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Gedicht - Ignaz Franz Castelli


Dedikation

M** will mir seine Gedichte weih`n,
Die ich auch anzunehmen gedenke;
Die Freundschaft erhöh`n ja kleine Geschenke.


402. Das Lied vom Munde
(Seitenstück zum `Lied vom Auge`)

Es ist ein kleines Pförtelein
In einem großen Haus,
Viel des Gemeinen geht hinein,
Des Edlen viel heraus.

Zwei Purpurstreifen zieh`n sich hin,
Am Rand` vom Pförtelein,
Damit man sieht, der wohnt darin,
Das muß ein König seyn.

Im Innern ist das Pförtelein
Mit Perlen ausgeschmückt,
Die prangen in zwei schönen Reih`n,
Daß es das Aug` entzückt.

Es zieht — bewohnt das Haus ein Mann —
Gebüsch sich um die Pfort`;
Ist`s einem Weibe unterthan,
Dann wächst kein Grashalm dort.

Ein ungetreuer, böser Mann
Ist oft der Pförtner zwar;
Denn was der Hausherr dacht` und sann,
Er kündet`s selten wahr.

Und alle Fremden äfft er meist,
Die vor der Thüre steh`n,
Läßt selten nur den wahren Geist
Der drinnen wehet, — seh`n.

Nicht gleich gebaut ist jedes Haus,
Aus manchem Pförtchen klein
Hallt es so lieb und süß heraus,
Wie Silberglöckelein,

Und wieder andre offnen sich
Mit gräßlichem Geschrei,
Das knarret dann so widerlich,
Als fehlt`s an Öhl dabei.

Es darf in`s Haus nichts Ganzes gehn;
Ein weißmontirtes Heer
Von Würgern, die am Pförtlein stehn,
Zermalmet es vorher.

Am Pförtlein wohnet eine Frau,
Sieht roth und spitzig aus;
Was sie verkostet hat genau,
Nur dieses darf in`s Haus.

Auch sagt man, wenn das Weib nicht wär`,
So gings im Hause dort
Viel ruhiger und klüger her,
Man hörte gar kein Wort.

Es bergen oft die Grazien
Beim Pförtlein sich am Haus,
Und aus den Rosen, die da stehn, -
Da lächeln sie heraus.

Sie winken, — läßt sich Jemand ein,
Spielt einen bösen Streich,
Und drücket sanft an`s Pförtelein,
So fühlt`s der Hausherr gleich.

Er drückt entgegen mit Gefühl,
Sich seines Rechts bewußt,
Und es gewährt dieß süße Spiel
Dann beiden Theilen Lust.

Hält sich der Hausherr immer still,
Und hält er`s Pförtchen rein,
So trägt, was er verbergen will,
Ein Jeder gern hinein.

Oft wird der Herr ein Ding gewahr,
Das er nicht haben kann,
Da läuft das Pförtlein, sonderbar!
Ihm gleich voll Wasser an.

Steht auf dem rechten Fleck die Pfort`,
Und ist kein Blatt davor,
Dann pfeift so mancher Wind von dort
Uns sausend an das Ohr.

Was zum Genüsse diese Erd`
Erzeuget fort und fort,
Was uns erquicket und ernährt,
Das muß durch diese Pfort`.

Auch was des Menschen Geist gebar,
Ein jedes wicht`ge Wort,
Soll`s anders werden offenbar,
Muß auch durch diese Pfort`.

Das ist ein wichtig Pförtelein,
Und dennoch, — geht zur Ruh
Des Hauses Herr — so stopft`s Freund Hain
Mit wenig Erde zu.


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