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Gedicht - Carl Immermann


Clio

Aus dem Dome zu Köln mit erglüheten Wangen und Augen,
Trat ein reisiger Mann, der ihn zum ersten Mal sah.
Früh schon hatt` er als Knabe geheim nach ihm sich gesehnet
Aus der Hütten Gesperr, die ihm die Jugend verengt.
Endlich nach wechselndem Jahr ward` ihm der redlich gepflegte
Wunsch erfüllet, zugleich Schmerz in die Seele gesenkt.
Denn das ist die besondere Macht des Wundergebäudes,
Daß es dein kleines Gemüth schmerzlich erweitert und drückt.
Siehe, dort steigen die Pfeiler empor des herrlichen Chores,
Bogen Verbinden sie kühn, leicht und gewaltig zugleich.
Jeglicher einzeln; wie groß! Ein himmelanstrebender Riese!
Schaust du das ganze Gewölb, scheinen sie zierlich und schlank.
Also dünken die Menschen der Zeit, der auf ewig vergangnen,
Dich von gewöhnlichem Maß, denkst du des ganzen Geschlechts;
Rissest du Einen jedoch aus der Gruppe der Freunde und Feinde,
Schreckt` er als Riese, o glaub! deinen verzagenden Blick!
Farbige Lichter durchfliegen das Schiff. Sie schaffen die Dämmrung,
Deren das Wunder bedarf, daß es natürlich erscheint.
Solches schaffen die Fenster, gemahlt. Nun wirket die Sonne —
Und ein Zauber und Glanz blendet die Augen und Sinn.
Aber die Orgel beginnt; sie deutet vernehmlichen Lautes
Pfeiler und Bogen dir aus, Dämmrung und Zauber und Glanz.

Selige, dunkele Zeit, da der Stein dem Ewigen diente,
Während die heutige Kunst nur die Caserne begreift!
Menschen ja waren es doch die diese Fragmente gegründet;
Sind wir nicht ihres Geschlechts? Hat das Geschick uns enterbt?

Ist uns der zeugende Born, uns die heilige Quelle versieget?
Wurden wir (weh uns!) verdammt, nur das Gemeine zu schaun? —
Solches und Aehnliches dachte der Mann, der reisige, als er
Aus der Pforte hinaus in die Bedachungen trat.
Zu dem Thurm hin zog es mich jetzt. (Ich war`s, ich gesteh` es!)
Mich zu lehnen an ihn, meiner Betrachtungen Halt.
Liebevoll drang mein Blick empor durch die Spitzen und Zacken:
Ach, ihr waret so reich, daß ihr verschwenden gedurft!
Jetzo hatt` ich erblicket den Krahn, der ernst von dem Dache
Fragt? wie lang o wie lang werd` ich der Steine noch harr`n?
Wehmuth schloß das Auge mir nun; doch sah ich zu innerst,
Was sich bedeutend nur je hatte auf Erden geregt.
Sah die Griechischen Männer, lch sah die Römischen Feldherrn,
Drauf den König der Welt, Karl, die Kaiser sodann.
Unabsehbar wallte der Zug der Fürsten und Herren,
Bürger und Ritter, gedrängt, Priester und Bauern und Volk.
Diesem Getümmel nachfolgeten drauf moderne Gestalten,
Siehe, da ragte hervor Ein` und die Andere auch!
Schließt sich der Reigen noch nicht? Es wallte bis an den Gesichtskreis:
Meinem geistigen Blick wallte die Menschheit vorbei!
Plötzlich schlug die Augen ich auf: o erhabenes Wunder!
Fertig sah ich den Dom, Thürme und Kirche und Chor!
Nur den, Moment. Es verschwand, wie ein Traum, das hohe Gesichte,
Aber ich hatt` es erblickt, da ich der Menschheit gedacht.


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