis ans Ende in fröhlichem Muth.


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