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Gedicht - Ida


Licht

Ich bin das Licht der Welt!
Joh. 8, 12.

Es sinkt auf Rom hernieder die Nacht mit ihrem Traum,
Rothgelbe Blitze zucken am dunklen Himmelssaum,
Durch düstere Cypressen, da streicht der Nachtwind sacht,
Und ferne rollt der Donner hin durch die dunkle Nacht.
Schon still sind Roma`s Straßen, kein Haus ist mehr erhellt,
Vom Himmelszelt hernieder ein warmer Regen fällt.
Am Thore ist die Wache ins Haus zurückgekehrt,
Ein einz`ger Prätorianer den Ausgang schützt und wehrt.
Und einzelne Gestalten, die nahen sich dem Thor,
Und zeigen dort verstohlen ein kleines Kreuzchen vor,
Schweigsam thut dann der Wächter die schwere Pforte auf,
Und sieht die stille Straße mit scheuem Blick hinauf. —
Da draußen vor dem Thore, da sammelt sich gemach
Ein Häuflein stiller Wandrer, vermehrt sich nach und nach.
In ihrer Mitte stehet ein hoher ernster Greis,
Es weht im warmen Nachtwind sein Bart so silberweiß,
Und Frauen und Mädchen folgen, und Männer aller Art,
Mit jugendfrischem Antlitz, mit längst ergrautem Bart.
Sie alle ziehen schweigend entlang den Tiberfluß,
Hin Zu den Katakomben eilt der Verfolgten Fuß.
Und fragst du, wer die Armen, die Ausgestoßnen sein,
Die durch die Nächte irren zu jenem Ort der Pein,
In jenen alten Gängen zu halten ihr Gebet,
Dort in den tiefen Höhlen, die Wolf und Fuchs verschmäht?
Das sind Rom`s kühnste Helden, das ist die Christenschaar,
Die felsenfest geblieben in dräuender Gefahr,
Das sind die treuen Jünger, die noch in Banden frei,
Die fest im Tode stehen, wie furchtbar er auch fei,
Das sind die starken Helden, die Christus noch bekannt
Selbst unter Todesmartern, selbst in des Henkers Hand,
Das sind die Zarten Frauen, die kühn und unverzagt
Ein Kreuzchen an dem Busen zu tragen noch gewagt,
Die unterm Jahn des Löwen, und auf des Circus Sand
Den Herrn, den ewig einz`gen, mit Lächeln noch bekannt.
— Es bricht durch schwere Wolken des Mondes leuchtend Schild,
Er strahlt so klar hernieder, so feierlich und mild,
Und bei dem lichten Scheine siehst du den Felsenspalt,
Durch den die Schaar der Christen jetzt nacheinander wallt.
Dort drinnen ist von Lampen erhellt der enge Raum,
Es dringt der matte Lichtschein hinauf zur Wölbung kaum,
Ein Treppchen führt mit Stufen, mit schmalen, von hier ab,
Und drunten gähnt die Tiefe wie ein geöffnet Grab.
Und bei dem Lampenscheine, der jenen Raum erfüllt,
Siehst du ein wunderseltsam, ein rührend schönes Bild:
Auf einem rohen Steinblock, von weißem Kleid umwallt,
Ruht eine jugendzarte, liebliche Fraungestalt.
Es wogt in dunklen Wellen um sie das reiche Haar,
Sie reicht den Christen einzeln die kleinen Lämpchen dar.
Ein seltsam traurig Lächeln zieht sich um ihren Mund,
Und ihre Augen thun die Wahrheit schmerzlich kund,
Das, was sie Andern spendet, das freundlich milde Licht,
Die arme Blindgeborne, sie sieht es selber nicht!! —
Wie sie sich plötzlich lauschend rasch zu der Pforte biegt,
Ein Helles, sel`ges Leuchten ihr Antlitz überfliegt,
Und alle Pulse klopfen des Herzens schlagen mit,
Da ist ein wohlbekannter, ein heißgeliebter Schritt.
Und eine hohe, ernste, gebietende Gestalt,
Tritt ein mit raschen Schritten durch jenen Felsenspalt.
Die kleine Hand der Blinden reicht ihm die Lampe dar,
Er streicht ihr leis und zärtlich das weiche dunkle Haar.
Er legt zwei frische Palmen auf Lydias Gewand,
Und nimmt die kleine Lampe zart aus der Blinden Hand,
Dann geht er jene Stufen hinab mit festem Schritt,
Die Blinde lauscht mit Spannung dem wohlbekannten Tritt,
Wie er auf jeder Stufe ihr fern und ferner schallt,
Wie stets er matter tönet, und wie er dann verhallt.
Es kam vor wenig Monden in Rom, der ew`gen Stadt,
Ein Pilger an die Thore, vom Wandern müd und matt.
Der kam auf weiten Wegen, und übers wüste Meer,
Aus jenem Gnadenlande, aus Palästina her.
Es war ein treuer Jünger des milden, sanften Herrn,
Und stät gefolgt sein Leben dem einen hellen Stern.
Schon viele Seelen hatt` er zum rechten Friedensport
Geleitet und geführet durch sein gewaltig Wort.
Als Wanderpriester kam er nach Rom Zur Christenschaar,
Die ohne Halt und Helfer in Angst und Kummer war. —
Als er Zum kleinen Häuflein, ein Christ, getreten ein,
Sprach jener hohe Alte: „Du sollst mein Bruder sein,
Komm mit in meine Hütte, und bleibe dort mein Gast,
Und halt, du Wandermüder, an meinem Herde Rast.
Führ du zum Christenglauben mein einzig liebes Kind,
Das wie an Körperaugen, auch an der Seele blind.` —
Und Monden sind vergangen seit jenem ersten Tag,
Und Lydia dachte träumend den Wonnetagen nach,
Wie er mit milden Worten vom Irrthum sie bekehrt,
Und sie zuerst die Stimme, die theure nur gehört,
Wie dann in ihre Seele gefallen jenes Wort,
Das dann die Engelstimmen darin geklungen fort:
„Ich bin das Licht, das ew`ge, das alle Nacht erhellt,
Mir weicht das tiefste Dunkel, ich bin das Licht der Welt!`
Das Wort von jener Liebe, die her vom Himmel kam,
Und wie mit Muttertreue die Ihren zu sich nahm,
Mit sanften milden Bitten die Jüngerschaar gelehrt,
Und tausend, tausend Seelen nur durch das Wort bekehrt.
Und aus den blinden Augen, da fielen Thränen schwer,
Sie lauschte bang erzitternd der todesbangen Mähr,
Wie man ans Kreuz geschlagen den großen Sünderfreund,
Und wie die Schaar der Jünger um ihn gezagt, geweint.
Des Priesters Stimme tönte wie Glocken fest und klar:
Wie Christus dann erstanden vom Tode wunderbar,
Und Lydias Seele bebte, wie durch den Nebel dicht
Sah sie von ferne schimmern der Welten einzig Licht!
Was ist ein Mädchenträumen, was ist ein Mädchenherz?
So voll von fester Treue, voll todesbangem Schmerz.
Sie konnte nicht begreifen, wie früher sie gelebt,
Es noch bei seinem Schritte ihr ganzes Sein erbebt,
Wie dunkel ihr erschienen die sternenlose Nacht,
Eh sie in selgen Träumen den Tag herangewacht.
Sie denkt der Feierstunde, die bald für sie erscheint,
Wo sie die heil`ge Taufe dem Christenbund vereint,
Wo auf die dunklen Locken das heilge Wasser fällt,
Wo seine Hand die ihre zum Schwur der Treue hält;
Dann darf an dem Altare sie mit den Schwestern knien,
Und seine Stimme hören, und immer ihn und ihn.
Es zieht ein mächtig Ahnen so durch der Blinden Herz,
Und innig strebt ihr Beten für ihn nun himmelwärts.
Da plötzlich hebt sie lauschend das leicht gesenkte Haupt,
Vorsichtig leise Tritte sie zu vernehmen glaubt.  —
Dann hört von Männerstimmen sie ein geheim Geschwirr,
Hört leise Rufe tauschen, und scharfes Schwertgeklirr.
Die Blinde rasch und hastig sich von dem Sitz erhebt,
Sie fühlt, wie ihr im Busen das bange Herz erbebt:
Die Tritte kommen näher: „Hilf Gott, das ist Verrath,
Das sind die Prätorianer, das ist der hohe Rath!`
Mit ihren zarten Händen löscht sie der Lampen Licht,
Sie fühlt der Flamme Flackern,  sie fühlt die Schmerzen nicht.
Dann leise sie und tappend der Stufen Anfang sucht,
Und eilt sie rasch hinunter in tödtlich hastger Flucht.
Dort unten in der Krypta, in tiefer Andacht steht
Die kleine Schaar der Christen versunken im Gebet.
Der Priester steht gewaltig inmitten am Altar,
Und beut der frommen Menge den Leib des Heilands dar.
Da öffnen rasche Hände der Treppe schwaches Thor,
Und aus der Pforte eilet ein todtbleich Weib hervor.
„Verrath, Verrath, die Wache! hört ihr die Tritte nicht?`
Ruft sie, und birgt verzweifelnd das blasse Angesicht.
Und drinnen stehn die Christen erblaßt, entsetzt, verstört,
Sie schaun sich Zweifelnd ringsum, ob sie auch recht gehört.
Da laut von Oben nieder ein wüstes Lärmen schallt,
Der Tritt von raschen Füßen dann auf der Treppe hallt.
Da ruft des Priesters Stimme: „Bleib bei uns, Jesu Christ,
Im Himmel und auf Erden für uns nicht Hülfe ist,
Laß uns geduldig leiden, und wanken nimmermehr,
Und hilf uns  freudig  sterben zu deines Namens Ehr!`
Und nieder sinkt die Menge Zu brünstigem Gebet,
Die Blinde zögernd ängstlich noch aufgerichtet steht,
Da ruft die theure Stimme: „Auf, Lydia, her Zu mir!
Eins an der Hand des Andern, so wollen sterben wir!`
Er fasset ihre Rechte die Hand so fest, so warm,
Um ihre Schulter legt sich der starke Männerarm,
Und ihre Seele jubelt in heißer Seligkeit:
„Was ist an deinem Herzen der Erde Weh und Leid?`
Da kracht die schwache Thüre, und fliegt dann dröhnend auf,
Und in die Krypta stürmet der wüste Söldnerhauf,
Mit hocherhobnen Waffen und Mordlust in dem Blick,
Und bleibt dann staunend stehen, und weichet fast Zurück. —
Auf ihren Knieen liegend beut stumm die Christenschaar
Zum Todesstreich den Nacken geduldig, willig dar,
Und alle Blicke richten so fest und unverwandt
Sich auf das goldne Kreuzchen in ihres Priesters Hand.
Der steht in ihrer Mitte mit ruhigem Gesicht,
Als wären Tod und Martern für ihn ein Schreckniß nicht.
Er hält mit starkem Arme die Blinde fest umfaßt,
Sie birgt in beide Hände das Antlitz tieferblaßt.
Ob auch die Schaar der Söldner erst steht wie festgebannt,
Hebt sich doch Zu den Waffen die blutgewöhnte Hand,
Und einer unter ihnen wirft jäh sein kurzes Schwert,
Zielt nach des Priesters Haupte, das voll ihm zugekehrt.
Und Lydia wirft sich plötzlich als Schild vor seine Brust,
Als hätte sie geahnet, was ihr doch nicht bewußt,
Als sähn die blinden Augen die furchtbare Gefahr,
Die dem geliebten Haupte so tödtlich nahe war.
Da gilt kein feiges Wanken, der hat niemals geliebt,
Der willig nicht fein Leben für den Geliebten giebt —
Es dringt in Lydias Seite das Schwert, das ihn bedroht, —
Für den Geliebten sterben, welch wonnevoller Tod!
Der Priester sich erbebend hinab zu Lydia beugt,
Das holde junge Antlitz an seiner Brust erbleicht.
Er legt sie leis` und zärtlich hernieder auf den Stein,
Und hüllt die schlanken Glieder in seinen Mantel ein,
Und beugt sich zu ihr nieder, und faßt die kleine Hand,
Und lauscht der theuren Stimme, so schwach und doch bekannt:
„Vergieb mir meine Sünde,` spricht leise sie und weich,
„Nimm mich in Gnaden zu dir in dein urewig Reich!`
Er spricht mit fester Stimme: „So theuer du erkauft,
Bist du in unsrer Lehre mit deinem Tod getauft,
Geh ein zum Himmelsfrieden mit starkem, festem Muth,
Dir ist die Schuld vergeben durch Jesu Christi Blut!`
Und wie ihr todtes Auge im letzten Kampfe bricht,
Ruft sie: „Ich seh es schimmern, der Welten hehres Licht,
Und tausend, tausend Sonnen vor meinen Augen sind,
Nimm auf, mein Herr, in Gnaden auch dein erlöstes Kind!`
Der Priester sacht die Todte aus seinen Armen läßt,
Er steht emporgerichtet, so ernst und felsenfest.
Er birgt an seinem Busen ein Löckchen dunkles Haar,
Dann reicht er beide Hände den Söldnern willig dar.
„So fesselt mich,` spricht ruhig mit klarer Stimme er,
„Es hat für mich das Sterben nicht seine Schrecken mehr!` —
Und wie sie hat geendet, die kleine feste Schaar,
Die ihrem Herrn im Tode so treu ergeben war!
Sieh die erhöhten Kreuze, schau auf des Henkers Hand,
Und sieh im weiten Cirkus von Blut gefärbt den Sand!
Sie starben kühn wie Helden, in Todesbanden frei,
Das ist zu Rom geschehen, im Jahr dreihundertdrei.


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