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Gedicht - Eduard Mörike


Peregrina

Ausgeschmueckt ist der Freudensaal.
Lichterhell, bunt, in laulicher Sommernacht
Stehet das offene Gartengezelte.
Saeulengleich steigen, gepaart,
Gruen-umranket, eherne Schlangen,
Zwoelf, mit verschlungenen Haelsen,
Tragend und stuetzend das
Leicht gegitterte Dach.

Aber die Braut noch wartet verborgen
In dem Kaemmerlein ihres Hauses.
Endlich bewegt sich der Zug der Hochzeit,
Fackeln tragend,
Feierlich stumm.
Und in der Mitte,
Mich an der rechten Hand,
Schwarz gekleidet,
geht einfach die Braut;
Schoen gefaltet ein Scharlachtuch
Liegt um den zierlichen Kopf geschlagen.
Laechelnd geht sie dahin; das Mahl schon duftet.

Spaeter im Laermen des Fests
Stahlen wir seitwaerts uns beide
Weg, nach den Schatten des Gartens wandelnd,
Wo im Gebuesche die Rosen brannten,
Wo der Mondstrahl um Lilien zuckte,
Wo die Weymouthsfichte mit schwarzem Haar
Den Spiegel des Teiches halb verhaengt.

Auf seidnem Rasen dort, ach, Herz am Herzen,
Wie verschlangen, erstickten meine Kuesse den scheueren Kuss!
Indes der Springquell, unteilnehmend
An ueberschwaenglicher Liebe Gefluester,
Sich ewig des eigenen Plaetscherns freute;
Uns aber neckten von fern und lockten
Freundliche Stimmen,
Floeten und Saiten umsonst.

Ermuedet lag, zu bald fuer mein Verlangen,
Das leichte, liebe Haupt auf meinem Schoss.
Spielender Weise mein Aug auf ihres druckend
Fuehlt ich ein Weilchen die langen Wimpern,
Bis der Schlaf sie stellte,
Wie Schmetterlingsgefieder auf und nieder gehn.

III

Ein Irrsal kam in die Mondscheingaerten
Einer einst heiligen Liebe.
Schaudernd entdeckt ich verjaehrten Betrug.
Und mit weinendem Blick, doch grausam,
Hiess ich das schlanke,
Zauberhafte Maedchen
Ferne gehen von mir.
Ach, ihre hohe Stirn,
War gesenkt, denn sie liebte mich;
Aber sie zog mit Schweigen
Fort in die graue
Welt hinaus.

Krank seitdem,
Wund ist und wehe mein Herz.
Nimmer wird es genesen!

IV

Warum, Geliebte, denk ich dein
Auf einmal nun mit tausend Traenen,
Und kann gar nicht zufrieden sein,
Und will die Brust in alle Weite dehnen?

V

Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden,
Geht endlich arm, zerruettet, unbeschuht;
Dies edle Haupt hat nicht mehr, wo es ruht,
Mit Traenen netzet sie der Fuesse Wunden.

Ach, Peregrinen hab ich so gefunden!
Schoen war ihr Wahnsinn, ihrer Wange Glut,
Noch scherzend in der Fruehlingsstuerme Wut,
Und wilde Kraenze in das Haar gewunden.

Wars moeglich, solche Schoenheit zu verlassen?
- So kehrt nur reizender das alte Glueck!
O komm, in diese Arme dich zu fassen!

Doch weh! o weh! was soll mir dieser Blick?
Sie kuesst mich zwischen Lieben noch und Hassen,
Sie kehrt sich ab, und kehrt mir nie zurueck.


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