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Gedicht - Ida


Sanct Julia

Aber in dem Allen übewinden wir weit
um deß Willen, der uns geliebet hat.
Röm. 8, 37.

Es schallet lauter Jubel aus jenen Hallen her,
Und aus den Säulengängen, da strömt von Licht ein Meer.
Die Sclaven emsig rennen wohl durch den weiten Saal,
Vitellius, Roma`s Kaiser, er sitzt darin beim Mahl.
Auf weichen Polstern lagernd trinkt er den Feuerwein
Und fleißig füllt die Sclavin den goldnen Becher sein. —
Im Kreise, Laub und Rosen im langen weichen Haar,
Da ruht des Kaisers wüste, verkommne Höflingsschaar,
In weiße Kleider hüllen sie den entnervten Leib
Und schminken sich und salben wie ein verliebtes Weib.
Der Kaiser hebt mit Lächeln empor den Goldpokal:
„Nun, Flavius leert den Becher heut Abend auch einmall`
„Ich glaub er ist entschlafen.` — „weckt doch den Träumer auf!`
So spottet mit dem Kaiser der weinestrunk`ne Hauf`!
Und Flavius hebt erglühend empor das stolze Haupt:
„Ihr irrt, bei eurem Leben, wenn ihr mich schlafen glaubt!
Ich steh allein Vitellius das Recht der Frage Zu,
Sonst keinem von euch Allen, und nun — laßt mich in Ruh!`
Der Kaiser winkt herüber: „Still, Flavius, mein Freund!
Es war ein leichtes Necken und ernsthaft nicht gemeint,
Doch lass` es mich erfahren, was dir die Stirne trübt,
Ließ dich die stolze Schöne, die du so lang geliebt?`
Empor fährt Flavius zornig von seinem weichen Sitz,
Aus seinen dunklen Augen, da stammt ein jäher Blitz
Und grollend spricht er weiter: „Erlaßt mir den Bericht,
Für eure frohen Feste, da paßt er wahrlich nicht!` —
„Sprich, Flavius,` zürnt der Kaiser, „was ist`s, das du erlebt?`
Und jener voll und ruhig nun an zu sprechen hebt:
„Ich ging am hohen Mittag durch Roma ganz allein,
Auf Straßen und auf Märkten lag heiß der Sonnenschein.
Und als ich, Schatten suchend, ein in die Hallen bog,
Ein Haufe wüsten Volkes entlang die Straße zog.
Die gingen mir vorüber mit Lärmen und Geschrei,
Auch deine rohen Schergen sah ich, mein Herr, dabei!
Die führten, Hals und Arme gefügt in Ketten schwer,
Wie ein gefesselt Raubthier, ein wehrlos Weib daher.
Es lag auf ihren Zügen der Unschuld Zauberreiz  —
Und hinter ihr da trugen die Henker hoch — ein Kreuz!`
Und Flavius hüllt das Antlitz, das plötzlich tief erblaßt.
Die Höflingsschaar im Kreise vergeht vor Spannung fast. —
Der Kaiser hat das Antlitz, das kalte, abgewandt,
Und fortzufahren winket die leicht erhobne Hand. —
Und Flavius sieht sich ruhig im Kreise rings herum,
Da ist in tiefem Bangen jedwede Lippe stumm —
Es hebt mit rauher Stimme der Jüngling wieder an:
„Ich trat mit schnellem Schritte zu dem Lictoren dann
Und frug: ,Weshalb die Jungfrau zum Tode sei geführt?
„Es ist ein Christenmädchen,` versetzt er ungerührt.
Die Jungfrau wandte ruhig das zarte Haupt zurück,
Aus großen dunklen Augen traf mich ein Rindesblick,
Dann that sie fest und sicher zum Tode Schritt auf Schritt,
Und ich, mein Herr und Kaiser, ich ging zur Richtstatt mit!!
Als wir die Trauerstätte nur allzuschnell erreicht,
Da hatten meine Bitten den Lictor fast erweicht,
Er wollte Julia retten, er nahm mein rothes Gold —
Wenn sie dem Christenglauben entsagen noch gewollt!
Und als ich bittend flehte um das Erlösungswort,
Sprach sie mit klarer Stimme: „weich, du Versucher, fort,
Fahr` hin, du reiche Erde, du schöne Welt, fahr` hin!
Christus er ist mein Leben, und Sterben mein Gewinn!`
Ich sank zu ihren Füßen: ,„o rett` dich, Julia!`
Sie stand im Abendgolde wie eine Heil`ge da!
Und mit erhobnen Händen sprach sie das laute Wort,
Das klingt noch immer, immer in meiner Seele fort:
,„Das Kreuz, das heut verachtet, verspottet und verschmäht,
,Auf himmelhoher Kuppel einst über Roma steht,
,Und deine falschen Götter, und auch die Kaiser dein
,Wird einst zu Boden schmettern des Kreuzes Glorienschein!
,Und ob dem Christenhäuflein auch alle Wetter droh`n,
,Sinkt doch vor ihm Zum Staube einst Cäsars stolzer Thron.
,Und ob die sel`ge Stunde auch heute Rom noch fern,
,Es siegt einst allgewaltig das Kreuz, das Kreuz des Herrn!`
`Dann flüstert leis` Gebete der Jungfrau frommer Mund,
Und in dem tiefsten Herzen ward`s mir auf einmal kund,
Wie feig Roms stolze Jugend, daß sie so ungerächt
Zum Tode führen sehe solch königlich Geschlecht,
Und daß Zum Christenglauben ein höh`rer Muth gehört,
Als in der Feldschlacht kämpfen,  in fester Hand das Schwert.
Indeß ergreift der Henker das kühne Christenweib,
Es ward ans Kreuz geheftet der jugendschöne Leib, —
Sie sah mit großen Augen zum blauen Himmel auf,
Als ginge all ihr Sehnen und Trachten da hinauf!
Und selig Lächeln spielte um ihren blassen Mund,
Als wären Himmelswonnen schon ihrer Seele kund. —
Ich stand an ihrem Kreuze bis sanft ihr Auge brach,
Ihr letzter Seufzer hallte in meiner Seele nach,
Und als ihr sterbend Antlitz bestrahlt des Mondes Glanz
Legt ich zu ihren Füßen den weißen Rosenkranz,
Und ohne jene Blumen bin ich in dieser Nacht
Zu deinen Hallen kommen, Zu deines Festes Fracht.
Und nun, tödt` mich, Vitellius, in deinem Recht du bist, —
Vernimm, o stolzer Cäsar, auch ich ward heut — ein Christi!`
Als wäre jäh gefallen des Blitzes Flammenstrahl
Vernichtend und zerschmetternd hernieder in den Saal,
So fährt von ihren Sitzen die Höflingsschaar empor,
Als schlüge Donnergrollen dumpf murrend an ihr Ohr. —
Der Kaiser sieht auf Flavius mit langem Blicke hin.
Als könnt er noch nicht fassen der kühnen Rede Sinn.
Dann spricht er abgewendet: „Ich will dein Leben nicht!
Ob des Gesetzes Stimme auch fordre das Gericht,
Ich geb dich frei, doch niemals wag dich zu nahen mir,
Weck nicht im Zornigen Löwen die dräuende Begier!` —
Und als nun Flavius scheidend die Schwelle hat erreicht,
Und vor des Kaisers Blicken die Höflingsschaar entweicht,
Da stützt er mit den Händen das blasse müde Haupt,
Vom Diadem umpfangen, von Rosen überlaubt,
Und seine Lippe leise die schweren Worte spricht:
„War so die Prophezeihung der Christenjungfrau nicht?
„Das Kreuz, das heut verachtet, verspottet und verschmäht,
„Auf himmelhoher Kuppel einst über Roma steht,
„Und ob dem Christenhäuflein heut alle Wetter drohn,
„Es sinkt vor ihm zum Staube einst Cäsars stolzer Thron!
„Und ob die selge Stunde auch heute Rom noch fern,
„Siegt einst doch allgewaltig das Kreuz, das Kreuz des Herrn!!`


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