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Gedicht - Ignaz Franz Castelli


Das Sacktuch

Ballade

`Leb` wohl fein Liebchen! ich ziehe zur Stund`
In den Kampf, doch bald kehr` ich dir wieder,
Der Kaiser münzt`s auf den Türkenhund,
Mit ihm zieh`n all` meine Brüder;
Muß fort, denn hielt` mich die Liebe zurück,
So war` ich nicht würdig der Liebe Glück.
Ades! ich bleibe dein eigen ja
So fern als nah.`

``Ach höre mich Willibald, Willibald!
Laß` ziehen alleine die Brüder,
Es schauert mir durch mein Herze so kalt,
Es ahnt mir, du kehrest nicht wieder;
Der Lorbeer zieht dich zum Streite dahin,
Dafür glbt`s der Liebe Immergrün,
Und lehrst du auch wieder von Feindesblut roth,
Ist Klara todt.`` —

Und Thrän` auf Thräne strömte herab,
Nicht vermocht` ihr Tuch sie zu saugen,
Und Willibald noch einen Kuß ihr gab,
Ihr nehmend das Tuch von den Augen,
Und bei den Thränen, die fielen darein,
Schwört er, auf ewig ihr treu zu seyn;
Verbirgt das Tuch an sein klopfendes Herz
Und scheidet voll Schmerz. —

Und viele der Schlachten kämpfet er mit; —
Doch einst bei Nacht und bei Nebel,
Da eben im dichtesten Haufen er stritt,
Da traf ihn ein Türkensäbel;
Gerade hin auf das Herz ging der Schlag,
Auf welchem das Sacktuch des Liebchens lag,
Und dieses haut er mitten entzwei,
Doch das Herz klopfte frei.

`O Klara! Klara! du stärkest mich,
Und schirmst mich im Schwertergetümmel;
Ich lebe, ich kämpfe, ich sterbe für dich!`
So rief er gerührt gegen Himmel,
Und nahm das Sacktuch und drückt`s an den Mund
Und nimmer von dieser heiligen Stund`
In Freude in Noth, in Angst und in Lust,
Kam`s von seiner Brust.

Und als er in der Rupertusnacht,
Von einigen Söldnern begleitet,
(Am Tage darauf wollt` der Kaiser die Schlacht
Anbiethen) zum Fischzuge reitet,
Da stürzen auf einmal aus düsterem Wald
Wohl zwanzig Feind` aus dem Hinterhalt,
Umzingeln, fangen und schleppen ihn
Zum Bassa hin.

Als dieser den muthigen Helden erblickt,
Der viel seiner tapfersten Brüder
Mit gutem Schwert schon zur Erde geschickt,
Fährt Wuth ihm durch all` seine Glieder:
`So hab` ich dich endlich, du Christenhund?
Am Spieße steckst du zur nächsten Stund`;
Fleh` immer zu deinem Gotte, du Wicht!
Er hilft dir nicht.`

Und ruhig stehet der Jüngling und kalt,
Bezwungen und doch nicht bezwungen,
Da fühlt er von einer Engelsgestalt
Auf einmal fest sich umschlungen;
`Mein ist er, Vater!` — so schrie das Weib,
`Zu seiner Brust geht durch meinen Leib
Die Lanze. — Ist werth dir die Tochter
So schone sein!`

Sie zückt einen Dolch gen die eig`ne Brust,
Führt mit triumphirenden Blicken
Den staunenden Jüngling mit sichtbarer Lust
Durch die Reih`n, die zur Seite sich drücken,
Und geleitet in`s eigene Zelt ihn jetzt,
Allwo sie zu seinen Füßen sich setzt,
Und suchet durch Kosen des Ritters Pein
Bald zu zerstreu`n.

Nicht weichet von ihm mehr das Engelskind,
Sie pflegt ihn mit sorgenden Händen,
Und war` er für menschliche Reize auch blind,
Zu himmlischen muß er sich wenden;
Und wie er gegen sich selber auch ringt,
Und Klara`s Bild in`s Gedächtniß sich zwingt,
Die fernen Reize ermatten so ganz
Vor Egli`s Glanz.

Und Klara vergaß er, und Ruhm und die Welt
An der Seite der süßen Blondine; —
Da trat eines Abends der Bassa in`s Zelt
Und sprach mit gütiger Miene:
`Mein süßes Töchterlein liebet dich, Christ!
Und wenn du ihr wieder gewogen bist,
Und willst die Theure als Weib dir frei`n,
So schon` ich dein!`

Und Egli steht sehnenden Blick`s, ihre Brust
Hebt sich mit hoffendem Regen,
Im Vorgefühle der nahenden Lust
Streckt sie ihm die Arme entgegen;
Und Willibald stürzt sich wüthend hinein,
Als schlossen sie all` seinen Himmel ein,
Er schwört, an`s Herz sie drückend, dabei
Ihr ew`ge Treu.

Und jetzt wird er bleich und bleicher, — er ruft:
`Ich hab` einen Meineid geschworen,
Herr Jesus! — die Brust — nur Luft, nur Luft!
Ach Klara verzeih! — bin verloren —
Und Egli wirft sich, kaum ihrer bewußt,
Auf ihn, und lüftet das Wamms auf der Brust,
Und Willibald thut einen schweren Zug
Stumm deutend auf`s Tuch.

Dies Tuch will ihm Egli entreißen; doch läßt
Es nimmer vom Busen sich trennen,
Am Herzen wie eingewurzelt hält`s fest
Und unter der Hand fühlt sie`s brennen,
Und horch! eine Stimme von oben erschallt:
`Zurück von ihm!` eine Lichtgestalt,
Die langsam herabschwebt, zum Ritter sich neigt,
Und Alles schweigt.

Und sie nimmt von der Brust ihm das schmerzende Tuch,
Auf das er die Treue beeidet,
Er thut einen tiefen Athemzug,
Ruft: Klara! — und lächelt— und scheidet;
Von oben tönet Sphären-Akkord,
Es schweben zwei schneeweiße Schatten fort;
Und Egli bleibt allein mit der Qual
Im Thränenthal.


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