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Gedicht - Ignaz Franz Castelli


Die Prophezeiung

In der schreckenvollsten Nacht
Siebzehnhundert fünfzig acht,
Da der Himmel Flammen spie,
Wind und Donner schrecklich brausten,
Stürme losgelassen sausten, —
Fürchterlicher`s sah man nie, —
Da erblickt ich — zwölf Uhr schlug`s —
Dieses Jammerthal des Trugs.

Bei des künft`gen Tages Grau
Trippelt` eine Bettelfrau
In das Zimmer, wo ich lag,
Und nachdem ihr eine Habe
Ward gereicht, trat sie am Stabe
Hin zur Wiege: `Guten Tag!` —
Schnarrte sie — `fein Püppchen du!`
Warf mir eine Kußhand zu.

Und mit einem Forscherblick
Schob sie dann das Tuch zurück,
Das mich halb verdeckte, — fuhr
Mir mit ihren Knochenhanden
Über Wangen, Brust und Lenden:
`Würmlein!` sprach sie, `schlafe nur,
Darfst nicht bang i n`s Leben seh`n,
Wird dir immer wohl ergeh`n.

`Machst, als Bube schon ein Held,
Großen Lärmen auf der Welt.
Tausend folgen deinem Ruf,
Eilen gen den Feind zu streiten;
Dann, als Jüngling, wird dich leiten
Noch zu Höher`m dein Beruf:
Machst ein Land von Tirannei
Schnell mit einem Schusse frei.`

`Wirst sonach ein großer Mann,
Leut` und Land dir unterthan,
Die von oben du regierst;
Wirst auf großem Fuße leben,
Auch wird sich`s nachher begeben,
Daß du Schild und Wappen führst. —
Groß als Künstler, betet man
Alle deine Werke an.`

`Eine Maid von hohem Stand
Reichet dann dir ihre Hand;
Und von Kindern eine Schar
Seh` ich dich und sie umringen,
Hör` dich Lob dem Himmel singen,
Und im Chorrock und Talar
Wird von dir, der gläub`gen Heerd`,
Alles Dunkle aufgeklärt.``

`Ferners will es dein Geschick,
Daß viel Tausend all ihr Glück
Suchen einzig nur bei dir;
Da wird dein`s ein Ende haben,
Du wirst Andern Gruben graben,
Und nicht lange, — glaub` es mir, —
Währt`s, so trifft das Sprichwort ein:
Du fällst selber auch hinein!`

Und die Alte ging hierauf. —
Alles schrieb mein Vater auf,
Und nach seinem Tode fand
Ich das Blatt, in meine Hände
Kam`s; nun les` ich`s ohne Ende,
Und was jene Her geahnt,

Traf, bald wird es klar euch seyn,
Leider nur zu wörtlich ein.
War als Bub` zu bänd`gen kaum,
Hielt mich gar nichts mehr im Zaum,
Darum gab mein Vater mich
Schon, — ich zählte kaum das zehnte
Jahr, — zu einem Regimente
Als Tambour. — So machte ich,
Richtig schon als Knab` ein Held,
Großen Lärmen auf der Welt.

Aber lange litt`s mich nicht,
Bald verließ ich Fahn und Pflicht,
Desertirt` in fremdes Land,
Wo mich dann als seinen Schüler
Aufnahm ein Komodienspieler,
Der Gefallen an mir fand;
War bald mit der Kunst vertraut,
Wie man brüllt und um sich haut.

Öffentlich zum ersten Mal,
Trat ich auf nach eigner Wahl
Keck als Tell. — Es hat der Neid
Zwar mit Zischen mich beehret,
Dennoch hat sich so bewähret,
Was die Alte prophezeit:
Macht ein Land von Tirannei
Schnell mit einem Schusse frei.

Immer mehr wuchs ich heran,
Ward sonach ein großer Mann,
Lebte auch auf großem Fuß,
So zwar, daß für mich der Schuster
Schnitt ganz neue Leistenmuster. —
Dann verkaufte mir ein Russ`,
Der schon an des Lebens Ziel
Stand, sein Marionettenspiel.

Zog damit von Ort zu Ort,
Ward erfüllt der Alten Wort:
Land und Leut` regierte ich
Jetzt von oben. — Aber immer
Ging es mit den Künsten schlimmer,
Und die Noth zwang endlich mich,
Meinen ganzen Künstlerschatz
Hinzugeben in Versatz.

Manchmal hatt` ich nebenbei
Mich verlegt auf Malerei;
Was war besser`s jetzt zu thun?
Ich verdingt` um zwanzig Thaler
Mich bei einem Wapenmaler,
Und so führt` ich freilich nun
Schild und Wapen. — Aber wie?
Auf Schubkarren führt` ich sie.

Pinselte auch nebenbei
Heil`gen-Bilder mancherlei,
Gar entsetzlich anzuschau`n;
Dennoch kauften sie die Bauern,
Hängten sie an ihre Mauern,
Ehrten da sie voll Vertrau`n:
Also betet immer man Alle meine Werke an.

Damals wohnt` ein Mägdelein
Neben mir, schön, jung und fein,
Lehrte Liebe mich geschwind,
Rappelte mir im Gehirne,
Und ich nahm zum Weib die Dirne,
Eines Ziegeldeckers Kind.
Also reicht aus hohem Stand
Mir ein Mädchen seine Hand.

In dem nahen Dorfe starb
Der Schulmeister, ich erwarb
Seine Stell`. Es wurde wahr,
Was die Alte sprach: Umgeben
Werde einstens mich im Leben
Eine große Kinderschar.
Auch sang ich das Lob des Herrn
Auf dem Chor; — nicht immer gern.

Da ich auch der Küster war,
Mußt` im Chorrock und Talar
Ich besorgen auch das Licht,
Und so hat es sich bewähret,
Daß ich Dunkles aufgekläret,
Wie die Prophezeiung spricht. —
Wieder einen andern Lauf
Nahm mein Leben bald hierauf:

Immer sehnte sich mein Weib
In die Stadt nach Zeitvertreib;
Alles that ich gern für sie,
Suchte Dienst an vielen Orten;
Endlich glückt` es, bin geworden
Schreiber bei der Lotterie;
Und so suchten richtig Viel
Auch ihr Glück bei mir — im Spiel.

Mit dem Glück der Lebenden
Wollt` es doch nicht vorwärts gehn,
Da nun in der Folge man
Mir ein Ämtchen bei den Tobten
Gnädiglichst hat angebothen,
Nahm ich dies mit Freuden an,
Und so bin ich also jetzt
Todtengräber noch zuletzt.

So bewährt` sich allgemach
Alles, was die Alte sprach;
Selbst auch dies erfüllte sich;
Daß ich Andern Gruben grabe.
Wenn ich jetzt das Glück nur habe —
Himmel! ach, beschütze mich!
Daß es Zeit noch mochte seyn,
Bis ich selber fall` hinein.


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