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Gedicht - Gustav Pfizer


Alterthum

Rückwärts wendet mir oft, zur Jugend des Menschengeschlechtes,
Unsrer Zerflossenheit satt, sich zur Begrenzung der Blick.
Griechisches Volk, du bist`s, das schönste der Erdegebornen,
Das dem Unruhigen Geist, Stunden des Friedens gewährt!
Grenzen noch hatte die Welt, um die harmlos ruhende Scheibe
Schlang Okeanos Strom gürtend den blaulichen Arm;
Unter des Aetna Geklüft ward dem Zeus das Scepter geschmiedet.
Ueber der Erde Gebirg ragte der Götter Pallast.
Söhne von sterblichen Müttern bevölkerten leuchtend den Aether.
Stolz zu der Ahnen Gestirn, blickte der Enkel hinauf.
Und zur Sonne, die man so fern nicht glaubte der Erde,
Dich noch erreichbar dem Huf, betete sterbend der
Held: „Helios! wenn auf der Bahn du das Land meiner Vater erschauest:
Zügelnd mit goldenen Zaum, halte zurück das Gespann
Und dem ergraueten Vater, der unglückseligen Mutter
Künde mein schmerzliches Loos, sage vom Sohn, wie er starb!`

2.

Stadt sich drängte an Stadt, wohl mochte den rüstigen Wandrer
Wechselnden Marken vorbei führen die Reise des Tags.
Wie dem Stamme, dem schlanken, entwächst dichtlaubig die Krone,
Ueber der Wurzeln Gebiet reichet die goldene Frucht,
In den Erzeugnissen selber erhebt sich fröhlicher Zwiespalt,
Denn aus dem Propfreis drängt neues Gewächs sich hervor!
So war sparsamer Raum für farbiges Leben ein Boden,
Herd des entzündlichen Streits, Wiege unendlichen Ruhms.
Lärmend fluthete hier des beweglichen Volkes Gewühle,
Könige setzen sich dort mit den Geronten zu Rath.
Lautlos herrschte der Wink in der Sparter geöffneten Strassen,
Denen für Mauern der Leib eherner Jünglinge galt;
Aber mit goldenen Worten erkaufte Perikles die Herrschaft,
Und der Olympier selbst buhlte um Gunst in Athen.
Druckte von oben herab mit funkelndem Schwert der Barbare,
Engte von unten das Meer, neidisch, die Herrlichen ein;
Aber es brachte der Perser die Kränze unsterblichen Ruhmes,
Und aus den Wellen des Meers tauchte die Göttin hervor.

3.

Harrend strömten die Völker auf Elis Plane zusammen,
Selbst den erbittertsten Hass hemmte die heilige Zeit.
Stärke und Anmuth rang; nicht der Stunde flüchtiger Beifall
Dehnte den Athem der Brust, stärkte die Sehne zu Erz,
Spornte die schäumenden Rosse zum wildesten Fluge — sie wussten,
Dass das Siegergespann einen Unsterblichen trug.
Alle die griechischen Städte durchbrauste der Name des Siegers,
Und unermeßlicher Werth wurde dem einfachen Kranz.
Nicht verschmähte der Sänger zu weihen die irdische Kraftthat;
Und der gewaffnete Huf weckte die Funken des Lieds.
Also wurden, geschirmt von waltenden Göttern und Sängern,
Fröhliche Spiele zum Ernst; aber das Leben war Spiel.

4.

Nütze das eilende Leben, die kraftvoll blühende Jugend!
Aus dem erstarrten Gebein schwindet den Schatten das Mark!
Scholl es den Jünglingen nicht aus der Vorwelt heil`gen Gesängen?
Sprach es Achilleus nicht selber, der Göttliche, aus?
`Hohen Geschlechts ist der Vater und göttlichen Stammes die Mutter,
Haben die Eltern nicht stattlich und schön mich erzeugt?
Und doch nahet auch mir unabwendbar des Todes Verhängnis,
Sey`s mit des Morgens Erglüh`n, sey`s mit dem sinkenden Tag.`
Aber den Todten verblieb in dem dämmernden Reiche die Sehnsucht,
Und der erhabene Zorn stärkte des Schattens Gestalt.
Trunken vom Glücke des Lebens, verliess die Beweinten Odysseus,
Von dem Geretteten ward heiss das Bedrohte umfasst.
Aber es bangte den Scheidenden nicht vor unendlicher Wand`rung;
Ueber den schwärzlichen Fluss flog mit dem Schatten der Kahn.
Und in ein leichtes Gewölke verschwammen die trennenden Marken,
Zweifelnd zum erstenmal barg sich die Granze dem Blick.
Siehe! geschlossenen Auges die beiden blühenden Brüder,
Wähnst zu umarmen den Schlaf? Aber du fasstest den Tod!

5.

Nieder zum weissen Gestein stieg, Grosses verheissend, der Künstler,
Aus dem erweichten Gebirg wuchsen die Säulen hervor.
Aber die luftigen Hallen erfüllten die` glänzenden Götter,
Die dem profanen Gemüth ewig Geheimnisse sind.
`Nimmer die flüssigen Reize des Leibs kann Marmor erreichen!
Die ihr mit Hundert gemacht, betet als Götter, ihn an?`
Also verweisen die Klugen dem Künstler den heiligen Wahnsinn;
Aber die Schönheit gewinnt, wenn auch der Glaube sich sträubt!
Nur im schwankenden Reich der Gedanken sind heimisch Gespenster,
Werden sie sichtbar dem Blick: hebt die Erlösung auch an.
Fürchterlich drängten und lange die Eumeniden Orestes,
Aber so bald sie entfernt, war auch die Sünde getilgt.
Strafend dem Schuldigen stand wohl zürnend der Gott gegenüber,
Doch in der eigenen Brust schwieg noch das strengste Gericht.

6.

Weit ist geworden die Welt und es dehnt sich unendlich der Himmel;
Stolz überflieget der Geist Grenzen, die jüngst ihn gebannt.
Hast du, unendliche Welt! des Gedankens verödete Wiege,
Hast du den köstlichen Schatz, welcher mir sättigt das Herz?
Bissest du zürnend mir nicht die Bilder aus kindlichem Busen?
Ach! du deutest den Weg, aber verhüllest das Ziel!
Sittsam duften die Rosen, es tönen die himmlischen Harfen,
Aber dem Liebenden fehlt immer der krönende Kuss.
Ja ich befürchte, mich selbst auf der endlosen Bahn zu verlieren,
Wie ich des kindischen Glücks farbige Wunder vergass.
Jeder der kommenden Tage verzehrt den vergangenen, schüttelt
Von dem gealterten Haupt Kränze der Jugend herab.
Last aus dem eilenden Strom zu der Insel griechischer Jugend,
(Williger kehr` ich zurück!) mich eine Stunde hinaus!
Hier ist mir wohl! o dürft` ich den Tag hier sonnig verträumen!
Aber der Fährmann ruft! Lebe, mein Griechenland! wohl.


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