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Gedicht - Benedikt Waldeck


Lieb und Leid

September 1820

Ich kenn` ein Vöglein, zart und jung,
Das singet in der Dämmerung,
Und wenn das liebe Vöglein singt,
Mir schier das Herz vor Wehmuth springt.

Ich kenn` ein Glöcklein silberrein,
Das klinget in dem Buchenhain,
Und wenn das liebe Glöcklein klingt,
Mir schier das Herz vor Wehmuth springt.

Ein Hüttchen auf der Wiese stand
Gar einsamlich und unbekannt,
Zwei blaue Sternlein blinkten drin
Und blinkten tief in meinen Sinn.

Oft abends ich zum Hüttchen schlich,
Und wundersam ergriff es mich,
Wenn ich die blauen Sternlein sah,
Die blauen Sternlein nickten: ja!

Mein Liebchen war so hold und treu
Und uns`re Liebe immer neu,
Oft unter`m Birnbaum saßen wir
Des Abends vor der Hüttenthür.

Die Nachtigall so lieblich sung
Wohl in der schönen Dämmerung,
Und unser Herze war so voll,
Daß es aus beiden Augen quoll.

Einst war ich schon dem Hüttchen nah`
Doch als ich nicht mein Mädchen sah,
Da wollt` ich in die Kammer geh`n,
O weh! wie ist mir da gescheh`n!

Da stand der Vater blaß und bleich,
Die Mutter einer Todten gleich:
Todt lag mein Mädchen hingestreckt,
Die blauen Sternlein zugedeckt.

O, meine Emma, rief ich laut
Und sank auf meine todte Braut,
An ihrem kalten Mund ich blieb
Drei Tag` und Nacht` in heißer Lieb`.

Die Männer kamen jetzt heran,
Mit schwarzen Mänteln angethan,
Sie trugen meine Emma fort. —
Stumm folgt` ich zu dem stillen Ort.

Schon war es heil`ge Dämmerung,
Die Nachtigall gar lieblich sung,
Sung klagend einen Leichensang
In tiefen Tönen schwer und bang.

Der Einsiedler im Buchenhain
Zog an sein Glöcklein silberrein:
Das Glöcklein klang, das Glöcklein klang,
Lind in die Erd` der Leib versank.

Die Sternlein liegen tief in Ruh`
Lind schwarze Erde deckt sie zu.
Ich griff zu meinem Wanderstab
Und wankte von dem heil`gen Grab.

Ich wankte in die weite Welt,
Mein Antlitz bleich und gramentstellt,
Ich sang den Leuten meinen Gram,
Doch keiner sich`s zu Herzen nahm.

Zwölf Monde wandelt` ich herum,
Da kehrt` ich sehnend wieder um
Zu ihrem Grab, zum Vaterland,
Doch Hütt` und Baum nicht wiederfand.

Wohl aber singt das Vöglein jung
Noch in der schönen Dämmerung,
Und wenn das liebe Vöglein singt,
Mir schier das Herz vor Wehmuth springt.

Auch klingt das Glöcklein silberrein
Noch oft im tiefen Buchenhain,
Und wenn das liebe Glöcklein klingt,
Nur schier das Herz vor Wehmuth springt.


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