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Gedicht - Ignaz Franz Castelli


Die Schäferzeit

So seid ihr süßen Schäferzeiten?
Ihr reinen Kinder der Natur?
Warum seid ihr so schnell verschwunden?
Vergebens such` ich eure Spur. —

Euch folgten alle reinern Freuden,
Und jeder Reiz des Lebens schied;
Ich find` euch nur mehr auf Gemälden
Und in des Sängers sanftem Lied.

In stetem Frühling prangte damals
Die Erde, nicht gedüngt mit Blut,
Und das, was ihrem Schooß entkeimte,
War auch für Alle gleiches Gut.

Die Welt war eine große Wiese,
Die Menschen Hirten, schlicht und recht,
Man kannt` in jener Zeit der Gleichheit
Noch nicht die Namen: Herr und Knecht.

Und diese freien guten Menschen,
Sie wußten nichts von Haß und Neid,
Es war kein Reicher und kein Armer,
Und das gab jedem Sicherheit.

Ein Blätterdach deckt` ihre Hütten,
Ein frisches Stroh ihr Lager war,
Ein dichtbelaubter Hain ihr Tempel,
Ein Rasenhügel ihr Altar.

Die Götter stiegen auf die Erde,
Den Menschen liebend sich zu nah`n,
Und kündigten sich nicht durch Donner,
Durch Güte nur und Segen an.

Weßwegen sollten sie auch zürnen?
Mit hoher Kraft und schönem Muth
War jedes Herz von Pflicht entflammet,
Nicht von der Leidenschaften Glut.

Sie strebten nicht nach tiefem Wissen
Und nach der Weisheit grellem Schein,
Der Hirten offnen Sinn erhellte
Die Fackel der Natur allein.

Sie hatten keine Musentempel,
Wo Unsinn vom Katheder schrie,
Doch nenn` ich sie die wahren Weisen,
Denn wahrhaft glücklich waren sie.

Zwar einfach klang des Hirten Flöte; —
Des Lebens Lust, des Lebens Scherz
Bracht` er in Verse und in Töne,
Doch beide trafen froh das Herz.

Der Erd` entwühlte ihre Schätze
Noch nicht der Habsucht gier`ge Hand,
Noch hatte sich die Herrschbegierde
Auf Meeren keinen Weg gebahnt.

Der Sohn blieb in der lieben Heimat,
Nicht fremdes Land betrat sein Schritt,
Er brachte dann nicht fremde Sitten,
Mit ihnen fremde Krankheit mit.

Was Recht ist, lehrte seine Seele
Und seines Vaters Beispiel ihn;
So schwand die Jugend ohne Laster,
Das Alter ohne Reue hin.

Gott Amor trug noch keine Binde,
Er lächelte voll Heiterkeit,
Wen er verwundet, heilt` er wieder,
Mit Hymen lebt` er nicht im Streit.

Je weniger die zücht`gen Mädchen
Die Reize, die Natur verlieh,
Durch Künste zu erhöhen strebten,
Je liebenswürd`ger waren sie.

Der Unschuld Roth deckt` ihre Wangen,
Das Haar wallt` um den Busen kraus,
Das klare Bächlein war ihr Spiegel,
Ihr einz`ger Schmuck ein Veilchenstrauß.

Den schön geformten Leib umfaßte
Ein kurzes Röckchen, schneeig weiß,
Daß sie aus ihrer Lämmer Wolle
Selbst schufen durch der Hände Fleiß.

Man wußte nichts von heil`gen Schwüren,
Man sagte nur: `Ich liebe dich!` —
Doch war dieß einmal ausgesprochen,
So trennte man auch nimmer sich.

Der Tod, dem wir erst Flügel gaben,
Er hinkte langsam her für sie.
Denn Krieg, Verführung, Gram und Wollust,
Sie stahlen ihm die Sense nie.

Wo seid ihr nun, ihr süßen Zeiten?
Ihr reinen Kinder der Natur?
Warum seid ihr so schnell verschwunden?
Vergebens such` ich Eure Spur.

Warum regiertest du nicht ewig,
Natur! mit deiner Segenshand?
Wie kam`s, daß dir der Eigendünkel
Das Zepter aus den Händen wand?

Wie? — oder wären diese Bilder
Nur unsrer Phantasie entschwebt? —
Wohl möglich! — denn ein Jeder saget:
Er habe erst nachher gelebt.

Ja diese Zeit ist eine Fabel,
Verdienet nimmer unsern Neid —
Der Mensch war niemals ohne Fehler,
Der Mensch war niemals ohne Leid.


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