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Gedicht - Karl Lappe


Ecce homuncio!

Holdes viel und Süßes beut zu schauen
Diese reichgeschmückte Wunderwelt:
Köstlich sind die Blumen auf den Auen,
Und das segenschwere Halmenfeld;

Herrlich strahlt die blaue Meereswelle,
Perlen blinken, Diamanten glühn;
Staunend stehn wir, wann in Schimmerhelle
Winternachts die Sterne Funken sprühn;

Sanft ist Mondlicht in gewund`nen Thalen,
Und der Laubwald zieht den Schauer an. —
Doch das Schönste, was sein Abbild strahlen
In den Stern des Menschenauges kann,

Das ist Menschenantlitz, ist die Blüthe
Unsrer eignen gottentlehnten Form.
Als das Leben in den Erdkloß sprühte,
Ward der Letztgeschaffne Schönheitsnorm.

Zwar wir fielen, und im Schmutz der Sünden
Glänzt das Urgepräge nicht mehr klar.
Aber lichte Zwischenräume künden
Dennoch strahlend, was die Menschheit war.

Wann Begeistrung für das Edle flammet,
Wann die Milde lächelt und verzeiht,
Wann das Mitleid, das vom Himmel stammet,
Jeder Regung sanften Abel leiht:

Wann die Freude, wie die helle Sonne,
Auf der hochgetragnen Stirne steht,
Wann der Andacht herzgefühlte Wonne
Leise schauernd durch die Seele geht;

Wann der Liebe trunkenes Entzücken
Jeden Zug durchathmet und verklärt: —
Da ist noch die Menschheit schön den Blicken,
Und der Abkunft aus dem Eden werth.

Und wir Alten, sind wir auch voll Mängel,
Stellen wir die Kindlein um uns her.
O, die kleinen Menschen sind noch Vögel,
Sündelos und rein und makelleer.

Schöner`s weiß ich nicht auf weiter Erden,
Als des Kindleins Unschuldsangesicht.
Ach, so waren wir, und ach! so werden
Unsre Kinder, wir nur blieben`s nicht.

Darum ist`s, daß mit so heißen Trieben,
Wie verschieden sonst die Neigung strebt,
Hier doch einig, wir die Kinder lieben,
Weil in ihnen das Verlorne lebt;

Daß wir stundenlang mit süßem Sehnen
Diese holden Züge lächeln sehn,
Oft, gerührt zu unbewußten Thränen,
An der Wiege schöner Kinder stehn;

Daß ein kindlich Bild, nicht bloß im Leben,
Auch sogar im tobten Kunstgebiet,
Wo nur Farben und nur Formen streben,
Jedes Auge lockt und an sich zieht.

Kann denn auch ein Kunstwerk hier erlangen,
Wohlgefällig angestaunt zu sein? —
Schön aus Wachs geformt sind diese Wangen,
Und die Gliedchen, wie so zart und fein!

Ganz ein kleiner Mensch ist hier zu schauen,
Wunderniedlich alles drum und dran!
Kommt, ihr ernsten Herr`n, ihr holden Frauen,
Seht euch doch den kleinen Engel an!

Was dies alles soll? wozu die Puppe?
All der Umschweif und die Verse gar?
Keiner räch es aus der ganzen Gruppe,
Einzig nur — das neuvermählte Paar.


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