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Gedicht - Ida


Einst geliebt

Nach dem englischen Gedicht „Loved once“
von E. Barret Browning

Des Jammers birgt die Erde viel, des Trüben,
Das keines Menschen Lippe zählt und nennt.
Doch nicht das Weh am Grabe uns‘rer Lieben
Ist’s, das so schmerzlich in der Seele brennt –
Nicht jenes Leid, da von dem treusten Herzen
Mit heißen Tränen sich das unsre trennt –
Das herbste Weh, das schwerste trägt mit Schmerzen,
„Ich liebte einst“, wer diese Worte kennt.

Und wer sie spricht? Die Engel nicht, die reinen,
Die betend schweben um des Höchsten Thron,
Die, wenn sie  L e b e n  sprechen  L i e b e  meinen
Aus deren Nähe aller Hass entflohn –
Auch Gott nicht, der Allliebende geheißen,
Er ändert nie sich, wie du, Schwacher, meinst.
Sein Herz ist Liebe, Liebe für die Sünder –
Sein Mund sprach niemals noch: Ich liebte einst.

Und niemals sind: „Ich liebte einst“ die Worte,
Mit denen Christus sich von dir gewandt,
Er schloss voll Huld dir auf der Gnade Pforte,
Und nur um  G n a d e  bittend hebst du deine Hand.
Du sollst, wie einst du liebtest, ewig lieben,
Dein Wort fällt auf dein Herz am Himmelsthron dereinst.
Dein schwacher Arm kann keinen Stern verschieben
Und kränkst den Bruder doch mit deinem Worte: Einst!

Wir liebten einst! So eure Lippen sprechen.
Ist unsre Erde nicht schon kalt und trüb?
Wollt ihr denn noch mehr Weh zusammen tragen
Hin auf das Herz, dass euch doch einst so lieb?
Das einst dich betend himmelan gehoben,
Des Tränen du noch heut zu sehen meinst!
Des süßes Lächeln lange schon entflogen,
Da wolltst du sprechen kalt: Wir liebten einst!

Und könntest du: „ich liebte einst sie!“ sagen,
Wenn ich geschieden, in der Ferne bin?
Wenn andre Herzen an dem deinen schlagen
Und kaum an mich gedenken mag dein Sinn,
Wenn da, wie Blumen fern vom Sonnenscheine,
Mein Bild verblasst, du mich vergessen meinst,
Wenn meine Hand sich nie mehr legt in deine,
O sprich das Wort nicht aus: ich liebt sie einst!

Und könntet ihr, wir liebten einst sie, sprechen,
Wenn fort sie gingen ohne Wiederkehr,
Im letzten Kampfe ihre Augen brechen
Und nun ihr Platz auf Erden ewig leer.
Sie sündenlos im Himmel nun dich lieben,
Um die du bitter auf der Erde weinst –
O wollst sie nicht mit jenem Wort betrüben,
Dem kalten, öden: „wir sie liebten einst!“

Lass nie: ihr liebtet einst, die Worte klingen,
Gott ist euch nah, im Leben wie im Tod.
Ihr sollt dereinst ja auf der  L i e b e  Schwingen
Entgegenfliehn dem ew’gen Morgenrot;
Und was an Wechsel auch die Erde kannte,
Ist’s doch kein Wort, das Engel mehr betrübt
Als jenes, das der Himmel niemals nannte,
Als jenes hasserfüllte: „Einst geliebt!“


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