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Gedicht - Carl Immermann


Spruch des Dichters

Zu vollen Tafeln ladet das Geschick,
Wenn wir den Fuß in`s frische Leben setzen,
Und unsre braune Lock` im Winde weht
Des Jugendmorgens! Reizend duftet da
Die Speise und die Blüthe aller Zonen,
Und in krystallne Schalen gießest du,
Du holde Freude, deinen schönen Wein,
Den Tisch umkreisend mit Mänadenschritt.

Was wäre werth des Preises, wenn nicht du
Den Preis empfingest, süße Jugendzeit?
Auf deinen Altar legt erinnrungstrunken
Der Dichter seines Liedes Erstlings-Blatt:
O Jugend! Jugendlust und Jugendglück!

Ihr Alle, die ihr sinnend steht, gedrängt,
Und meiner frischgestimmten Harfe lauscht,
Ihr Alle kennet, was ich singe!
Denn Ihr habt, ihr hattet Jugend!
Möglich, daß Der Reichthum streng vor euch sein Horn verschloß,
Daß eure Väter nicht auf seidnen Kissen,
Nicht unter golddurchblitzten Purpurhimmeln

Mit euren Müttern scherzten! Möglich, daß
Ihr stets von Weitem sah`t Fortunens Flug!
Doch Jugend habt ihr, oder hattet ihr,
So habt ihr, hattet lhr denn Alles! Nichts
Hat, wer nicht Jugend hat. Ihr fühlt`s, ihr stimmt,
Ich weiß es, froh in meinen hell`gen Päan:
O Jugend! Jugendlust und Jugendglück!
Nicht wahr, wir Alle wissen kaum, worüber
Sich da zu freun, das Herz die Kraft gehabt?
Eln Mährchen liegt es dämmernd hinter uns.
War denn der Teich, auf dem wir jauchzend fuhren,
Damals das weite Meer? der Kahn, den uns
Gefällig der Verwalter lieh, war der —
(Wir glaubten`s doch —) das Admiralsschiff Nelsons?
Verkehrten wir mit Geistern, Elfen? Wie?
So mußt` es seyn! Der Becher frischer Milch,
Am heitern Tag getrunken hinter`m Wald,
In jener kleinen Hütte, dünkt` uns ja
Der Trank der Götter! Jener ernste Mann,
Der auf dem Weg zu Oheims Dorfe einst
Im Wiesenthal uns so bedächtig fragt`
Nach unserm Namen, nach des Vaters Stand,
Und nach der Mutter Herkunft; ganz gewiß
War der ein Zauberer, der unserm Stern
Die besten Zaubergaben aufgespart.
Er ging, der Mann, und — ward nicht mehr gesehn,
Und auch die Zaubergaben — soll`n noch kommen.

Ach, herrlich war da jede Tageszeit!
Der Abend, träumrisch blickend durch des Thaus
Mild hingewelnte Thränen, und der Morgen,
Der ros`ge Engel mit den sauberklaren,
Den frischgewaschnen, goldnen Flügeln!
Ja, Der Mittag selbst, in Staub und Gluthen zitternd,
Der Nachmittag, grau, matt, erschöpfungssiech!
Jedwede Stunde bracht` ein schönes Wunder,
Und könnt` es bringen, durft` es bringen, denn
Du selbst bist ein beständ`ges, ew`ges Wunder:
O Jugend! Jugendlust und Jugendglück!

Und nun der Wunder Wunder! Du, des Lebens
In tausend Farben blühnder Silberblick!
Du, erste Liebe! Schweige hier, mein Lied,
Und ehr` ein helliges Geheimniß, das
Natur in ihren Tiefen zeugend schafft!
Das sag` ich nur, ihr Alle sagt es mit:
Jegliche Liebe, jeglich Zutraun, jedes
Mildleuchtende Gefühl auf späterm Pfad
Ist unsres ersten Fühlens zartes Kind.
Wir hätten längst den Glauben an die Welt
Und an die Menschen kläglich aufgegeben,
Wenn nicht in anmuthlächelnder Gestalt
Uns einst der Menschheit reinvollkommnes Bild
Erschienen wäre! — Und ich sage:
Die Stell` an unserm Kleid, die ihre Hand
Zufällig streifend rührte, war geweiht;
Wir küßten diese Stelle, ach, wie oft!
In reinen, keuschen Thrämen und ich sage:
Wenn nächtlich von des Himmels tiefem Schwarz
Die ganze Schaar der Sterne niederbrannte,
Wir lagen auf den Knien, und beteten
Ach, nicht für uns! Für wen? Schweig hier mein Lied!
O du, die längst von mir angewandt,
Du denkst wohl kaum des Platzes noch, des Gangs
Am Thurm, bel jener altverfallnen Mauer,
Wo du zum erstenmale mir begegnet? —
Ich aber denke seiner. `S ist ein armes,
Ein ödes, gras- und blumenleeres Plätzchen!
Doch immer war mir, ging ich später dort,
Als säh` ich da zwel Genien sitzen; lieblich
Sahn mich die Flügelkinder an und grüßten.
Und kommt der Platz im Traume mir (und oft
Kommt er im Traume mir), seh` ich ihn sonnhell,
Von Blüthendolden stattlich überschmückt,
Von Tulpenglocken, Hyazinthenkron;
Aus kühlem Grün brennt der Granate Blut,
Und furchtsam schwankt die Myrth` im Abendwinde.
O glaube nicht, daß ich ein Schwärmer bin!
Ich weiß ja wohl, ich träume, zeigt sich mir
Die Stelle blühend. Ach, lch weiß, es war
Ein ödes, gras- und blumenleeres Plätzchen,
Wo ich zum erstenmal dich gesehn!

Wohl niemals red` ich mehr zu dir hienieden,
Zum mindesten mit meinem Willen nicht.
Du hörst vielleicht dieß Lied. So sey dem Lied
Ein offnes Wort an dich vertraut! Glaub` nicht:
Ich zürne dir, weil durch armsel`ge Menschen
Verführt, du einst ein reiches Herz verschmäht.
Was hätt` ich, hätt` ich dich? In meinem Arm
Wirst du zuletzt doch nur ein Weib geworden.
Nun aber schwebst du, wenn mein Fuß gelind
Durch`s Wiesengrün am prächt`gen Strome wandelt,
Ein leicht Gebild aus Wolken über`m Strom.
Aus deinen Locken blinkt der reine Kranz,
Noch immer schützt der Gürtel deinen Leib;
Was Andre von dir haben, weiß ich nicht,
Ich habe dich behalten, wie du warst,
Und dich versagend, schenktest du dich mir
Für alle Zeit, jungfräulich, rosenfrisch;
So dank ich deiner holden Trüglichkeit! —
Auch Jugendschmerzen sind ein schönes Gut,
Das Herz genießt sich selber in der Thräne.
Drum ruf ich, denkend jenes tiefen Leids,
Das meiner frühen Tage Mark verzehrte,
In meine Saiten freudig doch zum Schluß:
O Jugend! Jugendlust und Jugendglück!


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