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Gedicht - Carl Immermann


Gretchens Rose

In Gretchens Kammer an der Wand
Das arme kleine Röslein stand,
Und hatte nichts zu trinken.
Im Topfe war kein Wasser drin,
Ließ fallen seine Blätter hin,
Und ließ das Köpfchen sinken.

`Ach, wie war Gretchen sonst mir gut!
Wie hegt` ich, Röslein, frischen Muth,
Ich hatte satt zu trinken.
Und gern reicht` ich ihr Blum` und Reis,
Zu schmücken Hals und Busen weiß,
Weil sie mir gab zu trinken.

`Nun leid` ich vierzehn Tage Durst,
O wüßtest du um Blumendurst,
Du gäbest mir zu trinken! -`
Im Seufzer hört die Klage auf,
Und sterbend läßt die Rose drauf
Ihr letztes Blättchen sinken.

Und kaum, daß sie verschieden war,
Da kam, mit Myrthenzweig im Haar,
Das Gretchen frei gegangen:
`Muß doch an meinem Hochzeittag
Heut einmal wieder sehen nach,
Wie`s meiner Ros` ergangen.`

Und sieht`s; und ihre Wang erbleicht:
`War ich verliebt, dir konnt` ich leicht
Das bisschen Wasser geben!`
Und streichelt sie vieltausendmal,
Und weckt mit Thränen ohne Zahl
Die Rose nicht zum Leben.


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