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Gedicht - Benedikt Waldeck


Nährstand, Wehrstand, Lehrstand

Bürger.

Auf! rüstet euch, ihr andern Stände,
Und schnell den Lorbeer mir gereicht!
Sind`s nicht des Bürgers wack`re Hände,
Durch die der Staat zum Himmel steigt?
Vemenget, Brüder, Euch mit Faxen,
Macht rechtsum, schwenkt euch, plärrt den Psalm,
Wie schnell wird auf dem Felde wachsen
Die Distel statt des gold`nen Halm.
Allein des Bauers rüst`ges Leben,
Des biedern Wirkers edler Schweiß,
Des Handelsmannes reges weben
Erhält den Staat im festen Gleis.
Es wogt die Saat; von uns geschnitten,
Von uns zum süßen Brod geschafft,
Verspendet sie von niedern Hütten
Bis zu den Thronen Lebenssaft,
Wer, Krieger, hat den Stahl geschliffen,
Mit dem ihr Städt` und Menschen stürmt?
Wer hat aus rauhen Felsenriffen
Euch, Priester, hoch den Dom gethürmt?
Der Handel eint im festen Bande
Den fernen Süden mit dem Nord,
Verbindet mit Bengalens Strande
Der Britten mastenreichen Port,
Des Staates moderndem Skelette
Haucht er den Lebensodem ein;
Nur er kann von der Demantkette
Den eingezwängten Geist befrei`n.
Hoch wachset in Städten der blühende Segen,
Durch stilleres Wirken das lautere Regen.
Genießt ihr des Blutes der Trauben vom Rhein,
So denket der Hand, die gekeltert den Wein.

Krieger.

Wohl Mancher reichte dir entgegen
Auf deine Reden schon den Preis,
Wahr sprichst du, daß des Staates Segen
Im Frieden stütze sich auf Fleiß;
Doch wenn des Drängers wilden Schritten
Der sanfte Friede weinend wich,
Wenn grüne Saaten, freie Hütten
Im Staube tritt der wilde Krieg,
Wo bleiben dann die festen Bande,
Geschlungen um den Süd und Nord?
Der Dränger ödet Bruder-Lande
Und sperrt den segelreichen Port,
Den Fleiß der braven Bürger nehmend,
Scheucht er zum Wirken ihre Lust,
Den Geist durch nied`re Knechtschaft lähmend,
Tilgt er den Muth aus ihrer Brust.
Euch Bürger, schützen feste Mauern;
Ist Keiner, der den Arm erhebt,
Und stolz im Werk und ohne Schauern
Nach Freiheit und nach Frieden strebt? —
Gleich einem Cherub steht der Krieger,
Und Frieden heischt das blanke Schwert,
Verstand und Muth macht ihn zum Sieger,
Des Feindes Macht ist aufgezehrt.
Dann legen wir die Waffen nieder,
Das Götterkind kommt euch zurück.
Nun singet wieder frohe Lieder,
Genießt des Lebens schönstes Glück.
Nach Wunden, Gefahren, nach Müh` und Entsagen,
Frohlocket der Krieger gelinderter Klagen.
Und übet ihr rüstig im Frieden die Kraft,
So denket der Hand, die den Frieden geschafft.

Priester.

Des Friedens Schöpfer und Erhalter
Nennt Freund`, ihr euch mit Uebermuth;
Als ob vom unsichtbaren Walter
Nicht käme jedes Himmelsgut.
Seid brav, seid tapfer auch im Leben,
Hoch wachse eurer Hände Saat, —
Mögt ihr nicht frei zu Ihm erheben
Das Herz, dann fördert`s nicht den Staat.
Nie singet ihr dann frohe Lieder,
Beim Schweiße, der die Stirne näßt,
Denn in dem Herzen Zuckt die Hyder,
Die kalt zurück die Freude preßt.
Dann werdet ihr mit krummen Klauen
Bald den Betrug, bald mit der Hand
Voll Schmeichelgift die Wollust schauen,
Selbst kriegen mit dem Vaterland.
D`rum, wahrlich muß ich euch bescheiden:
Des Edelmuths, der Tugend baar
Verkennt ihr alle schönen Freuden,
Umgaukelt von der Laster Schaar.
Doch bald vorwelket ist die Blume,
Die schmeichelnd euch das Laster reicht,
Zu echter Freuden Heiligthume —
Wer führt euch liebend hin? —
Ihr schweigt? Die Tugend und den Vater ehre,
Der dich und deine Brüder schuf,
Das ist des Priesters wahre Lehre;
Und horcht ihr seinem Seelenruf,
Dann werdet ihr die Ruhe finden,
Die euer banges Herz verlor,
Und jene Herrscher werden schwinden,
Die euer Wille frei erkor.
Zur strahlenden Höhe hebt himmlische Tugend
Den Staat wie den Bürger, den Greis wie die Jugend,
Und spendet sie Freude und scheucht sie den Schmerz,
So denkt an des Priesters allliebendes Herz.

Der Dichter.

Auf! füget Alle Händ` in Hände
Und knüpfet schöner Eintracht Band!
Ihr alle fliegt zu einem Ende,
Erzielet Heil dem Vaterland.
Der brave Bürger nährt den Frieden,
Den stolz der tapf`re Krieger wehrt,
Indeß den Weg zum Glück, hienieden
Wie jenseits, fromm der Priester lehrt.
So lasset denn froh an die Arbeit uns wallen,
Es diene der Einzelne wirkend uns Allen!
Wo brüderlich liebet sich jeglicher Stand,
Da blühet in Fülle das heimische Land.


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