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Gedicht - Ferdinand Raimund


An Gutenstein (2)

So schau` ich dich im Frühlingsschein,
Du mein geliebtes Gutenstein,
Und durch bedeutungsvolle Zahl,
Begrüß` ich dich nun siebenmal.
Die Welt, so alt sie immer sei,
An Trug und Täuschung bleibt sie neu,
Und edle Wahrheit thronet nur
Im Herzen kräftiger Natur.
Vertrauen ist ein muntrer Wandersmann,
Oft klimmt er froh den Berg hinan
Und frägt: Ist hier die feste Burg der Treue?
Da tönt`s zurück: »Hier findest du die Reue!«
Weil mein Gemüt nun auch zu solchem Los geboren,
So hab` ich dich zu meiner Braut erkoren,
Du liebes, trautes Gutenstein.
Hier will ich oft des Beifalls Rauschen
Mit der bescheidnen Stille tauschen,
In deines Tales dunklem Hain.
Hier will ich all mein Glutverlangen
Kühlen an den blühnden Wangen
Deiner üpp`gen Flur;
Und an deinem holden Busen
Suchen dann der flücht`gen Musen
Kunstgeweihte Spur.
Hoch auf des Klosterberges Gipfel,
Wo unter dunkler Tannen Wipfel,
Die heil`ge Wallfahrtskirche steht;
Wo der Sturm gebiet`risch weht,
Daß mit ehrfurchtsvollem Schweigen
Sich die stolzen Tannen neigen,
Vor dem hehren Gnadenbilde,
Das dort strahlt in Himmelsmilde;
Wo seiner eis`gen Kron` noch nicht beraubt,
Der Schneeberg kühn sein königliches Haupt
Hoch über Österreichs Berge streckt;
Wo all dies Hohe zur Begeistrung weckt:
Dort will ich sinnen über Erdenfreuden,
Schnell den Träumen Worte kleiden.
Bunten Wechsel in des Menschen Leben
Leiden, Dulden, Widerstreben,
Des Geschickes Zauberwalten
Will zum Werke ich gestalten,
Und wenn, was ich auf deinen Bergen sang,
Der Städter heitre Gunst errang,
Sind alle Blümchen, die ihr Lob mir streut,
Dir, meiner süßen Braut, geweiht.
Auf deine Höhn will all mein Glück ich tragen,
Nur deinen Klüften will ich mein Geheimnis sagen,
In deine Bäche will ich meine Tränen weinen,
Mit ihren Wellen meinen Gram vereinen.
So halt` ich fest an meiner frommen Liebe;
Des Neids, der Eifersucht gemeine Triebe,
Sie können niemals dieses Bündnis enden;
Denn buhlst du auch mit Elementen,
Wie darf ich Erdenwurm es wagen,
Der Schöpfung Triebe anzuklagen?
Darf ich rechten mit dem Blitz, der aus Donnerwolken zückt,
Und den glühnden Kuß auf deine Felsenlippen drückt?
Darf ich wohl den Strom beneiden, daß er deine Adern kühlt,
Oder mit dem Westwind grollen, der um deinen Nacken spielt?
Mit den Hirtenliedern, die auf deinen Alpen klingen,
Mit den Nachtigallen, die in deinen Wäldern singen?
Mit dem Morgen, weil er dir so freundlich lacht,
Mit dem Abend, weil er dich erröten macht?
Mit der Sonn`, weil sie ins Aug` dir schallt mit Liebesglut?
Mit dem Mondlicht, weil es nachts in deinen Armen ruht?
Mit dem Echo, weil`s in deinen Bergen haust?
Mit dem Sturm, weil er in deinen Locken braust?
Und soll ich endlich die Natur beneiden,
Die reiche Quelle aller Lebensfreuden,
Weil sie als treuer Gatte dich beglückt,
Und mit dir zeugt, was mich entzückt?
Nein, danken muß ich ihrer Himmelskraft,
Womit sie so viel Herrliches erschafft.
So will, geliebte Braut, ich`s mit der Treue halten,
Dich lass` ich mit Natur, du mit der Kunst mich schalten;
Euch weih` ich Lieb`, all meinen Freunden Dankbarkeit,
Dem Himmel meinen Geist, und meinen Leib der Zeit.
Und schließt mich einst die Kunst aus ihrem Tempel aus,
Verbirg mein graues Haupt in deinem grünen Hans!
Dann mag sich meine Lebenssonne neigen,
Dann will ich in dein kühles Brautbett steigen,
In deinem Schoß ruh` mein Gebein,
Mein Grabmal sei in Gutenstein!


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