Wie sagt man noch? Synonyme Wörter-Datenbank businessandmore.de

Anzeigen


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


zurück zu Otto Weddigen

Gedicht - Otto Weddigen


Gräfin Orlamünde

Tot war der Graf, die Gräfin Witwe,
Sie war ein junges, stattlich Weib,
Doch ohne Herz und Frauenmilde,
War blendend auch ihr schöner Leib.

Zwei Kinder nannte sie ihr eigen,
Zwei Kindlein, lieblich, zart und hold;
Die junge Gräfin Orlamünde
Hat ihnen täglich nur gegrollt.

Einst saß sie sinnend in dem Schlosse,
Nach Mannes Liebe sehnt ihr Herz;
`Sollt ich mein Leben so vertrauern
In Einsamkeit und dumpfem Schmerz?`

`Soll ich entbehren Mannes Minne,
Ich, da noch jung und schön ich bin?` —
Da hört sie, daß ein stolzer Ritter
Ihr zugewendet Herz und Sinn.

Albrecht der Schöne, Graf von Nürnberg,
Begehre sie zum Ehgemal,
`Vier Augen nur` — so deutet man ihr
`Die widerstrebten seiner Wahl.`

`Vier Augen hindern uns`re Ehe?`
Denkt bei sich Gräfin Orlamünd;
`Ei, ich begreife und verstehe,
Daß es die meiner Kinder sind.` —

Sie hat vollbracht ihr teuflisch Sinnen.
In einsam stiller, dunkler Nacht
Hat diese arge Rabenmutter
Die eig`nen Kinder umgebracht.

`Nun bin ich frei von allen Fesseln!
Und Albrecht minnt nun meinen Leib!`
So spricht die Gräsin, doch der Burggraf -
Er schreckt zurück vor solchem Weib.

Vier Elternaugen ihn verwarnten —
Dies kündet flugs der Gräfin man;
Weh`! Nachts sieht sie der Kinder
Schatten Sie faßt Verzweiflung, Reue dann.

Zerknirscht will sie die Sünde beichten
Vor dem Altar` mit Büßersinn —
Doch stürzt, betretend die Kapelle,
Tot hin die Kindesmörderin.


Anzeigen


Suche in 361091 Wörtern und 109475 Wortgruppen - Impressum