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Gedicht - Karl Lappe


Die Nonne

I.

Sitzt eine Jungfrau lilienbleich
Im engen Klosterstübchen,
Es Mm sich mit Thränen reich
Die holden Wangengrübchen.

Mag dieses wohl aus Andacht sein?
Die wird so heiß nicht glühen!
Noch sah das holde Jungfräulein
Nicht sechzehn Lenze blühen.

Sie sieht die Vöglein in dem Grün
Bei süßen Minnescherzen;
Da faßt sie fremder Sehnsucht Glüh`n,
Möcht` gern auch Etwas herzen!

Sie ficht durchs Thal im Sonnenschein
So lustig ziehn die Wellen;
Möcht` gerne frei wie Wellen sein,
Und ihre Seufzer schwellen:

`So schloß des Bruders Habsucht mich
Hier in die Klostermauern,
Da muß nun trüb und weinend ich
Des Lebens Lenz vertrauern.

Ich ließ ihm freudig Wald und Flur,
Die Burg mit ihren Hallen,
Dürft` ich doch frei und fröhlich nur
Durch Wald und Fluren wallen!`

II.

Sie blickt durchs Fenstergitter hell
Hinab zum Klostergarten,
Drin that ein blühender Gesell
Die zarten Blumen warten.

Sie blickt hinab, er blickt hinan,
Es trifft ihr Blick zusammen —
Und hat denn das der Blick gethan?
Ihr Antlitz steht in Flammen!

Die Jungfrau zicht sich schnell zurück,
Erfaßt von süßem Schauer,
Der Jüngling träumt von Liebesglück,
Und ist voll Liebestrauer.

Sie bunten Blumen all verblüh`n,
Die auf den Beeten prangen,
Seitdem er sah die Rosen glühn
Auf ihren weißen Wangen.

III.

Wo dicht sich der Hollunder flicht
Zu duftig blauen Kränzen,
Seh` ich ein Lilienangesicht
Im Mondenlichte glänzen.

Das wird doch nicht die Nonne sein?
Die muß im Chor` itzt beten!
Nie wagte sie`s im Mondenschein
So spät heraus zu treten?

Da naht ein Schatten durch die Nacht,
Sie muß den Schatten kennen,
Sie würde sonst so süß und sacht
Ihn nicht beim Namen nennen!

Und ist so schnell in ihrem Sinn
Der Himmel denn zerflossen?
Den hält sie fest im Arme drin,
Mit warmer Glut umschlossen!

IV.

Was tönt für schauerlicher Klang
Von Hammer und von Kelle?
Ein Nönnlein steht im Klostergang
Vor seiner Todeszelle.

Sie küßt das Muttergottesbild,
Im Kreise stehn die Nonnen.
O Himmelslicht, wie magst du mild
Die Scene übersonnen?

Sie ziehen ihr das Nonnenkleid
Vom sündig schönen Leibe;
Schon fügt sich Stein an Stein bereit
Zum Grab dem jungen Weibe.

Sie steht, wie eine Leiche stumm
Des bangen Tod`s gewärtig,
Die Nonnen beten ringsherum —
Bald ist die Wölbung fertig.

Du bleiche Nonne, lebe wohl!
Schon fugt die letzte Klammer.
Wie dröhnt zum Nonnenchor so hohl
Der dumpfe Takt vom Hammer!


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