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Gedicht - Heinrich Beitzke


Richard Löwenherz vor Joppe

Tapfer war Rinald im heil`gen Streite,
Tapfrer Bohemund, Bouillon und Tankred;
Doch der tapferste war König Richard,
Er, der löwenherz`ge Held und Sänger.

Sultan Saladin war eingezogen
In Jerusalems geweih`te Thore,
Und es stampften schon die heil`ge Erde
Saracenenrosse bis ans Meer hin.

Fortgedrängt war bis an Joppe`s Strande,
Nach viel harten mühevollen Kämpfen,
Durch der Heiden Macht das Heer der Christen;
Doch hier hielt der Löwenherz`ge Wache.

Nur mit tausend Mann und siebzehn Rittern
Lagert er allein vor Joppe`s Mauern.
Kunde deß erhält kaum Selah-Eddin,
Als er gleich zum Angriff sich bereitet.

Ruft sein ganzes Heer heran zum Sturme,
Nahet sich bei Nacht dem Christenlager,
Hofft gewiß das Häuflein zu erdrücken
Und lebendig gar den Leu`n zu fangen.

Kaum erglüh`t der erste Strahl der Frühe,
Stürzt die Schildwacht in das Zelt des Königs:
Herr entflieh`, wir alle sind des Todes,
Denn der Heide stürmet schon das Lager!

Rasch ins Panzerhemde fährt der König,
Stürzt hinaus und ordnet schnell die Schaaren,
Läßt sie eine dichte Phalanx bilden
Und erwartet kühn der Heiden Angriff.

Gleichwie eine Mauer wehrt dem Sturme
Und zurück ihn brauset, flehn die Christen;
Sechsmal treibt der Sultan vor zum Angriff,
Sechsmal muß sein Heer bestürzt entweichen.

Schon ein Wall von Saracenenleichen
Thürmt sich auf vor Richards Heldenschaaren;
Da ergrimmt der Sultan Selah-Eddin
Und er ruft zu seinen flieh`nden Helden:

Wo sind die, die mir so keck versprachen
Jenen Leu`n zu zügeln und zu fangen?
Vorwärts! wenn ihr Männer seid zum Streite,
Schimpflich ist`s vor solcher Zahl zu fliehen.

Matt und wund erwiedert ihm ein Aga:
Dieser König, Herr, ist nicht wie and`re Menschen,
Wie der Sturm der Wüste wirft er nieder,
Seinem Arm kann Niemand widerstehen.

In der Seinen Mitte hielt der König,
Hieb und stach und trieb und rannte nieder,
Als sein Roß, von vielen Streichen blutend,
Sterbend niederstürzte auf die Erde. —

Doch nicht lange kämpft er nun zu Fuße,
Als, mit prächtig aufgeschirrten! Rosse,
Zu ihm drang ein Saracenenritter
Und dem König diese Worte sagte:

Nimm o Herr, dies wahre Pfand der Ehre,
Dieses Streitroß schenkt Dir Selah-Eddin,
Denn nicht würdig ist`s für einen König,
Wie ein nied`rer Sklav` zu Fuß zu kämpfen.

Ha, rief Richard, ja, das ist der Sultan,
Das ist seiner tapfern Seele würdig!
Sag` ihm Ritter, daß ich`s gern empfange
Und der Gabe werth mich zeigen werde.

Und der König setzt sich gleich im Bügel,
Laut erdröhnt fein Schlachtruf durch das Feld hin
Und nach Löwenart, mit wildem Sprunge,
Bricht er weit hervor aus seinen Reihen;

Treibt, gefolgt von seinen tapfern Rittern,
Haufen Feinde vor sich her und strecket
Einen Aga hin, mit Einem Streiche,
Der ihm Kopf und Hals und Schulter trennet.

Da ergreift ein Graus die Saracenen,
Sie entfliehen schnell nach allen Seiten,
Und der Leu hielt endlich still und sah nur,
Wie die Eb`ne leer ward von den Heiden.

Und des Königs Ruhm durchdrang den Erdkreis,
Selah-Eddin, selbst ein Held und Ritter,
Schenkt` ihm höchste Freundschaft und Verehrung.
Das ist Lohn, den Heldenkraft erringet.

Lange blieb sein Ruhm im Morgenlande.
Türk`sche Mütter schreckten ihre Kinder:
Richard kommt! und türk`sche Reiter fragten
Ihre scheuen Rosse: seh`t ihr Richard?


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