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Gedicht - Ida


Ein letzter Gruß

Sei getreu bis in den Tod, so will ich
dir die Krone des Lebens geben.
Offenb. 2, 10.

Es strahlt der klare Vollmond sein Licht herab auf Rom,
Und durch die dunklen Gassen da wogt der Menschenstrom,
Und wie ein dumpfes Murren  geht`s durch die Reihen dicht:
„Der Kaiser will für morgen die Cirkusspiele nicht.`
„Nicht also,` rufen Andre, „wir haben unsre Lust,
Zog auch ein weichlich Mitleid in unsres Kaisers Brust.
Nur der von jenen Christen, der seine Schuld bereut,
Und kehrt zum alten Glauben, ist von dem Kampf befreit.`
„Die kehren nimmer, nimmer,` braust`s durch die Menge hin,
„Denn fest und starr wie Eisen, ist dieser Christen Sinn!` —
Und in der dunklen Grotte von Epheu überlaubt,
Birgt sich in weiße Hände ein zartes Mädchenhaupt,
Es liegt um ihre Schulter ein starker Männerarm,
Und ihre Stirne küssen zwei Lippen roth und warm.
„Sei stark, du meine Seele,` leis` seine Stimme spricht,
„Und wank auch bei dem letzten, dem schwersten Schritte nicht.
Als du auf meine Bitten des Kaisers Gnade nahmst,
Und von des Kreuzes Irrwahn zum alten Glauben kamst,
Hab ich von deinem Haupte die Strafe abgewehrt,
Und nur ein einzig Zeugniß hat man von dir begehrt.`
„Ich soll von sichrer Stätte,` so unterbricht sie ihn,
„Sehn wie die Glaubensbrüder dem Tod entgegen ziehn,
Soll jene hehre Fahne, die ich so feig` verschmäht,
Sehn wie sie hoch und herrlich hin über Leichen weht!`
Er streicht die wirren Locken ihr von der Stirn Zurück:
„Sei ruhig, du mein einz`ges, mein höchstes Erdenglück,
Ich weiß wie schwer die stunde, wie bitter für dein Herz,
Doch muthig sollst du tragen für mich den tiefen Schmerz.`
Sie sieht ihm seltsam Zweifelnd ins stolze Angesicht:
„Für dich, und nichts für Christo,` leis` ihre Lippe spricht.
Dann sagt sie leis`, wie träumend: „gut Nacht, den Scheidekuß,
Und morgen, dort im Cirkus, erwart` ich deinen Gruß!`
„Ich steh an deiner Seite bis Alles ist vorbei,`
Ruft er, „und denke jubelnd, daß du bei mir und frei!`
„Ich bin dann frei,` spricht leise sie unter seinem Ruß,
„Leb wohl, leb wohl, Geliebter, vergiß nicht jenen Gruß.` —
Und als sie seine Schritte entfernen sich gehört,
Ist in den tiefen Schatten der Grotte sie gekehrt,
Und durch die südlich laue, mondhelle Sommernacht,
Blickt sie verklärten Auges hinauf zur Sternenpracht:
„Du wachst dort über Wolken, o Heiland Jesu Christ.
Der einzig und alleine du Welterlöser bist,
Ich Hab dich feig verläugnet, wie dein Apostelfürst,
Ob du der schwachen Seele, wie ihm, vergeben wirst?
O laß mich wiederkehren zu deiner treuen Schaar,
Von der aus Menschenliebe ich abgewichen war,
Gieb mir die Kraft zu tragen, was furchtbar mich bedroht,
Zu tragen ohne Zagen den fürchterlichsten Tod!
Weiß ich doch fest und sicher, wer mir Zur Seite steht,
Und wer am Thron des Himmels für mich verlorne sieht.
O stärke mich in Gnaden, mein Heiland Jesu Christ,
Der du die sichre Zuflucht in Sturmesnöthen bist!` —
Und mit gesenktem Haupte kehrt sie ins Haus Zurück,
Einsam wacht über Roma des Mondes klarer Blick. -- --
Und an dem nächsten Morgen, welch wüster Menschenhauf`,
Wälzt hin sich durch die Straßen, zum Cirkusplan hinauf,
Und strömt durch seine Thore, und füllt die langen Reih`n,
Und immer neue Schaaren sich drängen wild hinein. —
Dort an des Kaisers Seite, der mitten thront erhöht,
Leicht an dem Sessel lehnend, ein junger Römer steht,
Er trägt die weiße Toga des römischen Senats,
Und um ihn ist gerichtet der Sitz des hohen Raths!
Es schweift sein dunkles Auge im Cirkus hin und her:
„Ich sehe Claudia nirgend, mir ist das Herz so schwer!`
Und auf zwei weiße Rosen haucht er geheimen Kuß,
„Wird sie ihn nicht empfangen, den heißen Liebesgruß?!`
Der Kaiser winkt: „Nun Marcius, habt ihr sie schon erschaut,
Roms stolz erblühte Rose, die vielgeliebte Braut,
Die schönste Frauenperle, die je mein Auge sah,
Die kühne Christenfreundin, sie ist fürwahr nicht da!!`
Und in des Kaisers Auge scheint tiefer Zorn entfacht,
So blickt der Königstiger, wenn hungrig er erwacht.
Und vor dem wilden Blicke bleibt Marcius ruhig stehn:
„Sie gab ihr Wort zu kommen, ich kann es nicht verstehn!` —
— Und nun beginnt das Morden  dort auf des Cirkus Plan,
Es fällt der wilde Panther die Christenhelden an,
Die einzeln, ohne Waffen, dem Tod entgegengehn,
Und ihm mit Gottvertrauen ins bleiche Antlitz sehn.
Und auf die tapfern Helden da folgt die Frauenschaar;
Die stehen auch so ruhig in furchtbarer Gefahr,
Die sehen auf zum Himmel so fest und unverwandt. —
Und Marcius deckt das Antlitz, das blasse mit der Hand —
Ein heißes stilles Mitleid er tief im Herzen spürt,
Da fühlt vom Kaiser leise er seine Hand berührt,
Und jener, teuflisch lächelnd, spricht: „Marcius, aufgeschaut!
Wonach wir lang gespähet, jetzt seh` ich eure Braut!`
Und als des Kaisers Winke folgt scheu und bang sein Blick,
Da steht er bleich und bebend, und taumelt jäh Zurück.
Dort unten in dem Cirkus, dort auf dem blut`gen Sand,
An einer stelle haftet sein Blick wie festgebannt;
Dort steht,  von  weißen Kleidern umhüllt den schlanken Leib,
Ein Kreuzchen in den Händen, — ein wunderschönes Weib,
Wie Sonnenstrahlen schimmernd erglänzt ihr Auge licht
Und Himmelsfrieden lagert auf ihrem Angesicht.
Und ihre Augen suchen so innig seinen Blick,
Als bliebe alles Trübe auf dieser Welt zurück,
Als fei sie schon auf Erden ein sel`ger, reiner Geist,
Der mit erhobnen Händen nur immer aufwärts weist! —
Und hin zu Claudia`s Füßen, im Sand gelagert, ruht
Ein mächt`ger Wüstenlöwe, gar eine starke Hut —
Und ihre Augen flehen: Da sterben jetzt ich muß,
So sende, Lieb, hernieder mir deinen letzten Gruß!
Hoch aufgerichtet Marcius nun an der Brüstung ist,
Er sieht nur jene Tippen, die er so oft geküßt,
Er sieht wie sie so ruhig dem Tod entgegen wallt,
Die Zarte, heißgeliebte, die rührende Gestalt.
Und „Claudia, meine Claudia,` laut seine Stimme ruft,
Zwei weiße Flocken fallen hernieder durch die Luft,
Zwei duft`ge Rosen sinken vor ihren kleinen Fuß —
Das ist für sie auf Erden der letzte Liebesgruß!! —
Als hätten jene Rosen die Ruhe ihm geraubt,
Erhebt der Löwe murrend das königliche Haupt,
Er legt die ries`gen Tatzen auf Claudia`s Schultern fest,
Sie steht, die weißen Rosen eng an das Herz gepreßt.
Und wie des Löwen Bürde die zarten Glieder biegt,
Ein einz`ger Blick, ein letzter, hinauf zu Marcius fliegt,
Will ihn noch einmal grüßen in dieser Todesnoth,
Das ist ein Abschiednehmen, qualvoller als der Tod!
Im Cirkus wird es stille, der Kaiser selber schweigt,
Vor solcher Heldenstärke das Heidenthum sich neigt,
Und Christi Kreuzesfahne ist wieder aufgesteckt,
Sei sie auch mit den Leichen der Ihren überdeckt!
Wer so stirbt, der muß glauben, daß Alles werthlos ist,
Fehlt ihm der eine Name, der theure: Jesu Christ.


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