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Gedicht - Harro Harring


Ich sah das Land

Ich sah das Land, das wachsende, der Knechte,
Wo Tyrannei in schnöder Willkür wühlt
Wo zur Entwürdigung der heil’gen Rechte
Der Großen Plan auf innern Tod nur zielt –
Ja, wo zur Schmach dem göttlichen Geschlechte
Der Mensch um seine Brüder Karten spielt.
Nicht Sklave mehr; entseelt ist zur Maschine
Der Mensch, dass er der wilden Laune diene.

Ich sah die Schurken groß in Fürstensälen
Und Ehrenmänner unter Sklaven darben,
Sah Privilegien, ausgetheilt zum Stehlen,
Und die sich Reichthum durch Betrug erwarben
Tyrannisch die gekauften Seelen quälen!
Und Männer, stolz an Ruhm und reich an Narben,
Sah ich vor einem Knaben stumm – erbeben;
Ein Wink – und in Verbannung stürb’ ihr Leben.

Die schon zum Pranger reif in andern Ländern,
Gebrandmarkt durch verächtlichen Verrath,
Sah ich geschmückt mit Ordenssternen und Bändern
Und ihnen anvertraut die Macht im Staat!
Mit feilen Kupplern, frechen Ehrenschändern
Sah ich gewürzt den großen Reichs-Salat;
Daß Satan selbst mit Abscheu das Gericht
Wild von sich stößt und ruft: ich mag es nicht.

Und wo – wo liegt das Land? Doch nicht auf Erden?
Wer weiß? – Ich sah’s in einem schweren Traume.
Doch kann dein Vaterland ein solches werden,
wenn einst zur Frucht gereift die Blüth’ am Baume
Der Zeit. Schon deuten vielfach die Gebärden
Der Gegenwart dahin; - sie wirkt am Zaume
Der Zukunft, den gar schöne Perlen zieren –
Drum – wer nicht wach ist, wird sich selbst verlieren.


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