Wie sagt man noch? Synonyme Wörter-Datenbank businessandmore.de

Anzeigen


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


zurück zu Heinrich Bone

Gedicht - Heinrich Bone


1. Ouvertüre

Wie ein Akkord, so löst sich auf
Im Herzen des Frühlings holder Lauf.


Frühling breite deine Flügel
Ueber Land und Fluren aus,
Wandle über Thal und Hügel,
Baue dir dein Blütenhaus.
Frühling aus den Himmelsauen
Oeffne deine volle Hand,
Laße Lust und Leben thauen
Nieder auf das Erdenland.

Oeffnet euch ihr harten Felder,
Spalte dich du starrer Grund,
Steht in Ahnung Berg` und Wälder,
Kränze dich du Himmelsrund;
Wolken theilet eure Kerne,
Winde lenket euren Lauf,
Sonnenstrahlen, Mond und Sterne,
Nehmt den jungen Frühling auf.

Seid willkommen Kreaturen
In der freien Gotteswelt,
Wandelt auf den frischen Spuren,
Die der neue Lenz erhellt.
Kommt heraus! es waltet Leben,
Alle Kräfte dringen vor;
Thatenlust und kühnes Streben
Steig` in jeder Brust empor.

Schiffer richtet auf die Masten,
Weiße Segel müßen wehn;
Landmann flieh dein Ruhn und Rasten,
In den Feldern laß dich sehn;
Daß sich Meer und Land beneide
Um das reiche Lustgewühl,
Alles sich mit Leben kleide,
Bunt verwebend Ernst und Spiel.

Hirten mit den frohen Herden,
Singet in den Lerchenklang;
Voll von Stimmen muß es werden,
Alles tönen wie Gesang.
Schwalben jagt euch in den Lüften,
Vögel ruft im grünen Wald,
Singt auf Höhen, singt in Klüften,
Daß es durch die Thäler schallt.

Kinder hüpfet auf und nieder,
Suchet, was von Blumen blüht;
Schlinget eure Tänze wieder,
Singet euer Frühlingslied.
Eltern setzt euch in die Sonne,
Seht die muntren Kinder an;
Fühlt mit ihnen Jugendwonne,
Spiele, wer noch spielen kann.

Freude, schönstes Bild im Herzen
Aus dem ew`gen Vaterland,
Tritt hervor in leichten Scherzen,
Leuchte klar am Himmelsrand.
All` ihr Menschen, meine Brüder,
Blickt empor zum Firmament!
Liebend schaut ein Vater nieder,
Glücklich, wer den Vater kennt.

* * *

Frühling aus den Himmelsauen,
Sei gegrüßt im Erdenland;
Laß in meine Seele thauen
Alle Gaben deiner Hand.
Wälder mit den dunklen Schatten,
Bäume mit dem grünen Schein,
Bunt beblümte Wiesenmatten,
Kehrt in meinem Herzen ein.

Laßt euch schlürfen, süße Düfte,
Decke mich du Blütenbaum,
Nehmt mich auf ihr vollen Lüfte,
Tragt mich durch der Schöpfung Raum.
Laßt mich stürzen in die Kühle
Frisch bethauter Morgenflur,
Daß ich ganz die Wonne fühle,
Eins zu sein mit der Natur.

Auf den Wolken möcht` ich stehen,
Schweben durch die Sonnenbahn,
Dort die Schöpfung übersehen,
Niederknie`n und beten an.
Gott, den Schöpfer der Naturen,
Meinen Vater, ewig gut,
Preiset ihn ihr Kreaturen,
Der dies alles lenkt und thut.

In des Grases reich? Fülle,
Wo der Wurm sein Leben regt,
In der Knospen zarte Hülle,
Wo sich Lust und Drang bewegt,
In des Tropfens klare Tiefe
Blickt mein staunend Aug` hinein;
Und es ist, als ob‘s mich riefe —
In dem Tropfen möcht` ich sein.

Welche Sehnsucht, welches Drangen,
Zieht durch meine enge Brust?
Mich in Gluten will versengen
Diese Wonne, diese Lust.
Nimmer kann ich sie genießen,
All die Fülle der Natur;
Möchte sie ins Herz verschließen,
Aber Sehnsucht schlürf` ich mir.

Frühling aus den Himmelsfluren,
Tauche mich in Nach und See,
Daß ich in den fühlen Spuren
Tränke meiner Sehnsucht Weh.
Auf den Bergen, in den Gründen,
Einsam ist‘s mir überall;
Möchte alles mir verbinden,
Ruh‘n an Eines Herzens Schall.

Süßer Abend, kühl in Lüften,
Schließ mich ein in deinen Arm;
Wiege in den vollen Duften
Meiner Seele leisen Harm.
Nachtigall mit deinen Tönen
Klage sanft in meine Brust;
Du verstehst ein dunkles Sehnen,
Dir nur ist mein Sinn bewußt.

Schöne Mondnacht, komm hernieder,
In der Laube wart` ich dein;
Leise rauschend ziehen Lieder
Durch den vollen Busen mein.
Eine Seele muß ich finden,
Die mit mir mein Dasein fühlt;
Eine Seele mir verbinden,
Die mit reiner Liebe kühlt.

Liebe rauscht durch deine Flügel,
Frühling aus der Himmelsflur;
Liebe glüht um Thal und Hügel,
Ruht und lebt in der Natur.
Liebe wohnt im Abenddunkel,
Liebe singt die Nachtigall;
Blick` empor zum Sterngefunkel,
Liebe wohnt im Weltenall.

Liebe, schönster Stern der Sterne
In dem dunklen Erdenthal,
Sende mir aus milder Ferne
Deines Lichtes goldnen Strahl.
Tropfen aus des Himmels Fluten,
Falle mir auf meine Brust,
Lösche meiner Sehnsucht Gluten,
Tränke mich mit Ruh` und Lust.


Anzeigen


Suche in 361091 Wörtern und 109475 Wortgruppen - Impressum