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Gedicht - Gustav Pfizer


Der Schnee

Mit der handgeschmückten Zitter
Und die Brust von Seufzern schwer
Wandelte der nord`sche Ritter
Durch` Tolosa`s Blüthenmeer;
Bald ertönen die Gesänge,
Wie das Blau aus Wolken bricht,
Und bald rüh`n die holden Klänge —
Aber seine Seele nicht!

Und der Knappe, nord`scher Sitte,
(Ehmals folgt er ihm so gern!)
Geht mit unmuthvollem Schritte
Hinter seinem hohen Herrn,
In sich hebt er an zu klagen:
„Wollte Gott doch, dass das Schiff
Das uns über`s Meer getragen,
Scheiterte an einem Riff:

Eh` der Teufel in dem Weibe
Voller Spott und Hohn und — Glut,
Saugte bei lebend`gem Leibe
Meines Ritters edles Blut!
Er sieht aus, als ob von Frieren
Ihm das Blut im Leib` gerann,
Und wer weiss, ob beim Turnieren
Er noch Lanzen tragen kann?

Was wohl wird der Alte singen,
Der jezt träumt vom Heldensohn
Wenn wir das Gespenst ihm bringen
Ohne Dank und Siegeslohn?
Blass von Farbe, schmal von Wangen,
Mit dem schnöden Liebes-Tand —
Wie ein Storch, den man gefangen,
Kommt mit einem Fetzen Band!

Und Iduna! Kind voll Güte!
Deinen Schmerz will ich nicht seh`n,
Wenn der Stumme, Abgeblühte
Wird vor deinem Auge steh`n!
Wenn sein Sinn Von deinem Bilde
In das fremde Land entweicht,
Und das Kind voll Engelmilde,
Mit dem welschen Weib vergleicht.

Ardo! Ardo! als wir kamen,
Schwoll dein Herz im Siegestraum!
Jetzt vergasst du deinen Namen,
Und dich selber kennst du kaum!
Ziemt es mir, dir vorzurücken
Deine Ehr` und Ritterpflicht?
O du lies`st in meinen Blicken,
Doch verstehen willst du nicht.

Wer will Ardo hart verdammen,`
Den schon straft der eigne Schmerz,
Dass er in der Schönheit Flammen
Nicht bewahrt ein kühles Herz?
Dass Bianka`s dunkeln Blicken
Er nicht mit dem Helmsturz wehrt,
Und dem lockenden Entzücken
Trotzig nicht den Rücken kehrt?

Weiss sie es wohl selbst die Schöne,
Die sich nur vom Spiegel kennt;
Ob sie seine Glut nur höhne?
Ist`s, dass auch ihr Herz entbrennt?
Morgens ist sie übermüthig,
Mittags sieht sie ihn nicht an,
Und am Abend fragt sie gütig:
Was ihn so betrüben kann?

Die der Knappe zornig schmähte,
Weil sie seinen Herrn gewann,
Ach! ich künd` ihr keine Fehde
Einem schwachen Weibe — an,
Wenn sie in der Männer Blössen
Ihren Zaubersamen wirft,
Und voll Anmuth, selbst des Bösen
Leichten Schaum die Lippe schlürft!

Wie der Leu dem Eisengitter
Nimmermehr entspringen kann:
Härmt sich der gefangne Ritter
In der Liebe Zauberbann;
Hält die Diener ferne, meidet
Ihren vorwurfsvollen Blick,
Und in ew`gem Durste weidet
Er sich an gehofftem Gluck.

Oeffnet` einst ein Knapp` die Pforten,
Haupt und Bart bereift und weiss:
`Herr! wir sind beinah im Norden,
Alles ist voll Schnee und Eis!`
Und der Ritter ohne Säumen
Eilt zum schimmerndweissen Plan;
Aber gar ein seltsam Träumen
Hebt in seiner Seele an.

Denn er sieht des Nordens Sonnt
Feurig uber`m Schneeberg glüh`n,
Sieht der Jugend Lust und Wonne
Farbig sich vorüberziehen;
Ihn im Fluge zu begrüssen,
Steht er auf des Hekla`s Höh`,
Und er schaut den alten Riesen,
Feuer innen, aussen Schnee.

In der Heimath, voll Verlangen,
Pocht er an des Schlosses Thor;
Und den Fremden zu empfangen,
Tritt ein holdes Bild hervor;
Spielend streuen Silberflocken
Auf den dunkeln Pelz ihr Licht,
Und hervor aus goldnen Locken
Strahlt Iduna`s Angesicht.

Doch Bianka ist verschwunden
Und der feigen Sehnsucht Schmerz!
Wieder hat er sich gefunden
Und das alte, treue Herz.
Seine Diener heisst er kommen,
Heisst sie waffnen sich im Flug,
Und — die Botschaft kaum vernommen —
Steht gerüstet schon der Zug.

Eilig schwingt er sich, doch schweigend,
Auf das ungeduld`ge Ross,
Und vorbei, sich stolz verneigend,
Sprengt er an Bianka`s Schloss.
Nur ein Knappe, froh der Reise,
Rief im wild verhängten Lauf:
„In der Provenzalen Eise
Geh`n erst nnsre Rosen auf!`


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