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Gedicht - Gustav Pfizer


Saul und David

Schwer drückte schon die Königslast
Saul`s sieggekröntes Haupt;
Der Priester, der ihn bitter hasst,
Hat ihm die Ruh` geraubt,
Verkündigend mit kecker Stirne:
Dass ihm der Herr des Himmels zürne.

Verrathner König! fühlst du dich
Von Gott getrennt, verwaist?
Drum fasst dich schnell und fürchterlich
Des Wahnsinns finstrer Geist;
Und traun! aus solchen Priesters Munde
Fliesst Balsam nicht in Königswunde.

Sass finster einst des Grames Sohn,
Der fast sich selbst verlor.
Da trifft ein weicher Saitenton,
Ein goldner Klang sein Ohr.
Den Sänger, frisch von Aug` und Wangen,
Führt man herein auf sein Verlangen.

Und wie er singt, so voll und heiss,
Wird sanft des Königs Muth.
Es schmilzt des starren Zornes Eis
In linder Wehmuth Fluth.
Und manche Stunde muss mit Tönen
Er seines Königs Harm versöhnen.

Was ist es, das den Schmerz bezwang,
Der ihm im Busen glüht?
Ahnt er vielleicht schon im Gesang
Ein königlich Gemüth?
Und kann vielleicht den Freudentblössten,
Ein König nur den König trösten?

Doch einmal gar zu wild und schwer
Packt Trübsinn seine Brust;
Die Geister scheu`n das Lied nicht mehr,
Sie gaukeln drin voll Lust,
Und ahnungslos stets mehr der Larven
Weckt David mit dem, Klang der Harfen.

Da wirft, von stummer Wuth entbrannt,
Von tück`scher Schaar versucht,
Der König mit gewaltiger Hand
Des schweren Speeres Wucht
Hin nach dem harmlos heitern Knaben,
Der seine Seele wolle laben.

Er fehlt — die Wand durchbohrt der Spiess;
Es zittert nach der Schaft;
Es hat aus Träumen, hold und süss,
Der Knabe sich gerafft:
Erschrocken eilt er aus dem Saale;
Dem König tagt`s mit Einemmale.

Dem scheuen Knaben eilt er nach,
Und so er zu ihm spricht:
`Du hast gesehen meine Schmach;
Bist ledig deiner Pflicht;
Doch sprich: willst du fortan mich hassen,
Mich ohne Trost im Grame lassen?`

Der Knabe sieht ihn kindlich an:
`Gott schaut ja mich wie dich;
Zerstreiten kann er deinen Wahn,
Erretten kann er mich.`
Und ihm zum Saale folgend wieder
Sang sorglos er die goldnen Lieder.


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