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Gedicht - Gustav Pfizer


Nebelhöhle und Lichtenstein

Als mir aus schönem Mund, es werde! tönte,
Da ward vom Feuerstrahl die Brust durchglüht,
Zum Bilde freundlich sich das Bild gewöhnte,
Und wogendes Gefühl ward still`res Lied,

Du holdes Blau! wenn du die ew`ge Höhle
Mit deinem immer frischen Schmelze mahlst,
Und holder noch, wenn du in trauter Nähe
Beseelt aus Doppelhimmeln wiederstrahlst!

Ich grüsse dich und deines Zaubers Milde!
Steh` im Gesang dem Dichter gütig bei,
Dass auch in seinem schwach gelungnen Bilde
Des Urbilds Schöne noch erkennbar sey.

Kalt muss, beraubt des Grüns, die Erde darben,
Bis aus dem Grab der Frühling sich erhebt,
Indess die ew`ge Jugend deiner Farben,
Rein überm Eis, wie über Blüthen, schwebt.

In deinem milden Schutze ward begonnen
Die heit`re Fahrt durch Berg und Thal und Flur,
Und uns erschloss die freundlichste der Sonnen
Den Reichthum all` der herbstlichen Natur.

Bis in der Nebelhöhle Felsgewinden
Wir niederstiegen, bei der Fackeln Schein
Seltsam gemuthet in den wilden Gründen,
Um uns am Spiel des Erdgeist`s zu erfreu`n.

Es hat`s nicht Menschenweisheit ausgesonnen,
Drum fasst es dich mit namenloser Kraft,
Und, mahnt; `es gebe Menschenkunst gewonnen,
Wo die Natur als Königin erschafft!`

Zurück gab uns die festlich ernste Höhle
Aus ihrer ewigen, wunderlichen Nacht,
Doch fühlet selbst noch die befreite Seele,
Umfangen sich von einer stillen Macht.

In jenen fackelhellen, feuchten Gründen
Hört ich das Wort aus deinem Munde geh`n;
`Nie werd` hierher den Weg ich wieder finden,
Und nie, du Wunderhaus, dich wieder seh`n!`

Dies Wort —du sprachst es aus mit leichtem Munde,
Des ernsten Sinns, wie träumend, unbewusst,
Doch, glaube mir: bis zu dem tieuten Grunde
Erschüttert` es das Herz in meiner Brust.

Kannst tadeln du, dass die verlassne Höhle,
Wie die entfloh`ne Kindheit mich gemahnt,
In der zurück der sehnsuchtsvollen Seele
Sich keine Brücke baut, kein Pfad Pfad sich bahnt.

So seltsam und so einzig lieb gestaltet,
War ihrer Fantasien bunter Lauf,
Und ach, den Geist der hold in ihr gewaltet,
Beschwört kein Fleh`n und keine Kunst herauf.

Gedenkst beim Fackelschein im Höhlenraume
Du an das kindisch, heimliche Gefühl,
Das mit dem Glanz vom hellen Christnachtbaume,
Tief in`s Gemüth des weichen Kindes fiel?

Willst du zur stillen Kindheit wiederkehren?
In deiner Brust ist was, das es verbeut!
Doch ohne Wunsch zu klagen — wer mags wehren,
Um eine rührende Vergangenheit?

Die Sonne stieg bei kühler Lüfte Wehen,
Bis sie der Tages Bahn am Himmel gleicht,
Und mit des stolzen Lichtensteines Höhen,
War schon des Weges fernstes Ziel erreicht.

Du edler Fels! der strebend zu verdienen
Des Namens Zier, so prangend sich erhebt,
Du, unter dem vom Abendroth beschienen,
Des tiefen Thales Nebel wallend schwebt!

Froh schweifend durch die grünen, goldnen Räume,
Verliert sich in Unendlichen der Blick,
Erbleichend zieh`n sich jene stillen Träume
Vor dieser stolzen Herrlichkeit zurück.

So freut die Jugend sich der schönen Fülle!
Aus frommer, träumerischer Kindheit Nacht,
Ist reicher Sinn und stolz bewusster Wille
Zum vollen Tag des Lebens aufgewacht.

Wenn schon die Welt liegt in des Schlummers Banden,
Da schwelgt sie noch in rother Abendglut!
Und längst ist ihr die Sonne auferstanden,
Wenn Alles noch in tiefem Traume ruht.

So ist uns auch der jugendliche Sänger
Vom Lichtenstein wohl einer Thräne werth!
Hätt` er doch Fels und Lied` und Jugend länger
Mit seiner Dichtung schönem Strahl verklärt!

Nun hat sein früher Tod es ausgesprochen:
Dass auch der Jugend Wonnetag enteilt,
Und dass, von Lieb` und Schönheit unbestochen,
Das Leben selbst im Mittag nicht verweilt.

So schlug auch uns zu früh des Scheidens Stunde,
Der Heimath Mahnung rief uns bald zurück,
Und scheidend floh`n zum Fels, zum Wiesengrunde,
Die sehnsuchtsvollen Blicke noch zurück.

Schon war die stille Nacht herabgesunken,
Die Heimath lag vor unserm Blick verhüllt,
Das müde Auge, leichten Schlummers trunken,
Von halbbewusster Träume Bild erfüllt.

Durch Berg und Thal, in oft bewegter Wendung,
So fuhren wir an Wald und Dorf vorbei,
Und wunderten uns bei der Fahrt Vollendung,
Dass hier das Ziel, dass hier die Heimath sey.

Die Heimath! So, mit lieblichem Betruge
Nennt man den Ort, wo Rast uns ist erlaubt,
Wo auf des Lehens stetem Wanderzuge,
Zu kurzer Ruh der Pilger senkt das Haupt.

Von wo, in nahen oder fernen Tagen
Die Neigung weg dich rufen kann, die Pflicht —
Ach! wo man noch ein Lebewohl muss sagen,
Ist noch die Heimath und ihr Friede nicht!

Es sieht Auguste! liebend voll Verlangen,
Die treue Mutter nach der Fernen aus!
Und innig sehnt, dich wieder zu empfangen,
Sich deiner ältern Heimath Flur und Haus.

Doch lass uns die Erinnerung, zum Gewinne,
Wenn gleich du länger nicht bei uns verweilst?
Dass heimatlich dir doch auch war zu Sinne,
Und dass nicht fremd du weg von Fremden eilst!


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