Wie sagt man noch? Synonyme Wörter-Datenbank businessandmore.de

Anzeigen


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


zurück zu Gustav Pfizer

Gedicht - Gustav Pfizer


Die Bestattung

Von Bergen ist umhegt ein stilles Thal;`
Früh scheidet dort der Sonne goldner Strahl,
Der lange noch mit seiner Purpurglut
Auf schwellend reichen Rebenhügeln ruht.

In vollen Wellen wiegt die Aehre sich,
Ein Born strömt aus den Felsen jugendlich,
Im Grunde steht ein Haus von Stein erbaut,
Ernst anzuschau`n, von Alter lang ergraut.

Die Frucht in segensvoller Reife prangt.
Beglückt ist der, den recht darnach verlangt!
Nicht irdischer Hunger wird damit gestillt:
Die Sehnsucht nur, die aus dem Herzen quillt.

Wo Andacht fehlt, da ist das Weltall hohl;
Den Stoff wirf weg und ehre das Symbol!
In deiner Hand des Lebens Element
Wird es, von Gott geweiht, zum Sacrament.

Der Wein, den man aus jenen Trauben presst,
Erheitert nicht der Freude irdisch Fest;
Er wecket nicht im rauschenden Gewühl
Der träumerischen Lust vergänglich Spiel.

In dieser mächt`gen Berge tiefstem Schacht
Gewinnet man des Goldes helle Pracht;
Der Künstler bildet aus dem Golde rein
Den Kelch, zu trinken draus den rothen Wein.

Aus Sonnen quillt den Trauben Feuerkraft,
Die Erde ist es, die das Gold erschafft,
Und wenn die Seele rein wie Gold wird seyn,
Schlürft sie das Blut des Himmelskönigs ein.

Das Wasser rieselt von dem Felsen hell,
Dies nenne du des Lehens rechten Quell.
Wohl thust du, aus der Sunde heisser Glut
Zu flüchten dich an seine Silberflut.

Wie Tauben, schwebend über reinen See`n,
Den Falken in den Wolken jagen- seh`n,
So in den Wassern, den durchsichtig blau`n,
Magst du die Feinde deiner Seele schau`n.

Ein heil`ger Mann schloss hier den Pilgerlauf,
Auf seinem Grabe wuchs der Tempel auf.
Tief, tief im Grunde ruhet sein Gebein,
Sein Geist wird in der Beter Mitte seyn.

Die Säulen die in riesenhaften Höh`n
Der Kuppel schwere Wucht ertragend steh`n,
Sie deuten dir des Glaubens ernste Pflicht;
Festhalten sollen sie, doch glänzen nicht.

Am nächsten Thurm siehst da ein Kreuz erhöht,
Von dem die weisse Siegerfahne weht;
Des Dulders Greist erringt der Himmel Glück,
Auf Erden bleibt das schwere Kreuz zurück.

Schau noch die Glocke! der, der sie erschuf,
Er folgte längst in Demuth ihrem Ruf;
Ihr Mund begrüsst wohl zehn Geschlechter schon
Und wie die Wahrheit nur mit Einem Ton.

Sag` an, was ist so ewig wie Metall?
Was ist so flüchtig wie der Glocke Schall?
Leicht wie ein Klang des Leibes Bau zerreisst;
Es gleicht dem Erz der unsichtbare Geist.

    Ein sterblicher Leib ist zerfallen!
    Wir hören die Glocke erschallen,
    Im Tempel treten wir ein.
    Da ruht vor dem Kreuze die bleiche
    Die festlich geschmückte Leiche
    Bei zitternder Kerzen Schein;
    Die lieblichen Lippen erkaltet,
    Die schneeweissen Hände gefaltet
    Zu unhörbarem Gebet.
    Von Epheu und Blumenglocken,
    Schlingt sich ein Kranz durch die Locken,
    Das Kleid ist mit Kreuzen besä`t.
    Es scheint der Tod noch zu säumen,
    Noch das scheidende Leben zu träumen —
    Wer mag die Träume verstehn?

Wer, ein Irdischer, mochte sie schildern,
Die schon mit der Ewigkeit Bildern
Die flüchtige Seele durchweh`n?
Und Staunen dränget zu fragen:
Wie noch von der Jugend Tagen
Der Reiz auf dem Antlitz verweilt?
Was der Tod unzärtlich zerrissen-,
Das hat mit himmlischen Küssen
Ein blühender Engel geheilt.

Jezt verstummet der Glocke Klang
Und es hebt an der Schwestern Gesang.

Stimmt an den festlichen Chor!
Lasst von irdischem Sinnen uns wenden,
Laset die fromme Pflicht uns vollenden!
Wir senden, wir senden
Gott einen Engel empor.

In Schwachheit sind wir noch blind,
Wir können es nicht verstehen,
Warum sie so früh musste gehen,
Empor zu den Höhen Eilen das liebliche, Kind.

Dem Vater sey Ehre und Lob!
Der die Holde, schmerzlich Beweinte,
Die in Lieb` uns innig Vereinte,
Ehe die Welt es meinte, Frühe zu sieh erhob.

Preis sey dem seligen Sohn;
Er hat die aus Sünden Geborne,
An den Fluch, den uralten, Verlorne»
Die gnädig Erkorne
Zu sich berufen schon.

Er hat sie beschüzt vor der Welt,
Er gab ihr das Wort der Gnade,
Er hat sie geheiligt im Bade,
Er hat ihre Pfade Mit seinem Licht erhellt.

Preis sey dem heiligen Geist!
Er bat sie im Glauben gegründet,
Hat ihr lautres Gemüth entzündet,
Er bleibt ihr verbündet,
Ob auch der Leib zerreisst.

Wir fühlen der Schwester Verlust;
Doch wir lernten im Glauben entsagen,
Wir gaben nicht Raum mehr den Klagen,
Weil stets wir sie tragen
Ein seliges Bild in der Brust.

Als sich aufthat das himmlische Haus,
Da hörten wir Seelige singen,
Wir fühlten Musik uns durchdringen,
Und die Töne sie klingen
Sanft auf der Erde aus.

Sie sagen wohl von der Natur:
Sie empfinde des Todes Schauer,
Sie altre in schmerzlicher Dauer,
Sie trage der Trauer Unverwüstliche Spur.

Des Todes ist Alles voll!
Er erschöpfet das Leben mit Qualen,
Wölbt die Erde mit Leichenmalen,
Und mahnt zu bezahlen
Der Vergänglichkeit Zoll.

In klagender Blindheit versagt,
Schau`n die Menschen, bebend in Sorgen,
Um neue Sonnen nach Morgen;
Und das Heil bleibt verborgen,
Das schon lange getagt.

Wie die Angst sich seiner verhöhnt!
Das off`ne Aug kann nicht lesen,
Dass die Welt will vom Weh genesen
Und das All der Wesen
Sich nach Befreiung sehnt!

Es drängte die Creatur,
Absagend den alten Götzen,
Mit neu erschlossene Schätzen
Und kühnern Gesetzen
Hin zu des Heiles Spur.

Höh`res Leben schwoll in der Saat!
Kelche glühten in Felsenherden,
Kirchen standen im Schoosse der Erden,
Und der Anmuth Geberden
Verhiessen die göttliche That.

Des nahenden Heiles bewusst
Neu mit Sternen der Himmel sich schmückte,
Eine Jungfrau das Weh` durchzuckte ;
Die Heilige drückte
Ein göttliches Kind an die Brust.

Da erbebte der alte Wahn,
Und das Reich der Sünde erkrachte!
Ihres Heiles die Welt gedachte;
Und ein Blutstrom fachte
Die Fackel des Glaubens an!

Sie bestrahlt zum Himmel den Weg!
Es gähnen wohl um uns die Gründe,
Es wimmert gebunden die Sünde;
Doch dem trauenden Kinde
Dehnt sich der Gnade Steg.

Der Seele höchster Genuss
Ist aus Sünden sich ringend zu lösen,
Aus der Ohnmacht Traum zu genesen
Und sprengen des Bösen
Eis mit der Liebe Kuss.

Du schlumm`re im Frieden, o Kind!
Mit Blumen bist du umkleidet,
Deren Farben dein Auge geweidet;
Aus Staube bereitet
Menschen wie Blumen sind.

Doch schwinget die Fackeln in Glut!
Dass die sprühende Asche verstäube,
Die lodernde Flamme bleibe,
Wie über dem Leibe
Der Geist in der Klarheit ruht.

Jacet in terrae gremio,
Dio sepulta in more;
Nos plangimus de sorore
In noctis colore
Et pectore candido.

Lugentes en! animos
Soror ambulans in renatis!
Solamina fer in fatis,
Et sparge beatis
E sedibus radios.

Celebramus gratiam!
Homini dat esse securo,
Acquiescimus in futuro,
Iter est in obscuro,
Mens spectat in gloriam.


Anzeigen


Suche in 361091 Wörtern und 109475 Wortgruppen - Impressum